Beginn des Verkaufs von Schlaglöchern in Deutschland
Niederzimmern in Thüringen hätte gern eine ordentliche Strasse – erste Eigenfinanzierung durch Bürger
Man kann im Baumarkt Schlagbohrmaschinen kaufen, Kriminelle benutzen gern Schlagringe, Musikbands haben Schlagzeuge, die Konditoren und Schlemmer verwenden sehr gern Schlagsahne, gefürchtet ist der Schlaganfall.
Nun gibt es in Deutschland auch Schlaglöcher im Angebot. Die Gemeinde Niederzimmern in Thüringen hat sie im Überfluss, besonders nach diesem langen Winter.
Mit 50 Euro das Stück ist man dabei. Als stolzer Besitzer dieses Schlaglochs hat man Anspruch auf eine Plakette – auf die man einen selbst festgelegten Spruch prägen lassen kann – und die bei der Reparatur der Strasse in den Asphalt eingelassen wird. Bei dieser Gelegenheit kann man sich einen lustigen Spruch einfallen lassen oder seiner Liebsten ein nettes Wort schenken. Anlässe gibt es genug, die verewigt werden können.
Not macht erfinderisch, und Deutschland ist in Not. Die Einwohner dieses Landes finanzieren die notleidenden Banken, die notleidende Pharmaindustrie, die notleidenden Abgeordneten im Bundestag, die so bedürftig sind, dass sie sich etwas dazuverdienen müssen und bezahlen jetzt auch ihre Schlaglöcher selbst zusätzlich zu den Abgaben und Steuern, die für den Strassenbau erhoben werden.
Die Idee des Bürgermeisters Schmidt-Rose der Gemeinde Niederzimmern ist orginell und soll schnell Abhilfe des unfallträchtigen Missstandes bringen.
Sie ist aber auch ein Zeichen des kommunalen Niederganges der Bundesrepublik Deutschland mit der Umverteilung des Volksvermögens von unten nach oben in die Taschen der Wirtschaftskonzerne und den militärischen Interessenverbänden.