Avnery: USA wollen Krieg zwischen Israel und Syrien

Jerusalem: Bereits am 21.August hatte Uri Avnery seine neue Zusammenfassung der Ereignisse bezĂĽglich Israel und der Region im „Palestine Chronicle“ veröffentlicht (1). Heute nun erschien in der „Berliner Umschau“ die deutsche Ăśbersetzung (2). Sie zeichnet das dĂĽstere Bild einer abgestumpften Ă–ffentlichkeit, die tägliches Morden von Palästinenser durch israelisches Militär achselzuckend zur Kenntnis nimmt, fatalistisch jede widersprĂĽchliche Verlautbarung der eigenen Regierung schluckt und einfach nur noch auf den nächsten Krieg wartet.Dabei beschreibt er – sicherlich nicht zufällig – das Bild der Weltöffentlichkeit insgesamt, nicht nur in Israel.

DER ALLTÄGLICHE MORD AN PALÄSTINENSERN DURCH ISRAELIS

„Ein SchĂĽler wurde ĂĽberfahren; seine Verletzungen waren schwer; er wurde an einer StraĂźenkontrollstelle ĂĽber eine Stunde lang festgehalten, bis er dort starb“, so der Träger des Alternativen Nobelpreises in 2001 (3).
„Die Armee veröffentlicht ein lakonisches Statement: er war auf der Liste derer, denen es `verboten ist, Israel zu betreten`. FĂĽnf Soldaten greifen sich einen Jugendlichen, der an einer Bushaltestelle auf einen Bus wartet und prĂĽgeln ihn zu Tode. Eine kranke Frau kommt an eine StraĂźensperre und wird dort ohne ersichtlichen Grund aufgehalten, bis sie stirbt,“ so Avnery.

„Solche Geschichten sind zur Routine geworden und verursachen keine Wellen der Aufregung mehr. Zwei oder drei Journalisten regen sich noch darĂĽber auf und berichten – die ĂĽbrigen ignorieren dies. Die GefĂĽhle sind abgestumpft. Es sind einfach keine Neuigkeiten mehr,“ berichtet Avnery ĂĽber den alltäglichen Mord an Palästinensern durch Israelis.

ISRAEL UND SYRIEN: KRIEGSTREIBER IN WASHINGTON

„Fast jeden Tag erklären der Ministerpräsident, der Verteidigungsminister und ihre Trabanten, Israel sei an keinem Krieg interessiert. Ăśberhaupt nicht. Gott bewahre!“, so der grosse alte Mann von Israel, Uri Avnery.
„Es erinnert einen fast an Hamlets Kommentar ĂĽber seine treulose Mutter: `Die Dame protestiert zu viel, dĂĽnkt mich.` Besonders weil Ehud Barak seine Friedensbekenntnisse ablegt, während er auf den besetzten Golanhöhen steht – mit dem Hintergrund lärmender Panzer, die bei einem kriegsähnlichen Manöver vorrĂĽcken.“

Avnery beschreibt, das weder die israelische, noch die syrische Ă–ffentlichkeit in Kriegslaune ist. Eher scheinen alle Seiten so komatös und willig, dass es irgendwann einfach heissen könnte „war happens!“.

„Von ´unten´ kommt auch keinerlei Druck fĂĽr einen Krieg. Die israelische Ă–ffentlichkeit fĂĽrchtet sich davor – und die syrische anscheinend genau so“, so der israelische Menschenrechtler.

AVNERY:
„Woher kommt dann also das tägliche Gerede ĂĽber einen Krieg? Wenn ihn keiner wĂĽnscht, warum wird dann soviel ĂĽber ihn geredet? Warum berichten die Medien in Israel und in aller Welt von `Spannungen an der Nordgrenze Israels`? Warum fĂĽhrt die israelische Armee hektische Manöver auf dem Golan durch? Warum gibt es Berichte ĂĽber hastige Waffenkäufe der syrischen Armee und ĂĽber hektische BaumaĂźnahmen, die sich auf Befestigungen gegen Israel beziehen? Warum bietet die tĂĽrkische Regierung dringende Vermittlung zwischen Israel und Syrien an?

