Britische Studie: Nebenwirkungen bei Tamiflu

Britische Studie belegt starke Nebenwirkungen bei der Einnahme von Tamiflu bei Kindern

Die Health Protection Agency (HPA) hat zwei Studien durchfĂŒhren lassen, bei denen die Forscher zu dem Ergebnis kamen, dass nach der Einnahme des antiviralen Grippemittel Tamiflu (Oseltamivir) Nebenwirkungen bei einem sehr hohen Prozentsatz der Probanden festgestellt wurden.

Mehr als die HĂ€lfte der Kinder litten unter Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schlaflosigkeit und AlptrĂ€umen.

Die Daten wurden von Kindern an drei Schulen in London und in einer Schule in SĂŒd-Westen von England erhoben, die das Medikament Tamiflu vorsorglich verabreicht bekamen, nachdem sich Klassenkameraden mit dem Schweinegrippe-Virus angesteckt haben sollen.

Die Forscher sagen, dass es unwahrscheinlich ist, dass diese Nebenwirkungen auf andere Krankheitsursachen als auf die Einnahme von Tamiflu zurĂŒckzufĂŒhren sind, da sich die Symptome zu sehr bei allen Kindern gleichen.

Von den 248 SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern, die an der ersten Studie beteiligt waren, berichteten 51% ĂŒber Nebenwirkungen, darunter fast ein Drittel (31,2%),die sich danach krank fĂŒhlten, fast ein Viertel (24,3%) litten an Kopfschmerzen, mehr als ein FĂŒnftel (21,1%) bekamen Magenprobleme.

Bei der zweiten Studie wurde festgestellt, dass mehr als die HĂ€lfte der 85 Kinder in den drei Londoner Schulen Nebenwirkungen bekamen, als sie das Medikament als prĂ€ventive Maßnahme einnehmen mussten, nachdem bei einer Klassenkameradin das Schweinegrippevirus diagnostiziert wurde.

Von den 45 Kindern, die Opfer der Nebenwirkungen wurden, gaben 40% Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und-krĂ€mpfe an, wĂ€hrend 18% ĂŒber einen „neuropsychiatrischen Nebeneffekt“ wie schlechte Konzentration, die UnfĂ€higkeit, klar zu denken, Schlafstörungsprobleme klagten, GefĂŒhle der Benommen- oder Verwirrtheit bekamen, schlechte TrĂ€ume oder AlptrĂ€ume und „seltsames Verhalten“ hatten.

Die Studien wurden im April und Mai durchgefĂŒhrt, bevor die britische Regierung ihre PrĂ€ventivmassnahmen zur PandemiebekĂ€mpfung anordnete.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der medizinischen Zeitschrift Eurosurveillance.

Stellen Sie sich die Möglichkeit vor, hier wurden unter dem Vorwand einer Erkrankung eines MitschĂŒlers Medikamententests durchgefĂŒhrt! Auf Freiwilligenaufrufe fĂŒr Tests könnte man in einem solchen angenommenen Fall verzichten.

Sir Liam Donaldson, Chief Medical Officer der Regierung, spielte heute in einem BBC-Interview in Radio 4‘s Today diese ernĂŒchternde Studie herunter und sagte, Tamiflu sollte immer noch an die Kinder gegeben werden, wenn sie Symptome hĂ€tten, und es gĂ€be keine bestehenden medizinische GrĂŒnde, die Verschreibung der Medizin nicht zu verordnen.

„Alle Medikamente haben Nebenwirkungen. Es ist immer ein Fall der Entscheidung, das Gleichgewicht zwischen einer Behandlung und den Nebenwirkungen fĂŒr den Patienten zu finden. Die meisten Nebenwirkungen sind relativ gering – eine gewisse Übelkeit, ein bisschen Bauchgrimmen, so etwas findet man oft bei der Behandlung von Antibiotika.“

Roche, der Hersteller von Tamiflu, erklÀrte dazu, dass neuropsychiatrische Nebenwirkungen bisher nicht festgestellt wurden.

Schon vor drei Jahren warnten US-Ärzte vor den Nebenwirkungen kurz nach der Einnahme von Tamiflu „people with the flu, particularly children, may be at an increased risk of self-injury and confusion shortly after taking Tamiflu and should be closely monitored for signs of unusual behaviour“

Daraufhin erfolgte eine zehnmonatige Untersuchung durch die US Food and Drug Administration, die bei einhundertunddrei FĂ€llen – mehr als zwei Drittel davon waren Kinder – „neuropsychiatrische Nebenwirkungen“ feststellte. Zu diesen Nebenwirkungen gehörte auch der Tod eines siebzehnjĂ€hrigen Jungen, der durch den Sprung vor einen LKW getötet wurde sowie ein vierzehnjĂ€hriger Junge, der nach dem Klettern auf dem BalkongelĂ€nder bei dem Absturz verstarb.

Die britische Regierung teilte mit, dass ĂŒber 150.000 Menschen in England Tamiflu ĂŒber den nationalen Grippe-Pandemie Service in der letzte Woche erhalten haben.

Schwangere Frauen und Kinder gehören zu den ersten, die eine Behandlung mit Medikamenten oder Impfungen erhalten sollen. Die Gesundheit der Bevölkerung wird hier bewusst mit bekannten Fakten zu den Nebenwirkungen von Tamiflu aufs Spiel gesetzt.

Quelle: http://www.guardian.co.uk/society/2009/jul/31/tamiflu-side-effects-children