Seltsame GeschÀfte mit Erpressern

Es ist ja schon seit langem bekannt, dass die in Rostock vor Gericht stehenden vermutlichen Erpresser der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) noch ĂŒber einen großen Fundus an Belegen ĂŒber deutsche SteuersĂŒnder verfĂŒgen. Allerdings war es nur schwer möglich, diese Daten von den TĂ€tern entgegen zu nehmen, ohne als Nutznießer einer Erpressung dazu.stehen. Das wurde jetzt mit einem Trick gelöst.

NatĂŒrlich wollte der Staat die Daten schon immer gerne in die Finger bekommen. In den Endzeiten des Neoliberalismus gibt es da keine Schonung mehr, jetzt werden auch die neoliberalen BrĂŒder gefressen. Schließlich ist der Neoliberalismus eine kanibalistische Lebensform.

Anders als bei der Liechtensteiner LGT Bank, wo die Daten von Heinrich Kieber ja an den BND verkauft wurden und mit Zumwinkel, die erste deutsche Liechtensteiner SteueraffÀre auslösten, funktioniert dieser Trick jetzt nicht.

Die Daten sind da und die Angeklagten wĂŒrden nur allzugerne ein GeschĂ€ft mit der Staatsanwaltschaft machen, was dieser wohl auch nicht unlieb ist. Aber kann man gestohlene Daten von den TĂ€tern wirklich so ohne Probleme verwenden. Gut, alles was bei einem normalen BĂŒrger wĂ€hrend einer Durchsuchung gefunden wird, wird auch gegen den verwendet. Aber so ein BĂŒrger gehört ja auch nicht zur Elite, wĂ€hrend Steuerhinterzieher die Elite Deutschlands sind. Aber eigentlich nur die Steuerhinterzieher die brav die Parteien bestechen und sich nicht erwischen lassen.

Trotzdem wĂ€re mehr als ein GeschmĂ€ckle geblieben, hĂ€tte man die Daten einfach so verwendet. Aber man hat sich zusammengesetzt und man hat nachgedacht. Dabei herausgekommen ist eine völlig bescheuerte Taktik die aber wohl funktionieren dĂŒrfte.

Seit April stehen vier MĂ€nner vor dem Rostocker Landgericht. Ihnen wird vorgeworfen, die Bank mit den insgesamt 2300 Kontodaten erpresst zu haben. Einen Teil der Belege haben sie der LLB bereits ĂŒbergeben und dafĂŒr neun Millionen Euro kassiert. Wie die Angeklagten in den Besitz der Daten gelangt sind, ist unklar.

Auch ĂŒber den Verbleib der restlichen Unterlagen war bislang nichts bekannt. Nicht nur die Rostocker Juristen hatten die immer wieder angekĂŒndigte Herausgabe mit Spannung erwartet. Am Freitag legten die AnwĂ€ltinnen des Angeklagten Michael F. den ĂŒberraschten Richtern eine TĂŒte mit einem Stapel kopierter Kontobelege vor.

Dies könnte sich strafmildernd fĂŒr den Mandanten auswirken, sagte der Sprecher des Landgerichts. In den nĂ€chsten Wochen sollen die Daten geprĂŒft und spĂ€ter den Steuerbehörden ĂŒbergeben werden. Es handle sich um LLB-Belege fĂŒr 1850 Konten von Deutschen, bestĂ€tigte Michael F.‘s AnwĂ€ltin Leonore Gottschalck-Solger der Frankfurter Rundschau.

Die Nummer ist wirklich gut. Alle tun jetzt so als ob sie völlig ĂŒberrascht wĂ€ren das die Daten jetzt plötzlich vorgelegt wurden. „Auf den Konten befinden sich lauter MillionenbetrĂ€ge“ soll die AnwĂ€ltin gesagt haben. Ja natĂŒrlich. FĂŒr Kleingeld interessieren sich Liechtensteiner und Schweizer Banken nicht. Das muss schon krachen.

