Pakistanischer Präsident verzögert Veröffentlichung der UNO-Untersuchung zum Mord an Benazir Bhutto

Hintermänner des Attentates wurden in dem Bericht der Kommission nicht ermittelt

Im Juli 2009 hat eine unabhängige Kommission unter Chiles UNO-Botschafter Heraldo Muñoz ihre neunmonatige Arbeit aufgenommen, um die Hintergründe zu dem Mord an Benazir Bhutto, der ehemaligen Premierministerin und Ehefrau des jetzigen pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari, am 27.Dezember 2007 nach einer Wahlkampfveranstaltung in der Garnisonsstadt Rawalpindi zu untersuchen. Das Attentat ereignete sich zehn Wochen nach Bhuttos Rückkehr aus dem Exil und löste Unruhen in Pakistan aus.

Die Untersuchung gilt nun als abgeschlossen und die Ergebnisse würden vorliegen. Zadari hatte diese Untersuchung in den ersten Wochen seiner Amtszeit angeregt. Auf Antrag von Islamabad wird die Freigabe nun bis zum 15.April verzögert.

UNO-Sprecher Martin Nesirky sagte am 30.März auf einer Pressekonferenz

"Der Generalsekretär hat den dringenden Wunsch des Präsidenten von Pakistan akzeptiert, die Präsentation des Berichts bis zum 15.April zu verzögern.

Der Bericht der Jury ist nun komplett und bereit, geliefert werden. "

Der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hätte das Dokument noch nicht gelesen, es würde ihm am heutigen Mittwoch vorgelegt werden, sagte Nesirky.

Bevor der Wunsch des pakistanischen Präsidenten bekannt geworden war, sollte mit der geplanten gestrigen Veröffentlichung des Bhutto-Berichtes für drei Tage aus Sicherheitsgründen alle UNO-Büros in Pakistan geschlossen werden, sagte die UNO-Sprecherin Ishrat Rizvi in Islamabad. Die Mitarbeiter wurden angewiesen, zu Hause zu bleiben und den Umständen entsprechend von dort aus arbeiten. (1)

"Es ist eine Vorsichtsmassahme für die Sicherheit der Mitarbeiter, um unerwünschte Situationen, die nach der Veröffentlichung dieses Berichts auftreten können, zu vermeiden."

Die Vereinten Nationen kündigten die Verzögerung etwa zwei Stunden vor der vorgesehenen Veröffentlichung des Berichtes durch eine dreiköpfige Kommission an.

Pakistan würde die Aufnahme der Untersuchung für neue Beweise fordern, hiess es nach Angaben der Washington Post. (2) Die UNO-Kommission sollte Fragen an zwei unidentifizierte Staatsoberhäupter stellen, die Benazir Bhutto vor ihrem Tod angerufen und sie gewarnt hätten, dass ernste Gefahr für ihr Leben bestehen würde, sagte der Sprecher des pakistanischen Präsidenten, Farhatullah Babar. Die Vereinten Nationen teilten jedoch am Dienstag mit, dass die Untersuchung abgeschlossen ist.

UNO-Beamte erwähnten schon im voraus, dass der Bericht keine Einzelpersonen nennen würde, die auf Bestellung den Mord verübt hätten. Aber er würde Pakistans Militär für die Unzulänglichkeit scharf kritisieren, Bhutto nicht mit ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen an diesem Tag geschützt zu haben und es wurde die Einmischung der ehemaligen Militärregierung an der Untersuchung des Tatort sowie das Waschen des Fahrzeuges unmittelbar nach der Ermordung genannt.

Ein hochrangiger UNO-Beamter, der sich mit der Kommission getroffen hatte, sagte, der Bericht steht auch im Einklang mit den Ergebnissen eines Teams von Scotland Yard, dass zuvor festgestellt hatte, dass Bhutto durch einen einzigen Selbstmordattentäter, der ihr Fahrzeug in die Luft gesprengt hatte, getötet wurde. Das Team hatte nicht feststellen können, ob jemand den Mord angeordnet hatte.

Zardari war weniger daran interessiert, die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen als durch die Untersuchung der Vereinten Nationen ein umfassendes Dokument zu Ehren Bhuttos demokratischen Kreuzzuges in das Gesicht des islamistischen Extremismus zu produzieren.

"Ich bin nicht auf der Suche danach, drei Siebzehnjährige zu hängen, die fehlgeleitet waren. Wir kämpfen für eine Sache, die für uns grösser ist."

sagte er in einem Interview mit der Washington Post im September 2008.

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Quellen:
(1) http://www.dawn.com/wps/wcm/connect/dawn-content-library/dawn/news/world/12-un+delays+release+of+bhutto+slaying+report--bi-05
(2) http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/03/30/AR2010033003293.html