In Deutschland sollen neue US-Raketen stationiert werden
BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen kritisiert „dröhnendes Schweigen“ der Merkel-Regierung zu Raketensystem in Polen / NATO zieht 18 Kriegsschiffe am Kaukasus zusammen
Berlin: In Deutschland sollen einem Bericht von Ria Novosti zufolge neue US-Raketensysteme stationiert werden. Sie sollen wiederum angeblich eine US-Raketenstellung in Polen schĂŒtzen.
Unterdessen kommt es im Schwarzen Meer zu einer Konfrontation zwischen den US-gefĂŒhrten NATO-Kampfflotten und russischen SeeverbĂ€nden.
Wie Ria Novosti meldet, hat der BĂŒrgermeister der polnischen Stadt Slupsk verlautbart, dass die geplante neue US-Raketenstellung „in der Siedlung Redzikowo unweit von Slupsk“ aufgestellt wird und durch in Deutschland positionierte Abfangraketen des Typs „Patriot“ gegen russische Angriffe gesichert werden soll.
Heute verlangte dazu der haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion BĂŒndnis 90 / Die GrĂŒnen, Alexander Bonde, ein Ende des „dröhnenden Schweigens“ der Merkel-Regierung zu den den aktuellen VertragsabschlĂŒssen ĂŒber die Stationierung Raketensystemen der US-MilitĂ€rs in unserem Nachbarland:
Wörtlich erklĂ€rte der GrĂŒnen-Experte:
„Die Bundesregierung muss endlich Position beziehen und ihr dröhnendes Schweigen ĂŒber die Vereinbarungen zwischen den USA, Polen und Tschechien ĂŒber die Stationierung eines US-amerikanischen Raketenabwehrsystems in Europa beenden. Es ist irritierend, dass die USA und Polen die Nato-und EU-Partner vor vollendete Tatsachen stellen, als neue âKoalition der Willigenâ ein weiteres Kapitel zur Eiszeit mit Russland eröffnen und Kanzlerin Merkel und AuĂenminister Steinmeier keinerlei Reaktion zeigen.“
Die getroffenen Vereinbarungen und die Stationierung von US-Abwehrraketen in Europa sind ein abrĂŒstungspolitischer RĂŒckschritt, der nĂ€chste auĂenpolitischen Kapitalfehler der Bush-Regierung und eine GefĂ€hrdung deutscher und europĂ€ischer Interessen“.
Auch machte Bonde deutlich, dass die US-Raketensysteme technisch gar nicht in der Lage seien Raketen abzufangen, was angeblich deren Zweck ist.
„Das US-System ist technisch nicht in der Lage, Deutschland und andere europĂ€ische LĂ€nder zu schĂŒtzen. Die technologische FunktionsfĂ€higkeit und die bisherigen Tests der USA sind hoch umstritten. Die aktuell verfĂŒgbare 3-stufige Abwehrrakete des Systems ist aufgrund der notwendigen Mindestflugdauer und Mindestflughöhe der abzufangenden Raketen gar nicht in der Lage, auf Deutschland oder andere europĂ€ische LĂ€nder gerichtete Angriffe abzuwehren.“
Desweiteren legte die Fraktion der GrĂŒnen im Bundesparlament der Deutschen offen, dass die Merkel-Regierung aus CDU, SPD und CSU offensichtlich Informationen vor der Bevölkerung verberge:
„Deutschland (ist) vom möglichen Einsatz des Systems durch TrĂŒmmerteile, abgelenkte Raketen, elektromagnetische Impulse, RĂŒckstĂ€nde von Massenvernichtungswaffen und anderen Effekten potenziell massiv negativ betroffen. Die Bundesregierung schweigt seit Jahren zu diesen Gefahren, anstatt die deutsche Bevölkerung davor zu bewahren. Auf mehrfache Nachfrage von uns hat die Bundesregierung Studien in Auftrag gegeben, aber bis heute keine Ergebnisse veröffentlicht.“
Gestern war ein Strategie-Papier der Merkel-Regierung namens „Energiesicherheit 2050“ bekannt geworden. Es sagt fĂŒr die nĂ€chsten Jahre eine âdrohende bewaffnete Auseinandersetzungâ mit Russland und China wegen kommender Energiekisen voraus.
