Schwere Zerstörung nach Beben in Haiti

Aktuelles

Zahl der Opfer unklar. UNO-Besatzungstruppe MINUSTAH aktionsunfähig. Stoßwellen auch auf Kuba zu spüren

Port-au-Prince. Haiti wurde am späten Dienstagabend (Ortszeit) von einem Erdbeben bislang unbekannten Ausmaßes erschüttert.
Die Stoßwellen erreichten nach Angaben von Messstellen in den USA eine Stärke von 7,0. Die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina zitiert den Direktor des Seismologischen Instituts der Autonomen Universität von Santo Domingo (Dominikanische Republik), dem zufolge die Erschütterungen stärker als beim letzten großen Beben im Jahr 1946 waren. Damals erreichten die Schockwellen eine Stärke von 8,1 auf der Richterskala.

Die Dominikanische Republik befindet sich, ebenso wie Haiti, auf der zweitgrößten der Westindischen Inseln, Hispaniola.

Nach Berichten haitianischer und internationaler Medien wurden Wohnviertel und die Infrastruktur massiv zerstört. Filmaufnahmen zeigen den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Port-au-Prince, ein schweres Kolonialgebäude, weitgehend zerstört. Unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtet Prensa Latina vom Überleben des Präsidenten René Preval. Über seinen Zustand wurde bis dato nichts bekannt.

Zahlreiche Regionalstaaten haben angesichts der immensen Katastrophe noch in der Nacht zum Mittwoch mit Hilfsaktionen begonnen. Venezuelas Präsident Hugo Chávez mobilisierte humanitäre Helfer der Katastrophenschutzeinheit "Simón Bolívar", die mit 50 Experten nach Haiti flogen. Nicaragua entsendete ebenfalls Hilfskräfte mit dem Auftrag, die Stromnetze wiederaufzubauen.

Im Osten Kubas, wo das Beben ebenfalls zu spüren war, wurden 30.000 Menschen evakuiert. Die Behörden bereiten sich auf eine mögliche Flutwelle vor.

In Haiti wird die Katastrophe wohl auch die Debatte über die UNO-Besatzungstruppe MINUSTAH anheizen. Das Hauptquartier dieser 9000-Mann-Truppe wurde zerstört, die Führungsspitze kam offenbar ums Leben. Vor zwei Jahren bereits, kurz vor der Verlängerung der MINUSTAH-Mission, verwies der haitianische Journalist Woody Edson Louidor in einem Bericht auf die zunehmende Kritik an der "Stabilisierungsmission" aus 17 Staaten. Die MINUSTAH habe es nicht geschafft, effektiv Hilfe zu leisten, schrieb Louidor. Bei militärischen Aktionen seien hingegen immer wieder Zivilisten getötet worden.

Soziale Bewegungen in Lateinamerika haben auch deswegen wiederholt den Abzug der Truppe gefordert. "Wir solidarisieren uns mit dem Kampf des haitianischen Volkes um Selbstbestimmung, wir fordern den unmittelbaren Abzug der MINUSTAH und ihre Ersetzung durch solidarische Entwicklungsmissionen sowie den Erlass der Auslandsschulden für Haiti", hieß es in einer Erklärung des Amerikanischen Sozialforums

Quelle: amerika21.de