Mit Verlaub, Herr Walser, sie sind ein dummer, alter Mann!

Das Alter nicht gerade weise macht, kann man ja hĂ€ufig an den Äußerungen des Alt-Bundeskanzlers Schmidt ablesen, die immer mehr ins unterirdische abgleiten. Gegen Martin Walser wirkt er aber geradezu wie ein geistiger Artist.Altersweisheit ist ja hĂ€ufig die Subsumierung der aus vielen Fehlern gewonnenen Erkenntnisse und die FĂ€higkeit nicht mehr zu allem seinen Senf dazugeben zu mĂŒssen, zusammen mit dem Wissen, das die Dinge selten so heiß gegessen werden, wie sie gekocht wurden. Was Walser aber da an Kernaussagen in seinem Capital-Interview so von sich gab, ist weder weise noch klug, sondern einfach das dumme GeschwĂ€tz eines alten Mannes der die Welt um sich herum nicht mehr versteht oder mit den richtigen Fragen in die falsche Ecke gedrĂŒckt wurde, weil er geistig zu unbeweglich ist. Capital ist ein zweiwöchentliches Anlagemagazin und versteht sich als Teil des Business Channels von Gruner und Jahr, die wiederum zu Mohn/Bertelsmann gehören und in all ihren Publikationen wie Stern und Spiegel aber auch den Fernsehsendern ein streng neoliberales und wirtschaftsfaschistisches Weltbild verbreiten mĂŒssen, welches noch durch angebliche "Forschungsergebnisse" aus der Bertelsmannstiftung untermauert wird. Schon aus dieser Verflechtung sind alle Berichte mit Ă€ußerster Vorsicht zu genießen und hĂ€ufig entspricht eher das Gegenteil der Wahrheit. Wie das Interview mit dem 82-jĂ€hrigen gelaufen ist, können natĂŒrlich nur die Leute beurteilen die dabei waren, aber die Ergebnisse sind erschreckend. Sie werden allerdings verstĂ€ndlicher wenn man eine sehr persönliche Aussage Walsers zu Anfang betrachtet:

Geld sei das einzige Mittel zur UnabhĂ€ngigkeit, meinte Walser gegenĂŒber "Capital". Er selbst habe materielle Not immer gefĂŒrchtet.

Es ist denkbar, dass die Furcht vor eigener materieller Not Martin Walser Worte aussprechen lĂ€sst wie sie menschenfeindlicher nicht sein könnten und dass genau diese Furcht Walsers von Mohn/Bertelsmann ausgenutzt wurde. Denn tatsĂ€chlich passen all seine Aussagen genau in das Demagogie-Profil mit dem im Auftrag der Famile Mohn, Deutschland seit einigen Jahren stĂ€ndig ĂŒberzogen wird. In diesem Zusammenhang wĂ€re die Angst eines alten Mannes nur ein zusĂ€tzlicher Weichklopfer gegenĂŒber der deutschen Gesellschaft und wahrscheinlich waren diese Aussagen auch fĂŒr ein Linsengericht zu bekommen. Das System Mohn funktioniert eben perfide und perfekt.

Statistiken ĂŒber wachsende Armut in Deutschland wies Walser aber zurĂŒck: "Da bin ich absolut erkenntnisabweisend. Wenn es jetzt heißt, jeder achte Deutsche ist arm, und wenn der Staat nicht zuzahlte, dann mĂŒsste jeder vierte als arm bezeichnet werden – das kann ich mir nicht vorstellen"

Nun ja. Wenn jemand sich selbst schon als erkenntnisabweisend deklariert, hat das bei einem Mann des Wortes schon eine Bedeutung. So wie kleine Kinder die Augen schließen und hoffen dann selber nicht gesehen zu werden, sagt er, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Das Ă€ndert zwar nichts an den Tatsachen, aber die Helfer der Mohns werden nun ĂŒberall zitieren das Walser keine Armut sieht und sofort fordern, dass den Armen noch mehr genommen wird. In das gleiche geistige oder besser geistlose Umfeld fallen seine Aussagen zu Pierer:

"Jeder weiß, dass in vielen LĂ€ndern GroßauftrĂ€ge ohne Bestechung nicht zu bekommen sind", kommentiert der Schriftsteller Martin Walser die jĂŒngsten Bestechungsskandale in deutschen Unternehmen. Auch Ex-Siemens-Chef von Pierer gibt er RĂŒckendeckung. Der Schriftsteller Martin Walser hat die Zahlung von Bestechungsgeldern durch deutsche Firmen im Ausland gerechtfertigt. "Jeder weiß, dass in vielen LĂ€ndern GroßauftrĂ€ge ohne Bestechung nicht zu bekommen sind", sagte Walser im Interview mit Capital. Dass Manager hierzulande deshalb an den Pranger gestellt wĂŒrden, sei "deutsch bis ins Mark", meinte der Schriftsteller: "Gucken wir mal in unser Nachbarland Frankreich. Dort krĂ€ht kein Hahn danach, ob Unternehmen bestechen."

