„Folterkammer“: Pferde auf Karnevalsumzügen ist Tierquälerei

Aus gegebenen Anlass der durchgegangenen Pferde am Rosenmontag in Köln unterstützen wir die Forderung der Tierschutzorganisation PETA, Pferde auf den Umzügen der Karnevalsvereine nicht zuzulassen.

Mit dem heutigen Aschermittwoch ist die Karnevalssaison 2018 beendet. Bei den Organisatoren werden die Planungen und Vorbereitungen für das nächste Jahr durchgeführt. Und es wird von diesen ohne Frage dafür gesorgt, dass auch im nächsten Jahr Pferde in den Umzügen mitgeführt werden. Für die Öffentlichkeit ist das Thema der Tiere vom Tisch, der Alltag geht weiter.

Karneval und Fasching - das sind mit die beliebtesten Traditionen, die sich über die Jahrhunderte erhalten haben. Ursprünglich wurden böse Geister mit Fackeln und mit einem Höllenraudau von verkleideten Personen vertrieben. Später wurden Mißstände der Obrigkeit in Reden und mit Bildelementen angeprangert.

Jedes Jahr erfreut sich heutzutage das Publikum besonders über die phantasievollen Aufbauten der Wagen, in denen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens so richtig durch den Kakao gezogen werden. Der beissende Spott ist oft viel wirksamer als eine Kolumne.

Beim Karneval geht es wie beim Fußball oder dem Oktoberfest in München auch um viel Geld und Image, dass dabei zu verdienen ist. Dazu gehören laute Musik aus den Verstärkern und eine aufputschende Geräuschkulisse, um die Stimmung anzuheizen.

Dass dieses auf Kosten von Tieren geschieht, die das bunte Bild "bereichern", ist die typische Arroganz des Homo sapiens, nicht über die Befindlichkeit der Tiere nachzudenken als wären diese Dinge, die man benutzt und keine Lebewesen.

Dass Verhör- und Foltermethoden durch Lärm dazu dienen, psychologischen Druck aufzubauen um den Willen des Verhörten zu brechen leuchtet jedem ein. Lärm am Arbeitsplatz wird durch schalldämmende Maßnahmen möglichst vermieden. Uns Menschen stört der Krach beim Karneval nicht, weil wir die entsprechende Erwartungshaltung mitbringen und die Entscheidung treffen können, jederzeit einen anderen Platz aufzusuchen. Die Pferde können dieser "Folterkammer" nicht entfliehen. Wer nie mit Tieren zu tun hat, wird diese Bezeichnung als überspitzt bezeichnen. Und wer ein Haustier wie einen Hund oder eine Katze hält, wird natürlich dafür sorgen, dass sein Liebling nicht durch Lärm zu schaden kommt - denken wir dabei an die Knallerei zu Silvester, die den meisten Tierhaltern einen Albtraum bereitet.

Man kann auf jedem Karneval Spass haben, feiern, trinken, tanzen, fröhlich sein, singen, ungezwungen neue Leute kennenlernen. Dazu sind keine Tiere als Staffage notwendig. Man kann herrliche Figuren bauen wie es besonders in den asiatischen Ländern Brauch ist.

Nachfolgend veröffentlichen wir die aktuelle Presseerklärung von PETA vom 12. Februar 2018.

Mehrere Verletzte bei Kutschunfall beim Rosenmontagszug: PETA wirft Stadt Köln Mitschuld vor und fordert sofortiges Pferdeverbot bei Umzügen

Vorhersehbares Unglück: Bei einem Unfall mit einer Pferdekutsche sind am Montagnachmittag am Kölner Appellhofplatz mehrere Menschen teilweise schwer verletzt worden. Medienberichten zufolge gingen mehrere Pferde aus noch ungeklärter Ursache durch. PETA übt jetzt scharfe Kritik an Oberbürgermeisterin Henriette Reker und spricht der Stadt Köln eine Mitschuld an dem Unglück zu. Die Tierrechtsorganisation hatte sich in den vergangenen Jahren sowie im Vorfeld des Umzuges wiederholt an Reker und ihre Verwaltung gewandt und auf die enormen Risiken des Pferdeeinsatzes hingewiesen. Ein aktuell veröffentlichtes PETA-Video vom letztjährigen Kölner Rosenmontagsumzug zeigt die enorme Stressbelastung für die Tiere – es wurde in den vergangenen Tagen von rund zwei Millionen Internetnutzern gesehen.

"Wir fordern ein sofortiges Pferdeverbot bei Karnevalsumzügen in Deutschland. Müssen erst Menschen sterben, bevor die Verantwortlichen reagieren?", so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Der Einsatz von Pferden bei solchen Veranstaltungen ist unverantwortlich.“

Zwei Tage vor Weiberfastnacht veröffentlichte PETA eine aktuelle INSA-Meinungsumfrage unter NRW-Bürgern zum Einsatz von Pferden bei Karnevalsumzügen. Eine knappe Mehrheit – rund 47 Prozent der Befragten – sprach sich dabei für ein Verbot von Pferden in Karnevalszügen aus. 45 Prozent der Menschen äußerten keine Bedenken.

Pferde sind Fluchttiere und sehr schreckhaft. Laute Musik, fliegende Süßigkeiten und ausgelassene Menschenmassen setzen die sensiblen Tiere bei Karnevalsumzügen anhaltend hohem Stress aus. Fast jedes Jahr werden Menschen und Tiere bei Karnevalsumzügen zum Teil schwer verletzt. Auch bei trainierten Pferden können bereits geringe Störungen den Fluchtinstinkt auslösen. Kölner und Bonner Medien berichteten im vergangenen Jahr, dass Pferde sediert wurden, um die Stressbelastung auszuhalten – obwohl die Verantwortlichen dies stets abgestritten haben.Nach einem schweren Pferdekutschenunfall 2015 in Troisdorf bei einem Volksfest, bei dem 26 Menschen teils schwer verletzt wurden, ergab ein Sachverständigengutachten, dass „die Pferde ihrem Fluchtinstinkt gefolgt seien – und auch vom Kutschbock mit Leinen und Peitsche nicht mehr für menschliche Kommandos empfänglich gewesen wären“.

In mehreren Städten sind Pferde bei Karnevalsumzügen aufgrund einschlägiger Erfahrungen mittlerweile verboten oder nur eingeschränkt erlaubt. Neben dem Einsatz der Pferde während der Karnevalsumzüge kritisiert PETA auch die tierschutzwidrigen Trainingsmethoden, mit denen die sensiblen Tiere im Vorfeld „desensibilisiert“ werden. Dazu werden die Pferde regelmäßig mit lauter Musik beschallt oder durch Knallgeräusche erschreckt. Scharfe Gebisse kommen ebenfalls zum Einsatz, um die Pferde mit Schmerzen kontrollieren zu können.

https://www.peta.de/mehrere-verletzte-bei-kutschunfall-beim-rosenmontagszug-peta-wirft-stadt-koeln

Linkhinweis auf das Video "So leiden Pferde im Kölner Karneval / PETA",veröffentlicht am 6.2.2018 auf Youtube