Nach Militärdebakel: Söldner in Venezuela vor Gericht, Guaidó in der Kritik

Autoren: Marta Andujo und Harald Neuber

Mutmaßliche Teilnehmer an Militäraktion gegen Regierung Maduro müssen sich verantworten. Kolumbianische Armeeboote gefunden

In Venezuela sind nach einer gescheiterten Militäraktion unter den Decknamen "Gideon" gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro mehrere Personen am Freitag vor Gericht gestellt worden. Unter den Angeklagten befinden sich auch zwei US-Amerikaner, die für ein Söldnerunternehmen mit Sitz um US-Bundesstaat Florida tätig waren.

Die Generalstaatsanwaltschaft des südamerikanischen Landes beantragte zugleich Haftbefehle gegen die venezolanischen Politberater Juan José Rendón und Sergio Vergara sowie den US-Amerikaner Jordan Goudreau. Ihnen wird Beteiligung an der Planung, Finanzierung und Ausführung eines versuchten Umsturzes zur Last gelegt.

Goudreau ist der Inhaber der US-amerikanischen Sicherheitsfirma Silvercorp, die nach Angaben der Washington Post und der venezolanischen Staatanwaltschaft ein Abkommen mit dem selbsternannten "Interimspräsidenten" Juan Guaidó unterzeichnet hat. Offenbar hatte Guaidó die Vereinbarung später jedoch einseitig aufgekündigt. Vergara wirkte als sein Sonderbeauftragter und Rendón gilt als wichtigster strategischer Berater des Oppositionspolitikers. Rendón hat eine einschlägige Vorgeschichte: Er soll im Jahr 2012 versucht haben, die Präsidentschaftswahlen in Mexiko zu manipulieren. Zwei Jahre später musste er als Wahlkampfchef des damaligen kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos zurücktreten, weil er verdächtigt wurde, Schmiergelder in Millionenhöhe von Drogenbossen angenommen zu haben.

"Angesichts der Tatsache, dass sie sich außerhalb des Landes befinden, werden wir einen Interpol-Haftbefehl sowie ihre Auslieferung nach Venezuela beantragen", teilte Generalstaatsanwalt Tarek William Saab in der Hauptstadt Caracas mit. Beide hätten in einem Fernsehauftritt zum Ausdruck gebracht, dass ihr Plan darin bestehe, Venezolaner zu töten. Ihre Vergehen dürften nicht ungestraft bleiben, so der oberste Ankläger.

Saab berichtete, dass inzwischen insgesamt 31 Personen, darunter Söldner und Helfer, wegen der Anlandung an der Küste Venezuelas angeklagt wurden. Die Militäraktion war am vergangenen Sonntag und Montag vereitelt worden. Praktisch täglich werden aus Venezuela weitere Festnahmen gemeldet, die mit der gescheiterten paramilitärischen Operation in Zusammenhang stehen sollen.

Der Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Armee, Vladímir Padrino López, hat einen Befehl erlassen, wonach "im Rahmen der Operation Bolivarischer Schutzschild" Patrouillen und Kontrollen im gesamten Staatsgebiet fortgesetzt werden, "um die Freiheit, Souveränität und Unabhängigkeit der Nation zu garantieren".

Zuletzt hatten lateinamerikanische Medien berichtetet, dass am Samstag in den frühen Morgenstunden venezolanischer Zeit die Bolivarische Nationalgarde "drei Kampfboote mit Emblemen der kolumbianischen Marine" am Orinoco-Fluss im östlichen Bundesstaat Bolívar entdeckt habe. Laut einer Erklärung der Streitkräfte sollen die verlassenen Boote "mit Maschinengewehren des Kalibers 50 mm und M-60-Maschinengewehren sowie der entsprechenden Munition" ausgestattet gewesen sein. Das Material würde der Staatsanwaltschaft und anderen staatlichen Institutionen Venezuelas weitere Ermittlungen ermöglichen.

Die rechtsgerichtete Oppositionspartei Zuerst Gerechtigkeit (Primero Justicia, PJ) forderte Guaidó indes am Freitag auf, seine an der Operation Gideon beteiligten Mitarbeiter abzusetzen. Die Gruppierung lehnte in einer Presseerklärung jede Art äußerer Einmischung in die Angelegenheiten Venezuelas ab. Es handele sich schließlich um Aktionen, die "am Ende unser Volk frustrieren" und politische Veränderungen verhinderten, so die Partei, die sich zugleich gegen die Behauptung Guaidós wandte, es habe sich um eine von der Maduro-Regierung eingefädelte Aktion gehandelt.

Veröffentlicht am 10.Mai 2020 auf Portal amerika21.de

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