Ärgerliche weisse Mittelschichtler

Aktuelles Politik, Diplomatie

Die "Tagesschau" versucht sich im US-Vorwahlkampf an Werbung für John McCain

Washington: Unter der Feed-Überschrift "USA: Kandidaten buhlen um weisse Mittelschicht" hat Carsten Schmiester, NDR-Hörfunkstudio Washington, sich heute aus der Seele gesprochen und mal festgestellt, dass es so nicht geht.

Wenn er schon - wie die ganzen anderen medialen Garderobenständer der Generation Bimbes in 16 Jahren Helmut Kohl - die "Mitte" der Gesellschaft eindimensional als "Mittelschicht" verwechselt hat und dann mit ansehen muss wie die "blue-collar" genannten Unterschichtler Hillary Clinton in letzter Minute wieder ins Rennen bringen, dann muss man sich wenigstens bei irgendwem beschweren können.
Am besten bei den Deutschen.
Die kennen ja sowas nicht, Arbeiter oder Rentner.
Die wählen ja nicht, die sind ja arm oder schon fast tot.
Ausserdem sind sie lästig. Man sieht sie ständig auf der Strasse und in den Häusern die sie bauen. Man sollte sie alle in die Talkshow stecken.
Na gut, dann und wann fällt es schon mal auf. Selbst Infratest dimap.

UMFRAGEN IN DEUTSCHLAND UND DEN USA: DREI VIERTEL GEGEN DERZEITIGES PARLAMENT

Vorgestern hiess es bei Infratest, 46% der befragten Deutschen sehen keine einzige Partei, die sich für die deutschen "blue-collar", die "Arbeitnehmer" alias Arbeiter einsetzt.
Also für Diejenigen, die all das erarbeiten worüber dann die späteren Besitzer rumjammern wer das alles bezahlen soll.
Desweiteren sehen immerhin 53% der Deutschen keine einzige Partei, die sich für die Interessen der Rentner (ehemalige Arbeitende, die nicht von sich selbst vermehrendem Reichtum leben können) einsetzt.
So, und jetzt kommt´s:

laut einer Umfrage des Instituts für Marktforschung im Auftrag der "Leipziger Volkszeitung" haben nur 22% der Deutschen überhaupt noch Vertrauen in die Parteien, die im Bundestag sitzen.

78% der Deutschen haben kein Vertrauen mehr in CDU, CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, die Linke, kein Vertrauen mehr ins Parlament.

Und jetzt kommen wir wieder zu den USA:
Dort waren letzten August 75% der US-Amerikaner nicht damit zufrieden, wie ihr Parlament funktioniert.
Die Zustimmungsrate lag mit 25% noch der unter US-Produzent Bush (29%), obwohl ärgerliche weisse Mittelschichtler bei CBS alles gaben die schlechten Nachrichten für die fest im Visier befindliche Oberschicht wenigstens noch gut zu verpacken.

Nun berichtet also Carsten Schiester, der im Leben bestimmt immer was für die Wahrheit getan hat, aus Washington über die "angry white men", offenbar die "weisse Mittelschicht" um die die Kandidaten buhlen.
Ärgerlich ist man, wenn es nicht so läuft wie man sich das vorgestellt hat oder wenn man betrogen wurde oder einfach unzufrieden ist mit dem was passiert.
Das sind aber, wie in den Umfragen deutlich wird, hier wie in den USA ganz offenkundig nicht irgendwelche "wütenden Weissen", sondern 3/4 der Bevölkerung, die man als stinknormal, also unterprivilegiert, geringqualifizert, Endverbraucher, Unterschichtlicher oder schlicht als Deppen der Nation bezeichnen könnte.

Die angeführte Analyse, die "angry white men" könnten die US-Präsidentenwahl entscheiden, kommt dann auch von einem, der auszog das Fürchten zu lehren und sich nun täglich vor der Dokumentation bei den inksliberalen Medienwächtern "Media Matters" fürchten muss:
der rechtsradikale Radiomoderator Rush Limbaugh.