Das ist alles sehr mysteriös.
Es scheint, die Lösung dieses Rätsels könne weder in Jerusalem noch in Damaskus gefunden werden – sondern in Washington.

Wenn Ehud Olmert sich weigert, auf Bashar al-Assad Serenaden zu reagieren, deutet er an, dass Präsident Bush jeden Kontakt mit den Syrern verbietet. Im vergangenen Jahr stieß Amerika Israel in den Libanonkrieg, es blockierte einen frühen Waffenstillstand und anscheinend war es daran interessiert, den Krieg nach Syrien hin auszudehnen.

Syrien gehört natürlich zur `Achse des Bösen`, die in Bushs Gehirn besteht. Seine arabischen Verbündeten sagen ihm vergeblich, dies sei ein Fehler: das sunnitische Syrien sei kein natürlicher Verbündeter der iranischen Schiiten. Es brauche sie nur, weil die USA es isoliere. Damaskus benützt die schiitische Hisbollah nur, um Druck auf Beirut und Jerusalem auszuüben, erklären sie. Es sollte im Interesse der USA sein, zwischen Israel und Syrien Frieden zu schaffen, um Syrien aus der iranischen Umarmung zu befreien. Aber Bush hört nicht auf sie.

Vielleicht stößt er Olmert in einen Krieg mit Syrien, um die Aufmerksamkeit von seinem irakischen Debakel abzulenken, das von Tag zu Tag schlimmer wird. Vielleicht ist er auch nur an kĂĽnstlichen Spannungen interessiert, um das Assad-Regime zu Fall zu bringen.“

DIE HEUCHELEI VOM FRIEDEN IN EINER POLITIK DES KRIEGES

AVNERY:
„Fast jeden Tag gibt es einen neuen farbigen Ballon: Friedensvorschläge, `Prinzipien` fĂĽr einen Frieden, der in irgendeiner unbestimmten Zeit kommen wird, ein theoretisches `Friedensabkommen`. All diese Pläne haben eines gemeinsam: sie haben mit der Realität nichts zu tun – weder hier noch jetzt. Sie gehören in eine rosige Zukunft, während sehr schlimme Dinge vor Ort geschehen.

Es ist wieder Präsident Bush, der Olmert in diese Richtung drängt. So sehr er Spannungen zwischen Israel und Syrien wünscht, so sehr wünscht er auch positive Nachrichten über seine Vision eines `Friedensprozess` zwischen Israel und den Palästinensern. Lasst sie einen virtuellen `Friedensprozesses` in den Raum stellen und über ein Dokument für die Zeit der Wiederkunft des Messias diskutieren, lasst sie einander anlächeln und umarmen. Dies belegt, dass Bush schließlich gewinnt: seine Vision von Frieden ist im Anmarsch. Das ist gut für Bush, gut für Olmert und gut für Abbas.

FĂĽr wen ist es nicht gut? FĂĽr die Palästinenser, die unter dem Joch der Besatzung zusammenbrechen. Die Not im Gazastreifen wird von Tag zu Tag größer – gemäß dem Plan, der einen totalen Zusammenbruch, Anarchie und den Fall der Hamas vorsieht.“

Im März 2006 hatte der Faschist Baruch Marzel von der Regierung Israels öffentlich die Ermordung Uri Avnerys durch das Militär gefordert.
Die rechtskonservative Ynet dazu: Marzel sei ein „bisschen zu weit gegangen“…(4)

weitere Artikel:
20.06.07
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13.03.07
A Syria War?
http://www.radio-utopie.de/english.php?themenID=344&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=3

Quellen:
(1)
http://www.palestinechronicle.com/story-082107124257.htm
(2)
http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=23082007ArtikelPolitikAvnery1
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Tr%C3%A4ger_des_alternativen_Nobelpreises
(4)
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3230185,00.html