Erstellt wurde dieses Konzept durch die âBundesakademie fĂŒr Sicherheitspolitikâ (BAKS). Beteiligt waren Autoren aus dem StreitkrĂ€fteunterstĂŒtzungskommando, des FĂŒhrungszentrum Luftwaffe/LuftwaffenfĂŒhrungskommando, dem Deutschen Bundeswehrverband, dem Bundeskriminalamtes (BKA) und dem âTechnischen Hilfswerkâ THW (beide sind dem Bundesinnenministerium unterstellt), sowie Mitglieder des âAuswĂ€rtigen Amtesâ (AA) (also des Aussenministeriums) sowie hochrangige FunktionĂ€re der Bayer AG, der Deutschen Bahn AG und des staatlich kontrollierten Waffenproduzenten EADS.
Wörtlich heisst es im von Merkels Kanzleramtsminister De Maiziere in Auftrag gegebenen Strategiepapier „Energiesicherheit 2050“ wörtlich:
„Die geopolitische Konstellation hat sich verĂ€ndert. Zum einen wird sie geprĂ€gt durch das KrĂ€fteverhĂ€ltnis der globalen Akteure und deren BemĂŒhen um Energiesicherheit. Zum anderen existieren darĂŒber hinaus Akteure (Multinationale Unternehmen, Internationale Organisationen), welche Einfluss in diese geopolitische Konstellationen nehmen können..
Die NATO setzt somit ihre Entwicklung in Richtung globaler Organisation fort, auch unter der Option, sich zu einer politischen Kraft zu transformieren.“
Die Internetseite „Soldatenglueck“ zeigte sich diesbezĂŒglich zugleich sehnsuchtsvoll und kenntnisreich ob der ganzen Problematik.
„Die Kaukasusregion zwischen Asien und Europa, Schwarzem und Kaspischem Meer gelegen, kommt seit Jahrhunderten strategisches Interesse zu. Ihre reichen BodenschĂ€tze stellen bis heute einen Motor fĂŒr Wachstum und den Grund fĂŒr VerteilungskĂ€mpfe gleichermaĂen dar. „
Na da schau her..
„Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und deren UN-Mission UNOMIG mit auch 16 deutschen Bundeswehr-Soldaten und Polizisten im Krisengebiet vor Ort können derzeit dem Waffengang nur interventionsunfĂ€hig zusehen, die betroffenen Menschen in der Region bleiben ohne Hilfe.“
Das heisst: die in offenbar viel zu langen Jahren des Friedens heissgelaufenen WaffentrĂ€ger der Exekutive halten einen Krieg gegen Russland mit deutschen Soldaten fĂŒr eine Hilfe fĂŒr Georgien. Da fragt sich nur noch, wer den Soldaten dabei hilft zukĂŒntig die Schnauze zu halten, sich an die Heimat zu gewöhnen und nur unbewaffnet in die grosse, weite Welt hinauszufahren.
Man könnte es natĂŒrlich auch mit der grossen Politik versuchen.
Zur Zeit ist Merkel unterwegs in den NATO-Staaten Litauen und Estland. Das benachbarte Lettland sagte heute die Teilnahme an geplanten gemeinsamen MilitÀrmanövern mit Russland ab. Diese finden ab heute bis zum 28.August im Raum Kaliningrad statt.
Am 1.September ist der vom französischen PrÀsidenten Nicolas Sarkozy einberufene EU-Sondergipfel und am 2.September trifft US-VizeprÀsident Dick Cheney in Georgien ein, um sich wegen der Kaukasus-Krise mit dem dortigen Machthaber Michail Saakaschwili zu treffen.
