Schweinegrippe: Grossbritannien pocht bei Medikation auf Tamiflu-Monopol

Reporter trickst Apotheke für homöopathische Heilmittel aus und liefert den Behörden kompromittierendes "Beweismaterial"

Die folgende im Telegraph veröffentlichte Geschichte ist ein Beispiel für Denunziantentum, dass unter Umständen auch in Absprache mit den britischen Behörden erfolgte, um die alternative Heilmedizin davon abzuschrecken, der Bevölkerung Naturheilmittel gegen Grippesymptome zu empfehlen und um das Monopol solcher Medikamente bei den zugelassenen konventionellen Pharmaprodukten der weltweit bekannten Hersteller zu halten.

Denn man hat mit diesen im Herbst viel vor und Konkurrenz auf dem Markt der "grippalen Krankheit" kann nicht geduldet werden, dazu hat man zu viel Vorbereitung, Werbung und Geld investiert.

Dass ein Reporter des The Sunday Telegraph sich zu einer "Recherche?" hergibt, eine auf Naturheilmittel spezialisierte Apotheke bewusst zu täuschen und anschliessend das in seinem Sinne ausgefallene Ergebnis an eine Behörde liefert, wirft kein gutes Licht zu diesem Thema auf die Nachrichtenbranche. Das Honorar wird entsprechend grosszügig ausgefallen sein.

Der Journalist suchte die Apotheke des Unternehmens Ainsworths, das sich auf homöopathische Mittel spezialisiert hat, auf und teilte der Angestellten mit, dass seine Partnerin glauben würde, sie sei an der Schweinegrippe erkrankt. Man benötigt nicht viel Phantasie, sich seine um Rat suchende falsche Freundlichkeit vorzustellen.

Die Apothekerin holte ein Mittel aus eigener Herstellung und sagte, dass es normalerweise zur Behandlung von Symptomen wie Fieber, Muskel-und Knochenschmerzen, Schwäche oder Kopfschmerzen dient. Die Leidende sollte die Tabletten dreimal täglich einnehmen, bis eine Verbesserung ihres Zustand eintritt. Sie fügte hinzu, dass die Pillen dazu beitragen würden, dem Körper zu helfen, die Symptome des Virus zu überwinden, also das Immunsystem zu stärken. Die Apothekerin füllte die Pillen in eine Glasflasche und etikettierte sie mit einem Label.

Das Gespräch wurde heimlich aufgezeichnet und anschliessend den zuständigen Behörden weitergemeldet. (1) Der Fehler der Apothekerin bestand in dem fehlenden Hinweis, dass bei schwereren Krankheitsbeschwerden ein Arzt aufzusuchen ist.

Das Unternehmen Ainsworths - das auch die königliche Familie, die auf homöopathischen Heilmittel schwört, beliefert - wird nun beschuldigt, "Quacksalberei" mit seinen Pillen zu betreiben, indem die Flaschen als "Swine Flu Formel" etikettiert sind und somit der Behandlung der an Schweinegrippe Erkrankten dient.

Die Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) (2) erhielt eine Aufzeichnung des Gespräches über den Verkauf der Pillen und prüft nun die Einleitung von Massnahmen. Es wird an die Vollzugsbehörden weitergeleitet und wäre ein Fall für die Polizei. In Betracht könnte die Vollstreckung einer Geldstrafe oder eine strafrechtliche Verfolgung kommen, wenn erwiesen wird, dass der homöopathische Hersteller gegen die strengen Regeln verstossen hat, die sie selbst für ihre Produkte aufgestellt haben.

Der MHRA-Sprecher sagte: "Tamiflu und Relenza sind zugelassene Arzneimittel für die Behandlung von Schweinegrippe. Die Regierung hat bereits antiviralen Arzneimitteln zur Behandlung von Fällen auf Lager und wir sagen der Bevölkerung, die sich Sorgen darüber macht, dass sie möglicherweise an Schweinegrippe erkrankt, sich an den nationalen Pandemie-Grippe-Service zu wenden oder mit ihrem Hausarzt zu sprechen, um Zugang zu diesen Behandlungen zu erhalten."

