Das Pentagon versucht, aus Verlierern Sieger zu machen
Am 200. Jahrestag der Esel von 1812, denen die Briten 1814 die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika niederbrannten, sah ich mir den neuen Film von Rory Kennedy âLast Days in Vietnamâ an. In diesem Film geht es um den Moment des Verlierens, der Niederlage, als das MilitĂ€r der Vereinigten Staaten von Amerika zu guter Letzt den finalen Arschtritt bekam von den Vietnamesen, fĂŒr die das nicht die letzten Tage Vietnams, sondern die letzten Tage des amerikanischen Krieges und der militĂ€rischen Okkupation durch den Westen waren.
So wie der Mittlere Osten heutzutage, wo die Vereinigten Staaten von Amerika damit beschĂ€ftigt waren, Kriege in Afghanistan und Irak zu verlieren und Libyen und Pakistan und Jemen und PalĂ€stina zu verwĂŒsten, war Vietnam ein Desaster in der Zeit, in der der Film beginnt. Wie die Medien der Vereinigten Staaten von Amerika ISIS die Schuld an dem Zustand im Irak geben, so schiebt Last Days in Vietnam die Schuld den Nordvietnamesen zu. Das ist die Geschichte der Niederlage in Vietnam, aber sie wird vor allem von den Verlierern erzĂ€hlt.
Eine vom Pentagon finanzierte Online-Feier des Kriegs der Vereinigten Staaten von Amerika gegen Vietnam beschreibt die in diesem Film gezeigten VorfĂ€lle folgendermaĂen:
âDie amerikanische Evakuierung geht zu Ende. Saigon fĂ€llt an die nordvietnamesischen Soldaten, und der organisierte sĂŒdvietnamesische Widerstand gegen die kommunistischen KrĂ€fte endet. PrĂ€sident Duong Van Minh gibt die bedingungslose Kapitulation der Republik Vietnam bekannt.â
Ich rate den Veterans for Peace (Veteranen fĂŒr den Frieden), etwas gegen die laufende $65 Millionen teure Kampagne zur Glorifizierung des Kriegs der Vereinigten Staaten von Amerika gegen Vietnam zu unternehmen. Und ich empfehle, sich Last Days in Vietnam anzusehen, um einen Eindruck zu bekommen, wie Kriege enden. Besonders sollten sich diejenigen den Film ansehen, die es geschafft haben, nach all diesen Jahrzehnten Krieg noch immer mit Sieg oder Gewinnen oder Erfolg oder Errungenschaft in Verbindung zu bringen.
Die letzten Monate der PrĂ€senz der Vereinigten Staaten von Amerika waren eine Zeit der Verleugnung durch den Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika und andere, dass die Nordvietnamesen kommen wĂŒrden, um sie hinauszuwerfen. Jeder Amerikaner und jeder ihrer vietnamesischen VerbĂŒndeten und Kollaborateure hĂ€tte sicher mit allen Mitgliedern der Familie evakuiert werden können. Stattdessen kam es zu einer ĂŒberstĂŒrzten Aktion in letzter Minute mit Helikoptern, die ins Meer geworfen wurden, nachdem sie ihre Passagiere auf Schiffe gebracht hatten, und vielen ZurĂŒckgelassenen, die den Tod vor Augen hatten.
Der Film gibt dem Kongress die Schuld, weil er PrĂ€sident Fords Antrag abgelehnt hat, die Mittel fĂŒr eine Evakuierung zur VerfĂŒgung zu stellen. Aber das Pentagon hĂ€tte das sehr leicht selbst machen können, und PrĂ€sident Ford hat den Botschafter anscheinend nie angewiesen, das zu tun. Es spielt also die schaurige Musik, und blutrote Farbe flieĂt auf der Landkarte vom Norden in den SĂŒden, wie die barbarischen kommunistischen Aggressoren, die nicht davor zurĂŒckschrecken, Gewalt anzuwenden, etwas, was Amerikaner nie machen wĂŒrden, Saigon erreichen. Und sie kommen nur, weil PrĂ€sident Nixon von den Peaceniks aus dem Amt gejagt worden ist. Macht nichts, dass das schon ein paar Monate frĂŒher war, sie wĂ€ren nie gekommen, wĂ€re Nixon im WeiĂen Haus gewesen.
NatĂŒrlich neigt die Betrachtungsweise der Verlierer dazu, ebenso zu vernebeln wie zu enthĂŒllen. Der Krieg musste zu Ende gehen. Das Volk, das um seine Heimat kĂ€mpfte, musste frĂŒher oder spĂ€ter ĂŒber diejenigen siegen, die nur deswegen kĂ€mpften, weil sie schon am KĂ€mpfen waren und die Schande nicht ertragen konnten, damit aufzuhören. Aber Last Days in Vietnam zeigt die Amerikaner, die den ĂŒberstĂŒrzten RĂŒckzug von zuhause aus verfolgten, Amerikaner, die frĂŒher in Vietnam âgedientâ hatten. Und diese glaubten, dass alle ihre Anstrengungen âzu nichts gefĂŒhrtâ hatten.
Nichts? Nichts? Vier Millionen hingeschlachtete MĂ€nner, Frauen und Kinder. Die Gesellschaft der Vereinigten Staaten von Amerika bezeichnet das als nichts. Von den Deutschen wird erwartet, dass sie wissen, wie viele Millionen ihre Regierung getötet hat. Von den Japanern wird verlangt, die vergangenen SĂŒnden Japans zu studieren. Aber von den Vereinigten Staaten von Amerika wird erwartet, dass sie Nabelbeschau betreiben, ihre MissetĂ€ter glorifizieren und so tun, als wĂ€ren ihre Niederlagen neutral, gleichgĂŒltig, nichtig.
Versuchen Sie, diese Geschichte auf Afghanistan oder Irak oder Gaza umzulegen – das trauen Sie sich nicht!
Orginalartikel „Losing Losers and the Pentagon That Hires Them“ vom 26.08.2014
Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2014_08_26_daspentagon.htm
