Bericht zur BĂŒrgerrechtsdemonstration gegen die Vorratsdatenspeicherung

Demo „Freedom not Fear“: Keine wirkliche Resonanz und zu niedrige Zahlen in den Mainstream-Medien

Mittlerweile ist es 3 Tage her, dass sich rund 60.000-80.000 Menschen in Berlin versammelten, um fĂŒr ihre Freiheit zu demonstrieren, doch was gab es anstelle eines ausfĂŒhrlichen Berichtes in den Abendnachrichten mit darauf folgender Diskussion und weitreichenden politischen VerĂ€nderungen, wie es so eine große Demo hĂ€tte bewirken mĂŒssen? Die Antwort ist: Nichts, zumindest fast nichts.

Ob die riesige Anzahl der Leute bei spĂ€teren Entscheidungen zu Überwachungsmaßnahmen, wie z.B. der berĂŒchtigten Online-Durchsuchung oder den PlĂ€nen vom Bundeswehreinsatz im Inneren, BerĂŒcksichtigung findet, bleibt abzuwarten.

Die Zahlen wurden gnadenlos herunter gespielt. So sprachen viele Medien von ca.15.000 Demonstranten. ZurĂŒck geht das auf die Polizei, die zunĂ€chst von weniger als 20.000 Demonstranten spricht, was allerdings viel zu wenig ist, vor allem weil die Menschen fehlen die sich dem Zug unterwegs anschlossen. Laut dem AK korrigierte die Polizei ihre SchĂ€tzungen beim Eintreffen der Massen vor dem Brandenburger Tor nach oben, was aber nirgendwo in den Berichten berĂŒcksichtigt wird. Die Veranstalter kommen zunĂ€chst auf 50.000 Besucher, doch auch diese Angabe wurde nach oben korrigiert, der AK-Vorrat (der zugegeben manchmal gern etwas ĂŒbertreibt) kam zum Schluss auf 100.000 Menschen. Die Wahrheit dĂŒrfte irgendwo bei 60.000 oder 80.000 liegen. Also ca. viermal soviele, wie allgemein berichtet.

Die meisten Medien (Die Welt, Taz, Spiegel-online) vergleichen die Zahl der Polizei, bei allen angegeben mit 15.000, (bzw. Spiegel Online: einmal mit weniger als 20.000 und davor im selben Artikel mit mehr als 10.000) mit der des AK, wobei der AK meistens unglaubwĂŒrdiger dargestellt wird, obwohl dessen SchĂ€tzung der Wahrheit wahrscheinlich nĂ€her kommt. Focus lĂ€sst die Zahl des AK ganz weg, die Tagesschau spricht sogar von „mehreren Tausend“, was ungefĂ€hr alles sein kann, aber nicht 50.000 oder gar 100.000. Nett scheint nur N-TV, wo nur die Zahl vom AK genannt wird. Zur Polizei heißt es lediglich, dass die Zahlen deutlich darunter liegen.

Besonders auffallend ist, dass in nahezu jedem Titel, die Rede von mehreren tausend ist. Wodurch schon der erste Eindruck von einem etwas kleinerem Umfang entsteht.

Die Medien geben sich wirklich alle MĂŒhe den Protest klein zu reden, Wahrheitsverdreherei, ohne dabei den Schein der Pressefreiheit ganz fallen zu lassen.

Die DPA-News, an denen sich viele Medien orientieren, erwĂ€hnen die Korrektur der Polizei gegenĂŒber der Veranstaltungsleitung nicht, der AK möchte nun durch ein GesprĂ€ch mit der Polizei eine offizielle Korrektur der Angabe erreichen.

Laut dem AKVDS sind die „Erwartungen der Veranstalter ĂŒbertroffen: GrĂ¶ĂŸte Datenschutzdemo seit den 80er Jahren“ So etwas mĂŒsste doch eine Riesenresonanz finden. Ich war selber dort und ich hab dann spĂ€ter mit Leuten von hier gesprochen, ob sie was im Radio gehört haben, viele hatten ĂŒberhaupt nichts richtig mitbekommen und wenn dann war die Rede von einer ganz kurzen Meldung und 15.000 Demonstranten.

