ISIS stoppen: folge dem Geld!

Kriege sind teuer. Die Rekrutierung und Erhaltung von KĂ€mpfern im Feld, die laufenden KĂ€ufe von Waffen und Munition und eine Myriade von anderen Kosten und Problemen erfordern hohe Summen.

Warum versuchen die Vereinigten Staaten von Amerika nicht, die Finanzquellen des Islamischen Staats herauszufinden, als eine Möglichkeit, dessen StĂ€rke, Krieg zu fĂŒhren, zu schwĂ€chen oder zu eliminieren? Finde heraus, woher das Geld kommt, schneide die Zufuhr ab, und du schlĂ€gst viel vernichtender zu als mit einem Luftangriff. Aber das ist nicht geschehen. Warum?

Spenden

Viele haben lange vermutet, dass sunnitische Terroristengruppen, jetzt ISIS und davor al-Qaeda, im Weg der Golfstaaten wie Saudiarabien finanziert werden, bei denen es sich auch um alte amerikanische Alliierte handelt.

Direkte Verbindungen sind schwer zu beweisen, besonders wenn die Vereinigten Staaten von Amerika es vorziehen, sie nicht zu untersuchen. Die Sache wird erschwert durch Andeutungen, dass das Geld nicht direkt aus den Budgets von LĂ€ndern, sondern von „Spendern“ kommt und durch rechtmĂ€ĂŸige Hilfsorganisationen oder ĂŒber Tarnfirmen weitergeleitet wird.

Eine Person, die sich um die Finanzierung durch die Saudis kĂŒmmerte, war die damalige Außenministerin Hillary Clinton, die 2009 in einer Nachricht auf WikiLeaks warnte, dass Spender in Saudiarabien die „bedeutendste Quelle der Finanzierung von sunnitischen terroristischen Gruppen in aller Welt sind.“

Beim G20-Gipfel sprach der russische PrĂ€sident Vladimir Putin aus, was anderweitig noch nicht besonders in der Öffentlichkeit diskutiert worden war. Er gab bekannt, dass er den anderen Mitgliedern der G20 Informationen zukommen hat lassen, welche 40 LĂ€nder betreffen, die den Großteil der terroristischen AktivitĂ€ten des ISIS finanzieren. Laut Berichten enthielt die Liste eine Anzahl von G20-Mitgliedern.

Putins Liste der Spender wurde nicht veröffentlicht. Die G20 bestehen aus Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Mexiko, Russland, Saudiarabien, SĂŒdafrika, SĂŒdkorea, der TĂŒrkei, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten von Amerika und der EuropĂ€ischen Union.

Erdöl

Eine krĂ€ftig sprudelnde Einkommensquelle fĂŒr ISIS sind und waren VerkĂ€ufe von Erdöl. In den Anfangszeiten ihrer Luftkampagne erwĂ€hnten amerikanische Regierungsvertreter, dass die Bohranlagen des Islamischen Staats unter den wichtigsten Angriffszielen sind. Allerdings wurden nur wenige dieser Anlagen angegriffen. Ein Sprecher des Pentagon erklĂ€rte, dass die Koalition versucht hat, einige von ISIS’ grĂ¶ĂŸten Erdölproduktionsanlagen zu schonen „aufgrund der Erkenntnis, dass diese Eigentum des syrischen Volkes bleiben,“ und um den Kollateralschaden fĂŒr die Zivilbevölkerung in der NĂ€he zu begrenzen.

Erst diese Woche begannen die Vereinigten Staaten von Amerika mit einer etwas aggressiveren Vorgangsweise hinsichtlich des Erdöls, wobei sie nur Tanklastwagen bombardierten, aber nicht die Infrastruktur hinter diesen. Die Lastautos wurden beim Ladeort Abu Kamal nahe der irakischen Grenze zerstört.

Nach konservative SchĂ€tzungen nimmt der Islamische Staat ein bis zwei Millionen Dollar aus ErdölverkĂ€ufen ein, einige schĂ€tzen, dass es bis zu vier Millionen sind. Erst im Februar behauptete das Pentagon, dass Erdöl nicht mehr die wichtigste Geldquelle des ISIS sei, sondern von diesen „Spenden“ aus unspezifizierten Quellen und vom Schmuggel ĂŒbertroffen wurde.

TĂŒrkei

Ein Thema in Zusammenhang mit dem Verkauf von Erdöl ist fĂŒr jeden einschließlich ISIS das Problem, dieses auf den Markt zu bringen. Erdöl muss mit schwerem GerĂ€t aus dem Boden geholt werden, möglicherweise gereinigt, gelagert, in Tankwagen oder in Pipelines gefĂŒllt, irgendwohin geliefert und dann auf dem weltweiten Markt verkauft werden. Große Mengen von Geld mĂŒssen gewechselt werden, und eine bis vier Millionen Dollars tĂ€glich sind ein Haufen Geld, wenn dieser tĂ€glich abgewickelt werden muss. Es könnte sein, dass auch bei einigen Arten von elektronische Transaktionen, die irgendwie bis heute nicht entdeckt wurden, die Vereinigten Staaten von Amerika im Spiel sind.

Interessanterweise berichtete The Guardian, dass eine Razzia unter FĂŒhrung der Vereinigten Staaten von Amerika auf die GebĂ€ude, in denen der höchste Finanzverwalter des Islamischen Staats residierte, Beweise dafĂŒr erbrachte, dass tĂŒrkische Regierungsvertreter mit ranghohen ISIS-Leuten direkt verhandelten, darunter mit dem ISIS-Offizier, der verantwortlich war fĂŒr die DurchfĂŒhrung der Erdöl- und Erdgasoperationen der Terrorarmee in Syrien.

Es wurde gesagt, dass die „Politik des offenen Tors” der TĂŒrkei, in der diese erlaubte, dass ihre sĂŒdliche Grenze als inoffizieller TransitĂŒbergang nach und aus Syrien diente, eine der Hauptrouten eröffnete, auf der ISIS das Erdöl auf den Markt liefern konnte. Ein tĂŒrkischer Apologet behauptete, dass das Erdöl nur durch BewĂ€sserungsrohre aus Plastik mit kleinem Durchmesser fließt und daher schwer zu beobachten ist.

Andere glauben, dass tĂŒrkische und irakische ErdölkĂ€ufer mit ihren eigenen Tankwagen nach Syrien fahren und das ISIS-Erdöl direkt von den Raffinerien kaufen und es selbst aus Syrien hinaus transportieren. Lastautokolonnen sind aus der Luft leicht auszumachen und können auch leicht aus der Luft zerstört werden, wobei die Vereinigten Staaten von Amerika das bis jetzt noch nicht getan zu haben scheinen.

Ein geschmuggeltes Barrel Erdöl wird auf dem Schwarzen Markt um rund $50 verkauft. Das heisst, dass Erdöl im Wert von einigen Millionen Dollars pro Tag eine sehr große Anzahl von sehr dĂŒnnen Rohren erfordern wĂŒrde.

Nach derzeitigem Stand der Dinge werden die Finanzierungsquellen immer eigenartiger, je mehr man weiß. Diejenigen, die ISIS zu zerstören suchen, werden wohl nachsehen wollen, woher das Geld kommt, und fragen, warum es nach einem Jahr und drei Monaten niemand der MĂŒhe wert gefunden hat, dem Geld zu folgen.

Und den Geldhahn abzudrehen.

Orginalartikel Peter Van Buren on Stopping ISIS: Follow the Money vom 18. November 2015

Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2015_11_22_isis.htm