Honduras: IWF sperrt doch Konten der Putschisten

Wird die Staatskrise nach dem Putsch in Honduras am Bankschalter entschieden?

Nach wochenlangen Beratungen hat sich der Internationale WĂ€hrungsfonds nun entschlossen, umfangreiche Hilfsgelder fĂŒr Honduras nur FunktionĂ€ren der legitimen Regierung von PrĂ€sident Manuel Zelaya zur VerfĂŒgung zu stellen.

Der IWF hatte angesichts der internationalen Finanzkrise im FrĂŒhjahr dieses Jahres 250 Milliarden US-Dollar fĂŒr 186 Staaten zur VerfĂŒgung gestellt, damit diese im Rahmen so genannter Bereitschaftskreditvereinbarungen (Stand-by-Arrangements) ZahlungsengpĂ€sse ĂŒberbrĂŒcken können. Auf Honduras entfielen gut 163 Millionen US-Dollar aus diesem Topf.

Ende August hatte die von den Putschisten eingesetzte „PrĂ€sidentin“ der Zentralbank, Sandra Midence, die Zahlungen als Beleg fĂŒr die Anerkennung ihres Regimes angefĂŒhrt. Vertreter der legitimen Regierung verwiesen jedoch auf laufende Verhandlungen. Nun wurde die Entscheidung getroffen – zugunsten der gewĂ€hlten Regierung. „In den vergangenen Wochen hat der Fonds mit seinen Mitgliedern ĂŒber die geschĂ€ftsfĂŒhrenden Direktoren RĂŒcksprache gehalten“, heißt es in einer Stellungnahme, die von der Nachrichtenagentur AFP zitiert wird. Daraufhin habe das IWF-Management entschieden, nur die Regierung von PrĂ€sident Zelaya als legitime StaatsfĂŒhrung von Honduras anzuerkennen.

Die RegimefunktionĂ€rin Midence zeigte sich enttĂ€uscht ĂŒber die Entscheidung. Man hĂ€tte die Gelder nicht fĂŒr laufende Ausgaben verwendet, sagte die von Roberto Micheletti eingesetzte Ökonomin, sondern zur StĂ€rkung der Zentralbankreserven. „Es wĂ€re logisch gewesen, dass diese Gelder von der Folgeregierung verwaltet werden“, sagte Midence in der rechtsgerichteten Tageszeitung El Heraldo, von der die nun BegĂŒnstigten konsequent als „Ex-FunktionĂ€re der ehemaligen Regierung“ bezeichnet werden. Die „Finanzministerin“ Michelettis, Gabriela NĂșñez, ĂŒbte indes scharfe Kritik an Spanien, dessen Regierung ihrer Meinung nach hinter der Isolation des Putschregimes steht. Madrids Vertreter im IWF habe sich mit Vertretern der Zelaya-Regierung getroffen, um die ZahlungsflĂŒsse zu stoppen. Nach Angaben der Zeitung El Heraldo hat die Zentralbank Reserven, um ĂŒber 3,6 Monate hinweg einen Staatsbankrott abzuwenden. Der Putsch liegt nun drei Monate zurĂŒck.

Nach mehreren Tagen der Polizei- und Armeegewalt gegen Aktivisten der Demokratiebewegung kommt langsam Bewegung in den festgefahrenen Konflikt. In der Nacht zum Freitag kamen in der brasilianischen Botschaft die PrĂ€sidentschaftskandidaten von vier Parteien mit dem Staatschef zusammen. Manuel Zelaya hĂ€lt sich seit seiner RĂŒckkehr am Montag in der diplomatischen Vertretung des sĂŒdamerikanischen Landes auf. Das Treffen mit den PrĂ€sidentschaftsanwĂ€rtern der Liberalen Partei, Elvin Santos, der Nationalen Partei, Porfirio Lobo, der Christdemokraten, FelĂ­cito Ávila, und der sozialdemokratischen Gruppierung PINU, Bernard MartĂ­nez, sei in einer freundlichen AtmosphĂ€re verlaufen, hieß es in Presseberichten. Alle vier Parteien hatten zuvor den Putsch unterstĂŒtzt. Es war die erste Zusammenkunft Zelayas mit Vertretern des gegnerischen Lagers seit dem Staatsstreich am 28. Juni.

Quelle: amerika 21.de http://amerika21.de/nachrichten/inhalt/2009/sep/honduras-iwf-sperrt-doch-konten-der-putschisten/