240.000 Menschen im Bildungstreik: Republik in Bewegung
Nach neuesten Informationen der Initiatoren des heute in ĂŒber 70 StĂ€dten der Republik laufenden Bildungstreiks sind bundesweit 240.000 Menschen dem Aufruf zum dezentralen, selbstorganisierten und demokratischen Protest gefolgt.
Sie protestieren fĂŒr die Einlösung ihrer verfassungsmĂ€ssigen Rechte auf kostenlose Bildung, faire Aufstiegschancen und Teilnahme an allgemeinnĂŒtziger Forschung und Wissenschaft. Sie wenden sich gegen die systematische Zerstörung von Bildung, Ausbildung, sowie Zukunfts- und Aufstiegschancen durch die profitorientierte herrschenden Parteien-Oligarchie, die nichts anderes mehr tut ausser sich rauszureden und den Banken den Hals vollzustopfen. Fast eine Viertelmillion junge Deutsche des 21.Jahrhunderts haben deutlich gemacht, dass es so wie bisher nicht weitergehen wird:
mit ihnen ist die Neue Zeit. Mit dem Establishment ist gar nichts, ausser ein Tritt zum Abschied.
Angesichts des von den „Parteien“ systemisch betriebenen Ausverkaufs von Verfassung, Staat und Gesellschaft, ist der Oberschicht natĂŒrlich jeder soziale, kulturelle oder intellektuelle Protest lĂ€stig. Auch Wahlen stören da, irgendwie. Schlimm genug, dass sie ĂŒberhaupt stattfinden alle paar Jahre, heult man der eigenen Höflings-Presse vor und rudert dort dann, völlig an der Bevölkerung und der Generation des 21.Jahrhunderts vorbei, mit blöden AusflĂŒchten und wirren Beschwichtigungen hin und her, wĂ€hrend man selbst schon zu faul ist ins Parlament zu gehen.
Im Jahre 2008 tagte der Bundestag nur 20 Wochen im Jahr. Das sind ĂŒber 7 Monate Urlaub. In 2009 sind es bis nur Bundestagswahl am 27.September nur 12 Sitzungswochen. Es lohnt sich, beim eigenen LĂ€nderparlament einmal nachzuhaken. Dort sieht es nĂ€mlich nicht anders aus.
WĂ€hrenddessen quatscht man den Leuten mitten in der selbstverschuldeten schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem 2.Weltkrieg die Ohren voll, dass sie „auf hohem Noveau“ jammern (sie selbst können das von sich natĂŒrlich nicht behaupten), erzĂ€hlt den ganzen Tag nur Blödsinn und muss fĂŒr jede Arbeitsleistung selbst alles erklĂ€rt bekommen. Man sollte jeden Abgeordneten der Republik zwangsweise einem Bildungstest und Nachweis der ParlamentsfĂ€higkeit unterziehen, mal ganz abgesehen von einer Anwesenheitspflicht bei der Arbeit.
Hier nun die vollstÀndige PresseerklÀrung der Organisatoren vom Bildungsstreik 2009:
Bildungsstreik weitet sich aus: 240.000 demonstrieren fĂŒr ein emanzipatorisches Bildungssystem
Am heutigen Mittwoch, den 17. Juni 2009, demonstrierten bundesweit insgesamt 240.000 Studierende, SchĂŒlerInnen, Auszubildende und andere soziale Gruppen. Im Rahmen des Bundesweiten Bildungsstreiks trugen sie in ĂŒber 70 StĂ€dten ihre Wut ĂŒber die Bildungsmisere auf die StraĂen. Bereits am Montag und Dienstag kam es an 12 Hochschulen zu Besetzungen, in 20 StĂ€dten wurden Protestcamps errichtet. Viele SchĂŒlerinnen und SchĂŒler wurden an der Teilnahme von Demonstrationen gehindert.