Professor David Colquhoun, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Pharmakologie an der Londoner College University und einer der führenden Gegner der alternativen Medizinindustrie, erklärte: "Eine Pille zu verkaufen, die Angaben zur Behandlung der Symptome eines solchen Virus enthält ist Quacksalberei. Es ist beunruhigend, dass diese Lösung verkauft werden konnte an Menschen, die in einigen Fällen schwerkrank werden können. Wenn jemand, der das Virus bekommen hat, die Behandlung verzögert, indem er es mit homöopathische Pillen versucht, riskiert seine Gesundheit."

Die British Medical Association (BMA) sagt dazu das Gleiche: homöopathischen Heilmittel dürfen nicht dazu verwendet werden, nur solche Medikamente wie das zugelassene Tamiflu. Diese Alternative zur konventionellen Behandlung verzögere eine medizinische Behandlung und gefährdet die Gesundheit der Patienten.

Dr. Vivienne Nathanson, Leiterin des Wissenschaft- und Ethik-Ressorts an der BMA, sagte: "Wenn jemand denkt, er hat Grippe, sollte er sich an die entsprechende Beratungsstelle wenden und beraten lassen. Für die meisten Menschen wird der Verlauf der Grippe eine milde Krankheit sein, aber bei einer kleinen Anzahl mit schweren Symptomen könnte eine Verzögerung dann sehr gefährlich werden."

Selbstverständlich muss bei einem sehr schweren Verlauf einer Grippe mit hohem Fieber ein Arzt aufgesucht werden. Aber die Schweinegrippe hat nach Angaben der Behörden bisher ein sehr harmloses Erscheinungsbild und bedarf deshalb keiner starken chemischen Keule.

Der Vorsitzende der BMA, Dr. Hamish Meldrum, fügte hinzu: "Homöopathische Medizin hat gezeigt, dass sie nicht auf allen Gebieten erfolgreich ist und sollte nicht als Alternative zur konventionellen Behandlung dienen."

Tony Pinkus, der Direktor von Ainsworths (3), sagte: "Auf Ainsworths haben wir für unsere zahlreichen Kunden eine homöopathische Lösung zur Linderung der Symptome von Schweinegrippe. Die meisten unserer Kunden sind Menschen, die routinemässig Homöopathie anwenden und die es als eine zufriedenstellende Alternative zur allopathischen oder konventionellen Medizin empfinden und die es als eine Ausübung ihres Rechts auf freie Wahl ansehen."

"Die Lösung ist auf Anfrage verfügbar, und wir werben oder engagieren uns nicht, dass die Leute sie kaufen sollen. Wir haben auch deutlich gemacht, dass die Homöopathie in Verbindung mit konventionellen Medikamenten angewendet werden kann und ich habe nicht das Gefühl, dieses zu ignorieren oder uns gegen jede staatliche Leitlinien zu stellen."

Dr. Catherine Zollman, ein Mitglied der Prince's Foundation für Integrierte Gesundheits-und GP in Bristol, sagte, dass sie die Homöopathie jeden Tag bei der Behandlung von Patienten verwendet.
"Homöopathische Behandlung kann hilfreich sein, wo konventionelle Medizin nicht viel zu bieten hat, und es gibt laufend Symptome bei den Patienten, die Leiden verursachen. Ihre Anwendung erfolgt mit Sorgfalt und gründlicher Bewertung des Krankheitsbildes und wird bei einer schweren progressiven Krankheit nicht verordnet. Die Tatsache, dass diese Produkte bei Ainsworths verkauft werden ohne diesen Hinweis, gibt mir einen gewisse Anlass zur Sorge. Wenn ein Patient mich fragen würde, ob sie ein Medikament nehmen sollen, ohne zu wissen, was die Ursache ihrer Beschwerden ist, würde ich dieses nicht empfehlen.
Die meisten homöopathischen Heilmittel sind sehr deutlich gekennzeichnet, ich bin erstaunt, dass dieses hier es nicht ist."

Quellen:
(1) http://www.telegraph.co.uk/health/swine-flu/5956106/Homeopath-to-the-Queen-risking-patient-health-by-selling-swine-flu-remedy.html
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/MHRA
(3) http://www.ainsworths.com/site/welcome.aspx