Die amerikanische Religion des Kriegs

Einige Gedanken zu Gewalt und militÀrischem Götzendienst in Amerika

Wenn Sie an die Umfragen glauben, ist Amerika eine Nation von GlĂ€ubigen. Eine Nation des Glaubens. Aber ist unser Glaube an einen friedliebenden Gott der Liebe wirklich wahr? Oder verehren wir stattdessen einen Kriegsgott? Aktuelle und vergangene Ereignisse legen nahe, dass die Amerikaner zu oft ihren Glauben in Krieg und MilitĂ€r setzen. Wir fahren fort zu glauben – ungeachtet der Beweise, dass unser Glaube sowohl falsch als auch zerstörerisch ist.

Wir haben eine kultige Zuneigung zu Krieg und MilitĂ€r. Sie bestimmt, was wir sehen – was wir wahrnehmen. Glaube ist sehen. Das MilitĂ€r gibt zum Beispiel zu, an den „Fortschritt“ im Irak und in Afghanistan zu glauben, also erfinden wir Kennzahlen, die zeigen, wie wir gewinnen (was genau das ist, was wir vor fĂŒnfzig Jahren in Vietnam getan haben).

Wir sind keine rationale Gesellschaft. Wir sind eine religiöse Gesellschaft. Und unsere Tempel und Kreuze sind MilitĂ€rbasen und Waffen, die wir weltweit exportieren. Die USA haben 800 StĂŒtzpunkte im Ausland, und Amerika dominiert den internationalen Waffenhandel. Unsere Missionare sind inzwischen unsere SondereinsatzkrĂ€fte, die wir in 130 LĂ€nder entsenden und die dort das amerikanische Evangelium verbreiten. Das Evangelium von Krieg und Waffen.

Die Ikonen des amerikanischen Militarismus sind unsere Waffen. Unsere Kampfflugzeuge, unsere Drohnen, große Bomben (die MOAB), und die Liste geht weiter. Sie sind zu den Symbolen eines Götzendienstes der Zerstörung geworden.

Eine fremdenfeindliche Form des Patriotismus verschlimmert eine Religion der Gewalt. Ausschließend statt allumfassend setzt diese die Grenzen zwischen „uns“ und „ihnen“, Kritiker und Andersdenkende werden ausgestoßen und ins Exil geschickt.

WĂ€hrenddessen weisen wir in fernen fremden LĂ€ndern die RealitĂ€t von Ruinen und TrĂŒmmern von uns. Wir haben sie stattdessen in Form von Erlösung gekleidet: „Wir mussten das Dorf zerstören, um es zu retten“ ist ein weiterer Aspekt unseres evangelischen Kriegsansatzes. Es ist wie wiedergeboren zu werden. Um wiedergeboren zu werden im Geist Christi, musst du dich selbst fertigmachen. Wir scheinen zu glauben, dass die StĂ€dte in TrĂŒmmern liegen mĂŒssen, bevor wir den Sieg ĂŒber den Feind erklĂ€ren können.

Betrachten Sie 9/11. Ein nach innen schauendes Volk hĂ€tte die Ruinen des 11. September als Denkmal fĂŒr die Opfer aufbewahrt. Aber nicht wir. Das ist eine teure Immobilie, und auf diesen Ruinen wurden wir wiedergeboren, indem wir den Freedom Tower bauen, genau 1776 Fuß hoch. So wurde unser Sturz als Wiedergeburt, unsere Niederlage als Sieg, Tragödie als Triumph neu interpretiert. Sogar 9/11 selbst wird jetzt als ein Tag des Patriotismus gefeiert.

Ja, wir können unsere eigenen TrĂŒmmer rekonstruieren, wie nach dem 11. September. Aber werden auslĂ€ndische TrĂŒmmer jemals wieder aufgebaut? StĂ€dte wie Mosul? Wen interessiert das schon? Sie gehören nicht zum Körper. Sie sind nicht wir. Sie sind Ausgestoßene. Lass sie ĂŒberleben in dem, was von ihren verdammten GebĂ€uden und Wohnungen ĂŒbrig ist.

Unsere Fernsehsendungen stĂ€rken unseren Glauben an Gewalt und Militarismus. Zu den neuen gehören „The Brave“ auf NBC, das damit beginnt, sich auf eine hĂŒbsche weiße Ärztin zu konzentrieren, die von muslimischen Terroristen entfĂŒhrt wurde, und „tapfere“ BemĂŒhungen, sie zu retten; „Valor“ auf dem CW-Kanal, mit vielen Hubschraubern und Fahnen und automatischen Waffen; und das ziemlich offensichtliche „SEAL Team“ auf CBS, mit Elite Navy SEALs, die fĂŒr die Superhelden der Vergangenheit stehen. Wenn Sie es satt haben, sich militĂ€rische Heldentaten im Fernsehen anzusehen, gibt es immer wieder „Schieß“spiele mit militĂ€rischem Inhalt. In der Tat ist militĂ€rische TĂ€tigkeit ĂŒberall zu finden, sogar in Madden-Fußball, wo man im „Story-Modus“ gegen den Quarterback Dan Marino auf einem ArmeestĂŒtzpunkt im Irak spielen kann. (Das Feld ist umgeben von einem befestigten Zaun, felsigen HĂŒgeln und einem Hubschrauberlandeplatz, neben anderen exotischen militĂ€rischen Elementen.)

Amerika wird von einer Religion der Gewalt und VerwĂŒstung verzehrt. Wir sind in einem dunklen Strudel von Tod und Zerstörung gefangen. Doch wie können wir uns gegen unseren Kriegsgott wehren, wenn wir ihn so sehr fĂŒttern? Wenn wir nach jeder Tragödie von „Gedanken und Gebeten“ sprechen, wissen wir dann wirklich, welchen Gott wir anrufen?

Orginalartikel The American Religion of War vom 3. Oktober 2017

Quelle: http://www.antikrieg.com/aktuell/2017_10_04_dieamerikanische.htm