Selbst heimlich drogensüchtig zog er regelmässig über Drogensüchtige her und verlangte drastische Gefängnisstrafen.
Als seine Oxycodon-Sucht aufflog, beschwerte er sich über seine Geldstrafe von 30.000$.
Limbaugh darf keine Waffe mehr besitzen, muss sich unangekündigten Drogentests unterziehen und ist dabei der typische, Law-and-Order-Heuchler, wie man ihn in Deutschland aus der Ministerriege der Schwarze-Kofferträger im Zuge der Schwarzgeldaffäre bei der CDU kennt.
Grund genug für "tagesschau.de" ihn gleich mehrfach zu zitieren.

"Es gibt eine Gruppe, die hat bisher niemand beachtet, aber sie wird die Wahl entscheiden. Es sind die 'wütenden weißen Männer'".

So das Limbaugh-Zitat. Nun die interessante Definition der ärgerlichen Weissen von "Tagesschau"-Redakteur Carsten Schmiester:

Viele von ihnen haben Angst um ihre Jobs und Mühe, die Raten für das Hausdarlehen zu zahlen. Sie ächzen unter den stark gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreisen. Sie fühlen sich von legalen und illegalen Einwanderern bedroht, sind sauer auf Terroristen, die den "American Way of Life" wegbomben wollen, und auf die Chinesen, die schon viel zu viele Jobs in den USA vernichtet haben.

Es handelt sich hierbei um nichts anderes als den mittel(schichts)mässigen, klischeehaften Versuch, einer zunehmend renitenten Arbeiter- und Leser- und Bürgerschaft in der langsam und zielstrebig von oben zerstörten Republik Deutschland zu erklären, wo denn die US-Amerikaner die Ursache ihres ökonomischen Niedergangs sehen und gleichzeitig bei der eigenen Problemforschung in Deutschland zu "helfen".
Wenn denn schon die "Terroristen", die "Chinesen" und die "Einwanderer" schuld sind am Elend der Weissen in den USA, wieso eigentlich nicht bei uns, mag da der langsam in Abstiegspanik begriffene weisse Mittelschichtler vor dem Bildschirm denken und wohlig schauernd begreifen, dass jetzt mal was getan werden muss.

Dabei ist die Methode die ewig alte:
Spalten und gegeneinander hetzen um jeden Preis. Will man zwei in Ruhe ausbeuten, sorg dafür dass sie sich ständig streiten und dann auch noch zu Dir rennen, damit Du Dich dazwischenwirfst und guten Herzens schlichtest.

Doch auch die (Hillary Clinton) hat zunehmend das Nachsehen gegen John McCain, den lachenden Dritten beim Dauerduell der Demokraten. Während die beiden sich streiten, zeigt McCain wo immer möglich viel Herz für den "wahren", also den "weißen" Amerikaner.

Hillary Clinton liegt in einer aktuellen Umfrage im direkten Vergleich gegen John McCain mit 50:41 Prozent vorne.

Selbst Obama kommt gegen McCain auf 46: 44 Prozent.
Wahrscheinlich ist dem aufstiegswilligen Carsten Schmitzer diese Umfrage einfach irgendwie entgangen, auch wenn sie jedem anderen auffiel.

Und mit einer bis zur Schmerzgrenze machtbewussten Frau wie Hillary kann man diesen Männern ohnehin nicht kommen, so Rush Limbaugh: "Der wütende weiße Mann kann sie nicht ausstehen. Ihre schrille Stimme klingt für ihn wie eine Blechschaufel auf Stein. Er wechselt das Programm, wenn er sie auf dem Bildschirm sieht. Und dennoch hofft er, dass sie für die Demokraten antritt. Denn dann wird er dafür sorgen, dass sie fix und fertig gemacht wird."

Es scheint, man hat es, sowohl in den USA als auch in Deutschland, mit einer Menge an wütendenden, kleinen, weissen Mittelschichtlern zu tun, die angesichts einer wiedererstarkten Hillary Clinton auch zunehmend eins werden:
Ängstlich. Und das zu Recht..
(...)

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