Das ist gut. Weil Verbrechen in anderen LĂ€ndern angeblich nicht verfolgt werden sollen wir die Verbrecher auch bei uns laufen lassen. Walser war mal DKP nahe. Der Mann hat sich mal als Sozialist gesehen und begreift jetzt im Alter nicht, dass es fĂŒr Verbrechen keine Entschuldigung gibt. Er begreift nicht, dass der ganze industrielle Komplex in Deutschland und die deutschen Banken damit auch in Verruf geraten sind. Wahrscheinlich sagt ihm der Name Lincas nicht und vermutlich ist er auch erkenntnisresistent in Bezug auf den Missbrauch der Berlinförderung, der ja erst die Mittel bereitstellte, die zur Bestechung benötigt wurden.

AusdrĂŒcklich verteidigte er im Zusammenhang mit der SchmiergeldaffĂ€re bei Siemens den frĂŒheren Vorstands- und Aufsichtsratschef des Konzerns, Heinrich von Pierer: "Hier ist eine öffentliche Person in den Medien mehr oder weniger zur Hinrichtung prĂ€pariert worden, ohne dass wirklich etwas nachzuweisen ist." Mit "vermutungsverdĂ€chtigungsvirtuosen Formulierungen" sei ĂŒber von Pierer berichtet worden, kritisierte Walser, der mit "AngstblĂŒte" 2006 eine Satire um einen Finanzjongleur veröffentlicht hatte. Zum Fall Siemens meinte er zudem: "Meine Vermutung ist, so ein Unternehmen ist derart konstruiert, dass bis zu einer gewissen Ebene alle wissen, wir mĂŒssen bestechen, aber wir mĂŒssen fĂŒr den Fall des Falles die Spitze davon freihalten. Dann ist das eine sehr solide, vernĂŒnftige Konstruktion."

Wie blöd kann man eigentlich sein. Er vermutet selbst, dass die Spitze offiziell von den Bestechungen frei gehalten wurde, damit die Beweise die ihm jetzt fehlen, eben nicht da sind und findet es moralisch, das die Kleinen gehĂ€ngt werden, wĂ€hrend Pierer lachend seiner Wege geht. Da fĂ€llt einem doch glatt das alte Lied von Mike KrĂŒger ein: "Mein Gott, Walser!".Doch Walser macht sich nichts aus solch kleinen Pannen. Er hat auch fĂŒr den Zumwinkel einen Trost:

Auch den frĂŒheren Postchef Klaus Zumwinkel, der Steuern von rund einer Million Euro ĂŒber Stiftungen in Liechtenstein hinterzogen haben soll, nahm der Schriftsteller in Schutz: "Der Staat sollte sich mal ĂŒberlegen, warum so etwas passiert. Es gibt ja wenige SteuerflĂŒchtlinge vom Ausland in die Bundesrepublik, oder?" Journalisten setzten in ihrer Berichterstattung bei den Lesern ein "wollĂŒstiges Interesse" voraus: "Die wissen, es freut die Leute, wenn man zuerst sagt, dass ist einer der am edelsten aussehenden Wirtschaftsmenschen und schau mal da: korrupt, korrupt, Sumpf, Sumpf." Viele Menschen seien vom Neid befallen, wenn Manager das Hundertfache verdienten.

Ja. der Staat ist schuld wenn Zumwinkel die Steuern hinterzieht. Das ist Logik, das ist Klarheit des Denkens. Das ist neoliberaler Dummschwatz in seiner schönsten Form. Nein, es ist kein Neid, wenn die Menschen sich aufregen, dass jemand, der mit dem Geld der Post ein neoliberales "Institut zur Zukunft der Arbeit", das sich eher mit der schnellen EinfĂŒhrung von Zwangsarbeit beschĂ€ftigt, betreibt und die Arbeitswelt der Mehrheit verschlechtert, aber gleichzeitig Steuern hinterzieht. Walser scheint es gut zu finden, wenn die arbeitenden Menschen unterdrĂŒckt werden und die Bonzen sich in ihrer Gier ohne Hemmungen austoben können. Man mag ja noch die Hoffnung haben, das ihm vieles von den Mohn-Bediensteten in den Mund gelegt wurde, aber es bleibt wirklich nur ein Fazit. Mein Gott, Walser! Quelle (Kommentare zu diesem Artikel sind geschlossen.)