Ob in Soltau-Fallingbostel (2.000), Stuttgart (15.000), WĂŒrzburg (3.000), Rostock (3.000), Göttingen (10.000), MĂŒnster (10.000), Dresden (3.500), MĂŒnchen (5.000), Hamburg (13.000), Heidelberg (7.000), Halle (3000), Berlin (27.000), Marburg (2.500), LĂŒbeck (1.700), DĂŒsseldorf (7.000), Magdeburg (500), Hannover (10.000), Jena (6.000), Minden (400) oder Konstanz (1.500): Der Bildungsstreik hat flĂ€chendeckend gegriffen. In Mainz wurde das Abgeordnetenhaus des Landtages gestĂŒrmt und die Forderungen verlesen. In Bielefeld lag zeitweise die ganze Innenstadt lahm, als das StraĂenbahndepot und der Jahnplatz blockiert wurden. Das Staatsministerium fĂŒr Wissenschaft und Kunst in Dresden ist zur Stunde von Bildungsstreikenden besetzt. In vielen StĂ€dten kam es zur Blockade von Verkehrswegen. Das PrĂ€sidium in Göttingen, die Uni Magdeburg und die TU Darmstadt wurden besetzt, wĂ€hrend die anderen Besetzungen weiter anhalten. An Schulen in Heidelberg, MĂŒnster und Frankfurt wurde bekannt, dass die Schulleitungen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler eingesperrt hielten, um ihnen die Teilnahme an den Demonstrationen zu verwehren. 5.000 Demonstrantinnen und Demonstranten traten vor einem MĂŒnchner Gymnasium in einen Sitzstreik, um gegen das Demo-Verbot des Rektors zu protestieren.
Deutschland ist kein Sonderfall. In ganz Europa halten die Proteste fĂŒr Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit bereits seit Monaten an. Ob in Frankreich, Spanien, Italien oder Griechenland: Alle vereint der Protest gegen den Bologna-Prozess, die zunehmende Privatisierung des Bildungssystems und die Kommerzialisierung von Bildung auf allen Ebenen.
In KindertagesstĂ€tten, Schulen, Berufsschulen und Hochschulen kĂ€mpfen die Betroffenen insbesondere fĂŒr die soziale Ăffnung der Bildungseinrichtungen, fĂŒr die gesetzliche Verankerung der GebĂŒhrenfreiheit von Bildung, fĂŒr ehrliche Mitbestimmung und gegen zunehmenden Konkurrenzdruck.
Jan-Hendrik Matthey vom Mainzer Bildungsstreik-BĂŒndnis: âUm die gemeinsamen Ziele zu erreichen, bedarf es eines neuen gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins. Deshalb fordern wir alle Generationen auf sich mit ihren Kindern und Enkelkindern zu solidarisieren und sich aktiv am Protest zu beteiligen.â
Trotz der massiven Proteste haben die Kultusministerkonferenz und die zustÀndigen Landesministerinnen und Landesminister nicht die Courage, sich mit den Forderungen des Bildungsstreiks auseinanderzusetzen.
Am morgigen Donnerstag sollen unter dem Motto „Tag des zivilen Ungehorsams“ weitere Aktionen stattfinden. In Berlin kommt es am Freitag zu einer Kundgebung anlĂ€sslich der stattfindenden Kultusministerkonferenz. Am Samstag gibt es eine NRW-weite GroĂdemonstration: „DĂŒsseldorf lahmlegen!“.
Der Bildungsstreik hat in den vergangenen Tagen durch seine DezentralitĂ€t zusehends an Dynamik gewonnen, die Aufmerksamkeit in der ganzen Bundesrepublik erregt und öffentliche Akzeptanz erfahren. Mit seinen vielfĂ€ltigen Aktionsformen haben die lokalen BĂŒndnisse „Bildung“ als Thema der Betroffenen gesetzt und einen gesellschaftspolitischen Diskurs angestoĂen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Forderungen des Bildungsstreiks auch umgesetzt werden.
Zur Vermittlung von Kontakten zu den regionalen BĂŒndnissen steht Ihnen das Presseteam des Bildungsstreiks unter 030/31423292 oder 0151/21634058 zur VerfĂŒgung.
