Österreich bricht geschlossene EU-Front gegen Iran auf

Politik, Diplomatie

UNO-Vollversammlung: österreichische Abgeordnete hörten sich Präsident Mahmoud Ahmadinejads Rede an

Eine UNO-Vollversammlung hat den Sinn, die Standpunkte aller teilnehmenden Staaten und ihre Ansichten zu den globalen Problemen zu hören, um sie anschliessend diskutieren zu können. Es soll versucht werden, einen Konsenz untereinander herzustellen.

Das es auf dieser Welt in den seltensten Fällen gleich zu Übereinstimmungen kommt, ist normal und den unterschiedlichen Interessen der Länder geschuldet.

Aber Zuhören - das gebietet ganz einfach der Anstand. Wenn jeder wegrennt, wenn ihm etwas nicht passt, nun - dann würde der Sitzungssaal gähnend leer sein wie eine taube Nuss. Wann schliesslich trifft sich die Welt schon einmal gemeinsam?

Welttreffen sind notwendig, gerade jetzt, wo unser Planet in allen Fugen kracht durch die vielen Kriegsherde, an denen gerade auch die westlichen Nationen keinen kleinen Anteil haben.

Schliesslich kann man nach der Versammlung seine Meinungen zu den Themen in den verschiedenen Foren kundtun.

Die österreichischen Abgeordneten jedenfalls wissen, was sich gehört und blieben gestern Abend bei den Worten des Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad, im Gegensatz anderer, die ihren Widerwillen mit ihrem Verlassen der Versammlung demonstrierten. Zu diesen gehörten Kanada, die USA, Deutschland und andere westliche Staaten.

Wie es hiess, hatte die Europäische Union vorher vereinbart, geschlossen den Raum zu verlassen, wenn der iranische Präsident die Verharmlosung des Holocaust, die Leugnung des Existenzrechtes Israels oder die Gleichsetzung von Zionismus mit Rassismus erwähnt.

"Ahmadinejads Rede war zwar sehr unerfreulich, hat aber nicht diese Elemente enthalten"

begründeten die Österreicher ihr Dableiben.

In Österreich hagelt es nun von allen Seiten Kritik an ihren Delegierten aus dem gesamten politischen Spektrum - einschliesslich der Grünen - so dass sich das Aussenministerium zu ihrer Verteidigung eingreifen musste

"Wir haben heute den schwedischen Aussenminister Carl Bildt getroffen, der der Meinung war, dass wir völlig richtig gehandelt haben. Wie vereinbart waren keine Botschafter oder Politiker im Raum, sondern nur Botschaftssekretäre."

und zur Beruhigung der politischen Öffentlichkeit verspricht man, dass man sich morgen mit dem iranischen Außenminister Manouchehr Mottaki trifft, um ihm die "Levitten zu lesen" - dass Österreich antiisraelische Hetze ablehnt.

Wen es interessiert, welche Sätze die Delegationen zum Verlassen des Saales bewogen haben, kann sie am besten selber hier im Orginal nachlesen und sich eine eigene Meinung bilden.

Quelle: http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/510580/index.do

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