EU: Erst mal abwarten, Tee trinken und zusammen sprechen

Entscheidungen zu Sanktionen gegen den Iran werden bis dahin vertagt

Der schwedische Aussenminister und EU-Ratsvorsitzende Carl Bildt hat eine vernĂŒnftige Entscheidung zu den Forderungen nach hĂ€rteren Massnahmen gegen den Iran getroffen.

ZunĂ€chst einmal muss mit dem Iran gesprochen werden. Dies wird ab dem 1. Oktober geschehen, wenn man sich zu Verhandlungen mit allen beteiligten Seiten zusammensetzt, um ĂŒber das Atomprogramm zu diskutieren. (1)

Der tĂŒrkische Aussenminister Davutoglu, der zu einem Amtsbesuch in Teheran weilt, sagte gestern, dass sein Land sich geehrt fĂŒhlen wĂŒrde, als Gastgeber fĂŒr diese GesprĂ€che zwischen dem Iran und der Gruppe 5+1 zur VerfĂŒgung stehen zu können. (4)

Herr Bildt erteilt mit der Mitteilung den notorischen Rufern nach noch mehr Sanktionen gegen den Iran eine glatte Abfuhr, die die Spannungen zu gern anheizen möchten.

Diese Nachricht wird nicht bei allen Begeisterung hervor rufen. Es gibt tatsĂ€chlich Gruppen, die dem iranischen StaatsprĂ€sidenten nicht zuhören wollen, was der „Angeklagte“ zu seiner Verteidigung zu sagen hat. Nicht einmal dann, wenn er am 23. September auf einer Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, die von dem US-PrĂ€sidenten Obama eröffnet wird, genau zu diesem Themenkomplex sprechen wird.

Der World Jewish Congress WJC hat gestern die internationalen fĂŒhrenden StaatsmĂ€nner und -frauen aufgerufen, die Rede des iranischen PrĂ€sidenten Mahmoud Ahmadinejad auf dieser Sondersitzung zu boykottieren und dass dieser die UNO nicht als Forum benutzen sollte. (2)

Das muss man sich mal vorstellen. Wozu ist denn die UNO gegrĂŒndet worden?

Wenn man diese Frage jetzt als naiv belÀchelt, weiss man, dass die Weltgemeinschaft restlos gescheitert ist.

Wenn die UNO nach der Pfeife der MĂ€chtigsten tanzt, kann sie entweder gleich ehrlicherweise abgeschafft werden und man braucht sie nicht lĂ€nger als Alibi fĂŒr irgendwelche Aktionen zu missbrauchen – oder aber sie erhĂ€lt endlich einen Status, der den Gesamtfrieden auf diesem Planeten zum Ziel hat und die GrossmachtsgelĂŒste diverser Staaten in die Schranken weist.

Artikel 1 der UN-Charta:

„… den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame Kollektivmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen des Friedens zu verhĂŒten und zu beseitigen, Angriffshandlungen und andere FriedensbrĂŒche zu unterdrĂŒcken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem Friedensbruch fĂŒhren könnten, durch friedliche Mittel nach den GrundsĂ€tzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen.“

Dieser folgende Schwachsinn von Frau Merkel mutet dagegen wie im Kindergarten an (3):
„Sanktionen gegen den Iran könnten Israel kompromissbereit stimmen.“

Zitat vom 27. August 2009 auf der Deutschen Welle:

Dass weitere Sanktionen gegen Teheran nicht unwahrscheinlich sind, signalisierte Kanzlerin Merkel auf der Pressekonferenz. Sie drohte Teheran mit weiteren Strafmaßnahmen, falls das Land nicht in Verhandlungen ĂŒber sein Atomprogramm einwilligt. Sollte es bis September keine befriedigende Antwort auf die VorschlĂ€ge der internationalen Gemeinschaft geben, mĂŒsse ĂŒber Sanktionen im Energie- und Finanzbereich nachgedacht werden. Sollte es hierbei zu keinem Beschluss des UN-Sicherheitsrates kommen, sei auch eine „Koalition der Willigen“ denkbar. Damit könnte Netanjahus Forderung erfĂŒllt werden, der sich in Berlin fĂŒr „lĂ€hmende Sanktionen“ gegen Teheran aussprach.

Deutlicher kann man seinen Drang zum Unruhestiften wohl kaum Ă€ussern, wenn man sich sogar ĂŒber eine UN-Sicherheitsrat-Entscheidung hinwegsetzen will, auf den man sich sonst sehr genau beruft, wenn es in die eigene Interessenslage passt.

Vielleicht wĂŒrde ihr einmal ein Seminar mit dem Thema „KonfliktbewĂ€ltigung“ ganz gut tun, als ehemalige DDR-BĂŒrgerin mĂŒsste ihr auch der damals ĂŒbliche Slogan „Friedliche Koexistenz“ noch gut in den Ohren klingen.

Quellen:
(1) http://www.dw-world.de/dw/function/0,,12356_cid_4686729,00.html
(2) http://haaretz.com/hasen/spages/1114479.html
(3) http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4603070,00.html
(4) http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=article&id=27406:tuerkei-fuer-gastgeberschaft-der-gespraeche-zwischen-iran-und-g-51bereit&catid=13:kommentare&Itemid=11