Die unterschwellige Botschaft der AnwĂ€ltin ist allerdings eine andere. „Sehet jene, die mit Millionen kriminell betrogen haben, wĂ€hrend meine Mandanten doch nur eine Scheibe vom Kuchen abhaben wollten. Es wurden doch nur BetrĂŒger betrogen.“ Das kann sie zwar so nicht sagen, aber das Gericht hat ja schon postwendend, die wahrscheinlich lange abgesprochene Strafmilderung durch seinen Sprecher bestĂ€tigt.

NatĂŒrlich wird Liechtenstein aufjaulen. Die Schweiz ebenfalls. Kein Problem die werden ihre kriminelle UnterstĂŒtzung von Kriminellen beim internationalen Betrug, Waffen- und Drogenhandel sowie der UnterstĂŒtzung von Diktatoren und Völkermördern eh einstellen mĂŒssen. Dem Druck, den die USA aufbauen, sind sie nicht gewachsen.

Noch lauter heulen werden unsere Steuerhinterzieher. Denn eines wird langsam klar. Es gibt keine Rettung mehr. Wenn die Schweiz und Liechtenstein geknackt sind, folgen Luxemburg und Östereich, wie die Kanalinseln von selbst. Die anderen Offshore Plattforem, wie die Caymans, sind ja eigentlich nur Dependancen der Liechtensteiner und Schweizer. Sie werden schnell schließen.

NatĂŒrlich werden sie dann darauf angewiesen sein, in Deutschland zugelassene Steuersparmodelle zu benutzen. Das gibt ihren neoliberalen Freunden dann die Möglichkeit, spezielle neue Anlage- oder besser Abzockmodelle fĂŒr Ex-SteuerbetrĂŒger zu schaffen, und diese Leute genau so arm zu machen, wie sie es bei den Arbeitern und Angestellten schon getan haben.

Zumwinkel wurde fĂŒr den Postmindestlohn abgestraft, bei den anderen geht es jetzt nur noch darum, möglichst schnell an deren Geld zu kommen. Die Finanzberaterbranche rĂŒstet bereits auf. In Zukunft soll den armen Irren, die in ihre FĂ€nge geraten, nicht nur das Geld, sondern vorher auch noch ein Beraterhonorar abgenommen werden.

Einige werden zahlen. Zahlen fĂŒr eine Beratung, die eigentlich keine Beratung ist. Sie wĂŒrden alle tun, um keine Steuern zahlen zu mĂŒssen, was natĂŒrlich Quatsch ist. WĂŒrden alle ihre Steuerpflicht erfĂŒllen, hĂ€tten wir einen Höchststeuersatz von 25 Prozent pauschal auf alle Einnahmen.

Das wĂ€re zwar immer noch mehr als die meisten Abzocker heute zahlen, aber sie hĂ€tten ein ruhiges Leben ohne diese stĂ€ndige Angst. Allerdings ist es viel zu spĂ€t zum umsteuern. Jetzt wo sie in die HĂ€nde ihrer neoliberalen BrĂŒder gefallen sind, wird ihnen bald ein finanzielles Ende bereitet. Zu erst den SelbststĂ€ndigen und den MittelstĂ€ndlern die sich von ihren Steuerberatern ins Bockshorn jagen ließen, dann nach und nach dem Rest.

FĂŒr die, die schon lange nichts mehr zu verlieren haben, weil sie alles wegen der neoliberalen Gier verloren haben, bleibt nur, sich lĂ€chelnd zurĂŒckzulehnen und die Geschichte wohlwollend zu betrachten. Wenn Raubtiere sich gegenseitig fressen ist das ein guter Zeitpunkt fĂŒr die LĂ€mmer. Vielleicht reicht die Zeit und die Gelegenheit aus den LĂ€mmern zornige Böcke werden zu lassen, die dem gesamten Spiel ein Ende machen.

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