Des Volkes neue Kleider
Essay zum Denkstreik der Republik
Angela Merkel, der wichtigste derzeit regierende ubootfahrende Hosenanzug der Welt, entwickelt sich prĂ€chtig als gröĂte denkbare Witzfigur der deutschen Politik seit Hans Eichel.
Sie ist die Kanzlerin, die sich Deutschland redlich verdient hat. Es ist ihr einfach alles gleich. Genauso wie dem deutschen BĂŒrgertum, das sie installiert hat.
Das ganze, brĂ€sige Nichts im LĂ€cheln, das Juhu der Belanglosigkeit, das karnickelhaft ergebene ins GroĂe und Ganze der UmstĂ€nde die man selbst produziert weil man sie nicht mal mehr begreift, das ganze Elend der Postmoderne, die Bourgoisie-Falte der Geschichte, es hat einen Namen, wenn auch kein Gesicht.
Man freut sich schon jeden Tag aufŽs Neue zu hören wer denn jetzt wieder irgendetwas Wirres und gnadenlos Sinnfreies zu irgendwelchen Prozentklauseln zu erzÀhlen hat. Bravo.
Jede Gestik des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach wĂ€re mindestens einen Mel Brooks Film wert, das ganze MĂŒhen des fleischgewordenen Professor-Propheten und verhinderten Finanzminister aus Heidelberg bei Christiansen ist wieder da, es herrscht ein RĂŒtteln und Beben auf dem Politfriedhof, so viele drĂ€ngt es aus der Gruft und ĂŒber diesem eine Neonreklame:
„Auswandern – wie ich mein GlĂŒck machte…“
Das Establishment hat Angst vor dem Volk (was, kruzifix! , leider immer noch wĂ€hlen darf aber es gottseidank nicht mehr tut), der ganze Pomp ist ihm auf die Knöchel gerutscht und jetzt sieht der Pöpel mit „des Volkes neue Kleider“ am bibberndem Leibe auf den nackten Sektbauch der Oberschicht und wundert sich gar arg was denn das alles zu bedeuten habe.
Falls es mal nach links blicken wĂŒrde (das Volk was keines sein darf) dann wĂŒrde es einen Kreis von merkwĂŒrdig ineinandergesteckten Figuren sehen, die sich weder bewegen, noch logischerweise irgendetwas sehen oder gar begreifen könnten, allerdings noch elegant mit links eine nicht enden wollende Flut von Statements von sich schreiben und gleich verlegen.
Aber schauen wir nach rechts.
Die „die-sollte-man“-Generation mit Schauze voll von Allem was da unten rumhĂ€ngt, aber Schnauze zu zu Allem was da ĂŒber einem rumhĂ€ngt, sucht sich ein Ventil zum Platzen, und da man nicht mehr weiĂ, was soll dieser Kreis auf der linken Seite, fĂ€ngt man einfach an.
Womit weiĂ keiner. Aber immer drauf. Auf wen weiĂ eigentlich auch keiner, denn der eine sagt „Ich will aber hier sein“ und der andere ist lieber da und deswegen nicht mehr von hier.
Aber immer noch besser als nichts, hat man das ja schlieĂlich jeden Tag schon die ganze Zeit.
Kommt da Einer an und sagt „haste mal“, ich sach „nee“.
Kommt da Einer an und fragt, ich sach „jahaa“.
Und kommt da keiner an, dann guck ich Talkshow.
Das Viereck kommt in der Natur ja nicht vor, „wie schade..“ möchte man meinen, es wĂŒrde sich prĂ€chtig als menschlicher Kopf machen.
Jeder Gedanke wĂŒrde (rumms!) an irgendwelche Ecken und Kanten poltern, er wĂŒrde einsehen daĂ er da nicht rauskommt und sich ein Fenster suchen und dieses öffnen..
Man stelle sich vor:
anstatt ellenlanger Bundestagsdebatten, die alle vorher mĂŒhsam geschrieben werden mĂŒssen, eine spontan-Inszenierung der politischen, viereckigen Köpfe der Republik..
Wolfgang Bosbach, sein Scheitel zerfasert ĂŒber drei Kanten, legt also die untere FlĂ€che seines viereckigen SchĂ€dels entspannt auf das Rednerpult. WĂ€hrend sein Kiefer malt, hebt sich sein Kopf ruckartig zu den Silben und es tönt:
„WiĂt Ihr, wie mich das ankotzt hier..?“
Renate KĂŒnast, deren LĂ€cheln nun seine volle BlĂŒte entfaltet, sagt „a“ sie habe von allem gewuĂt, „b“ bei allem mitgemacht und „c“ sie wĂŒrde sich fĂŒr nichts schĂ€men mĂŒssen, weil, she did it „his way“.
Guido Westerwelle bittet mit offenem Hemd Michel Friedman auf die BĂŒhne und macht ihm einen Antrag, fĂŒr alles andere werden dezent Hilfsmittel besorgt und Oskar Lafontaine stöĂt bei seiner emotionalen Partyrede immer wieder mit der Hand an das Kinn ĂŒber der Schulter.
Die Zeitungen begeistert, die Jugend entflammt, die Welt entspannt, schauen die Völker nun auf diese Stadt.
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Ăbrigens: wenn Sie irgendwo in der Ecke so ein merkwĂŒrdiges BĂŒndel finden..
Finger weg, es sind bestimmt die Nerven irgendeines Intellektuellen. Die können Sie nicht gebrauchen, schlieĂlich können Sie mit dem ganzen Rest auch nichts anfangen.
(…)
Rechtschreibung korrigiert am 12.02.2016. Auch der Inhalt dieses Artikels wurde natĂŒrlich nicht verĂ€ndert.