Ich frage mich: In was fĂŒr einem Land leben wir, dass es so bedeutungslos wird, wenn immerhin nahezu ein Tausendstel aller BĂŒrger sich in der Hauptstadt versammelt um seine Freiheit ein zu fordern? Nicht zu vergessen, die Proteste in den anderen LĂ€ndern… Und sowas schimpft sich Demokratie. Demokratie, was wortwörtlich nichts anderes heißt als Volksherrschaft. Das mĂŒsste man sich glatt auf der Zunge zergehen lassen…hoffentlich wird denen, die es wiederholen, bis sie anfangen es auch noch zu glauben irgendwann schlecht davon und hoffentlich, hoffentlich ist dieses irgendwann schon sehr bald. Der bittere Geschmack der LĂŒgen muss endlich aus dieser Welt vertrieben werden. Die Verbrechen der MĂ€chtigen dĂŒrfen nicht lĂ€nger toleriert werden.

Irgendwann mĂŒssen es 82.000.000 Menschen sein, die aus einem Munde schreien. Die machtgeilen korrumpierten Politiker und die ganzen neoliberalen Profitgeier haben lange genug gezeigt was sie taugen, nĂ€mlich garnichts. Jetzt mĂŒssen wir zeigen, dass wir nicht nur reden können, sondern auch in der Lage sind eine bessere Welt zu schaffen und das ohne dass die gekauften Medien stumpfsinnige Parolen wiederholen mĂŒssen bis der letzte Trottel sie glaubt, weil er in dem ganzen Gefecht der Halbwahrheiten und Dummheit vergessen hat was denken ist. Die Wahrheit ist, dass eine bessere, eine gerechtere Welt durchaus möglich ist, es muss nur ein Neuanfang gewagt werden. Gerade in diesen Krisenzeiten ist es wichtig, den Mut nicht zu verlieren und sich nicht kleinreden, korrumpieren, kriminalisieren oder gar einschĂŒchtern zu lassen. Denn das ist in der Geschichte schon viel zu oft passiert.

Die Zeit des vollkommenen wirtschaftlichen Zusammenbrechens ist sehr nah, es wird eine schwierige Zeit werden, eine Zeit voller Angst, in der sich viele Menschen an alles klammern werden was sie finden können, ohne groß darĂŒber nachzudenken ob sie dadurch zu Sklaven zu werden. Doch die Geschichte ist noch nicht geschrieben, die WĂŒrfel sind nicht gefallen. Die Blinden können noch aufwachen, wenn sie nach und nach anfangen, die Weckrufe wahrzunehmen. Jeden Tag werden es mehr Menschen, die alternative Nachrichten lesen und weniger die Mainstream-Medien konsumieren, der Widerstand wĂ€chst von Tag zu Tag. Letztes Jahr waren es 15.000 bis 20.000 in Berlin, dieses Jahr ĂŒber 50.000. Wir dĂŒrfen nur nicht nachlassen, nicht aufhören laut zu sein. Es ist die Zeit fĂŒr VerĂ€nderung, es ist die Zeit eine eigene Alternative zu schaffen und das Versagen der Politik ein fĂŒr allemal zu beenden.

Es ist ungewiss was passieren wird, doch jeder wird sich eines Tages entscheiden mĂŒssen zwischen Freiheit und Angst. Und ich rufe Euch zu, entscheidet euch, eh es zu spĂ€t ist. Entscheidet Euch, ehe ihr eines Tages vorm Spiegel steht und euer eigenes Spiegelbild fragen mĂŒsst:

Wie in aller Welt konntest du das nur zulassen?

Quellen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,583587,00.html

http://www.tagesschau.de/inland/datenspeicherung14.html

http://newsticker.welt.de/index.php?channel=pol&frame=0&time=1223852604&module=dpa&id=19191278

http://newsticker.welt.de/index.php?channel=pol&frame=0&time=1223852604&module=dpa&id=19191086

http://www.focus.de/politik/deutschland/datenschutz-demonstrationen-gegen-big-brother_aid_339897.html

http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/du-bist-unschuldig-beweis-es/

http://www.tagesschau.de/inland/datenschutzdemonstration2.html

http://www.gulli.com/news/freiheit-statt-angst-2008-10-12/