Pentagon: "Diese US-Regierung wird Iran nicht angreifen"

„Times“: Israelis stehen alleine und ohne Operationsplan da

London: Im ĂĽblichen Nervenkrieg der psychologischen KriegfĂĽhrung veröffentlichte heute die britische „Times“ eine Story unter der Ăśberschrift „Bush unterstĂĽtzt israelischen Plan fĂĽr Schlag gegen Iran“. Ihr Inhalt spricht eine andere Sprache als die Titelzeile.

Denn in diesem versteckten Bulletin aus Washington, an dem sicher nicht nur die scheidende Bush-Administration mitgewirkt hat, bringen hochrangige Quellen aus Pentagon, Geheimdiensten und Politik klar zum Ausdruck was man in Jerusalem bislang einfach nicht wahrhaben will: die US-Militärs werden sich an einem Luftwaffenschlag gegen den Iran nicht beteiligen, wenn dieser nicht eine tödliche Gefahr für israelische oder amerikanische Ziele darstellt.
Nach Einschätzung sowohl des US-Militärs als auch der CIA ist dies aber nicht der Fall.

„Ich teile nicht die Auffassung dass der Iran in der Position ist irgendjemandem verheerenden Schaden zuzufĂĽgen“, so der ehemalige CIA-Analyst Kenneth Katzman, der kurz vor dem 11.September 2001 davor warnte dass Terroristen planten die USA anzugreifen.
„Die Revolutionswächter haben militärisch immer schlecht funktioniert. Ihre AusrĂĽstung ist ziemlich unzuverlässig, wenn nicht sogar regelrecht inoperabel. Diese Raketentest waren eher so wie ein Schild rauszuhängen, `Vorsicht bissiger Hund`.“

Die hochrangige Pentagon-Quelle wiederum brachte gegenĂĽber dem Weltmegafon „Times“ ĂĽberraschend klar zum Ausdruck, dass man in Washington nicht bereit ist einen Angriff auf den Iran mitzumachen.
„Es hängt jetzt alles an den Israelis. Diese Administration wird den Iran nicht angreifen. Das ist bereits entschieden worden. Aber der Präsident glaubt wirklich tief an die nukleare Bedrohung gegen Israel und ich weiss dass er glaubt dass nichts ausser Gewalt den Iran davon abhalten wird.“

Bezeichnenderweise sagte die Quelle aus dem US-Verteidigungsministerium also nicht, dass durch den derzeitigen Oberkommandierenden entschieden worden wäre den Iran nicht mit den eigenen Streitkräften anzugreifen. Denn der – bekennend tiefgläubige – Präsident sei nach wie vor der Meinung, dass nur militärische Mittel den Iran davon abhalten könnten wieder ein Atomwaffenprogramm zu entwickeln.

Sowohl US-Militär als auch die Geheimdienste sehen das genau anders herum. Ein Militärschlag, auch mit Atomwaffen, wĂĽrde die weitverzweigten unterirdischen Atomforschungszentren und Uran-Anreicherungsanlagen die man fĂĽr den Betrieb der iranischen Atomkraftwerke braucht, niemals vollständig zerstören. Weder US- noch Israel-„Intelligenz“ (populäres Wort der Geheimdienste ĂĽber sich selbst) wĂĽssten mit Bestimmtheit wo die umfangreichen Anlagen genau liegen.
Ein Angriff auf den Iran dagegen wĂĽrde die Falken im dortigen Regime auf unbestimmte Zeit an die Macht bringen und ein Atomwaffenprogramm des Iran praktisch unvermeidlich machen.

„Niemand redet hier ĂĽber etwas als eine Verzögerung des (Atom)Programms“ im Falle eines Angriffs, so die Pentagon-Quelle.
CIA-Analyst Katzman:“Vielleicht könnten die Israelis einen Angriff vom Zaun brechen und uns dazu zwingen ihn zu Ende zu fĂĽhren. Und vielleicht war das von Anfang an deren Plan. Aber hinsichtlich einer nachhaltigen Militärkampagne die nötig wäre um das iranische Nuklearprogramm dauerhaft zu untedrĂĽcken sind nur die USA als solche anerkannt derzeit dazu die Kapazitäten zu besitzen.“

Nichtsdestotrotz stĂĽnde die Ampfel fĂĽr einen Angriff gegen den Iran auf „gelb“. Das habe der US-Präsident der israelischen Regierung so gesagt. Leider wĂĽrde die Ampel niemals grĂĽn werden, so die Quelle aus US-Verteidigungsministerium, wenn die Israelis nicht einmal einen Operationsplan vorlegen könnten. Doch den hätten sie nicht.

Die israelischen Militärs, das machte der US-Beamte klar, könnten aber auch in diesem Falle nicht damit rechnen bei einem Angriff Hilfe durch die Amerikaner zu erhalten oder die Basen im Irak für die Logistik zu benutzen.
Das „uniformierte“, also staatliche, US-Militär, mache sich grosse Sorgen ĂĽber die eigenen Trupppen in den benachbarten Kriegsgebieten und Besatzungszonen.
„Die Uniform-Leute sind gegen die Angriffspläne, vor allem weil sie glauben dass sie unsere Soldaten in Irak und Afghanistan gefährden könnten“.

Immerhin. Von deutschen Generälen, von deutschen Politikern, von deutschen „Parteien“ war diesbezĂĽglich nicht ein einziges Mal die Rede – von niemandem.

Sowohl das Pentagon als auch die CIA sehen im Iran die realistische Möglichkeit, dass sich ohne einen Krieg die dortigen politischen Verhältnisse gegen ein Atomwaffenprogramm der Militärs hinentwickeln. Die Regierung Ahmadinejad habe sich wegen ihres provokativen Konfrontationskurses gegen den Rest der Welt im Perserreich viele Feinde gemacht.
„Seine (Ahmadinejads) gescheiterte Politik haben Iran mehr verwundbar fĂĽr Sanktionen gemacht und Leute im engeren Umfeld der Mullahs haben entschieden ihn dafĂĽr haftbar zu machen“, so frĂĽherer Aussenexperte in Washington.

Eine Einschätzung, die nicht nur dort geteilt wird.

Vielleicht stehen nach dem Abgang von George Bush und Ehud Olmert noch die von anderen verkannten Kriegshelden (und -innen) der Weltpolitik an. Auch im Herzen von Europa.

Die Abschiedsrede kann man dann ja vor dem Brandenburger Tor halten…

(…)

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