Zur Zeit hĂ€lt sich das deutsche Marine-Kampfschiff als Teil einer NATO-Kampfflotte „SNMG 1“ zu angeblich lange geplanten Manövern im Schwarzen Meer auf. Das deutsche Marinekommando log am 23.August nach massivem öffentlichen Druck ĂŒber den kurzfristig angeordneten Einsatz in einer Gegendarstellung:
„Das Einlaufen der Nato-Schiffe ins Schwarze Meer war langfristig geplant und angemeldet.“
Noch am 4.August hatte es jedoch in einer Marine-Meldung ĂŒber die FGS Luebeck geheissen:
„NĂ€chste Woche wird der SNMG 1-Verband ins östliche Mittelmeer verlegen und dort weiter den Seeraum ĂŒberwachen.“
Bereits am 27.Juli hatte es erstmalig seit Bestehen der NATO-Kampfflotte SNMG 1 ĂŒberhaupt wĂ€hrend der Teilnahme an dem Verband einen Kommandowechsel gegeben – auf der deutschen FGS-Luebeck.
Neuer KapitĂ€n wurde Martin Wilhelm. Der bisherige Kommandant der „LĂŒbeck“, Marco von Kölln, sitzt jetzt im EinsatzfĂŒhrungsstab des Bundesministeriums der Verteidigung in Berlin.
Das im georgischen Hafen Batumi US-Kampfschiff McFaul hat nach Verlautbarungen des russischen MilitĂ€rgeheimdienstes rund 50 FlĂŒgelraketen vom Typ Tomahawk an Bord. „Sie können Atomsprengköpfe tragen und sind fĂŒr die Vernichtung von Bodenzielen bestimmt“, so ein Agent der russischen MilitĂ€raufklĂ€rung am Montag gegenĂŒber „RIA Novosti“.
Soeben wurde darĂŒber hinaus bekannt, dass die NATO insgesamt 18 Kriegsschiffe im Schwarzen Meer zusammenzieht. Das teilte Russlands stellvertretender Generalstabschef Anatoli Nogowizyn am Dienstag auf einer Pressekonferenz mit.
Das russische Flaggschiff „Moskwa“ ist unterdessen aus Sewastopol ausgelaufen und plant „SchieĂĂŒbungen“ im Schwarzen Meer.
Es wird Zeit klarzustellen, dass an der Spitze der Befehlskette ĂŒber deutsche Soldaten immer noch das Grundgesetz steht, und nicht die NATO, nicht die „EU“, nicht diese Bundesregierung, nicht einmal Gott selbst.
(…)
update:
Soeben hat der PrĂ€sident von Russland, Dmitri Medwedew, den entsprechenden Erlass zur Anerkennung von Abchasien und SĂŒdossetien unterzeichnet.
weitere Artikel:
23.08.08 58 % der Deutschen gegen eine Aufnahme Georgiens in die NATO
23.08.08 Vom Weltkrieg nichts Neues: Ralph Sina auf âtagesschau.deâ
21.08.08 Die Kunst des Krieges
Kaukasus-Krieg: âReutersâ-Fotos von angeblichen Opfern russischer Bombardements in Gori, Georgien, wurden von Schauspielern inszeniert
22.08.08 Deutsches Kriegsschiff fĂŒr âManöverâ mit NATO-Flotte im Schwarzen Meer
21.08.08 Die Kunst des Krieges
Kaukasus-Krieg: âReutersâ-Fotos von angeblichen Opfern russischer Bombardements in Gori, Georgien, wurden von Schauspielern inszeniert
19.08.08 Nein, auch keine deutschen OSZE-Kampftruppen in den Kaukasus
19.08.08 CDU bezweifelt Angriff durch Georgien im Kaukasus-Krieg
18.08.08 Merkel und Steinmeier: Krieg bedeutet âFriedenstruppenâ
10.08.08 Schweinebucht im Kaukasus
