Neocon Zoellick soll Chef von Weltbank werden
Washington: Der PrĂ€sident der USA, George W.Bush versucht eine weitere Rochade der ausblutenden Reihen von strammen Neokonservativen. Nachfolger von ex-Pentagonvize Paul Wolfowitz als Chef der Weltbank soll nun ausgerechnet Robert Bruce Zoellick werden, einer der Unterzeichner des 1998 vom „Project for a New American Century“ initiierten Briefes an Bill Clinton, in dem schon damals ein Eingreifen im Irak gefordert worden war.Neben Zoellick hatten u.a. Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, Richard Perle, Elliott Abrams, Zalmay Khalilzad, John R. Bolton, Richard Armitage und William Kristol diesen Brief unterzeichnet.(1)
GESCHICHTE EINER „FREIEN WIRTSCHAFT“ – ENRON
Robert Zoellick war Teil des Beratergremiums von ENRON. Allein der Skandal um dieses Superkonglomerat, dass die Wirtschaftszeitung „Fortune“ einst sechsmal hintereinander zur „innovativsten Firma AmerikaÂŽs“ erklĂ€rte, ist das klassische Beispiel fĂŒr ungehemmte, skrupelloseste Selbstbereicherung einer kleiner Oberschicht auf Kosten Zehntausender Menschen. Einst 21.000 Mitarbeiter verloren nicht nur ihren Job, sondern grösstenteils alle ihre Ersparnisse, Pensionen und Aktien.
Die Firma mit einem jÀhrlichen Umsatz von einst 111 Milliarden Dollar baute auf systematischem Betrug, politischer Einflussnahme und struktureller Korruption in diversen staatlichen Behörden mehrerer LÀnder auf.
Einst 1931 die „Northern Natural Gas Company“ in Newbraska, wurde ENRON in den USA bald ein landesweites Energiemonopol fĂŒr Gas, Erdöl und dann auch noch fĂŒr Wasser. Immer sicherte sie sich auch den Betrieb wichtiger Infrastruktur wie Kraftwerke und Pipelines, und zwar weltweit. (2)
2001 kam heraus, dass die horrenden Profite, die das Unternehmen angeblich machte, nicht existierten. Verluste tauchten in keiner Bilanz auf, aber wie ein riesiger Staubsauger lockte das Konsortium immer mehr Kleinanleger an, die sich vom GeschwÀtz der Chefetagen blenden liessen.
Niemand kontrollierte. Der Staat hing mit drin, nicht nur in den USA. Der Betrug war Teil der „freien Wirtschaft“ und ihrer Protagonisten. Alles ging, alles war erlaubt. Die ganze Firma diente ausschliesslich der Bereicherung ihrer FĂŒhrungsschicht, und politischen Zwecken.
Komplizen von ENRON waren u.a. J.P.Morgan, Merry Lynch und Citibank.Die HÀlfte der Mitglieder des US-ReprÀsentantenhauses und 3/4 des US-Senats erhielten direkt Geld, auch der Justizminister. Seit 1989 spendete Enron fast 6 Millionen Dollar an Politiker.(3)
Der Wahlkampf von George W.Bush wurde 2000 massiv unterstĂŒtzt, vorher waren in den Amtsjahren von Bill Clinton immerhin 900.000 Dollar an die Demokraten geflossen, 1999 und 2000 kamen ĂŒber sogenannte „soft donations“ noch einmal 362.000 Dollar fĂŒr die offiziell politischen „Gegner“ der Republikaner dazu. (2)
Das ganze System schuf riesige Ableger wie das ebenfalls in endlose BetrĂŒgereien verstrickte Konsortium WorldCom. Allein der AnlagebetrĂŒger Arthur Andersen verursachte im Umfeld von ENRON durch kriminelle BuchfĂŒhrung einen Schaden von 60 Milliarden Dollar (3), der Sumpf hatte keinen Boden.
Schliesslich wurden seitens der US-Justizbehörden zwar Urteile wegen aller Arten von Betrug, GeldwÀsche und Verschwörung gesprochen. Wichtige Zeugen aber wurden entweder tot aufgefunden, wie der schottische Banker Neil Coulbeck am 11.Juli 2006 im Chingford Park in London, oder starben wie ENRON-Chef Kenneth Lay 6 Tage vorher plötzlich am Herzinfarkt.(2)
DIE VEREINIGTEN STAATEN VON GOLDMAN SACHS
Der nun von Bush „designierte“ zukĂŒnftige PrĂ€sident der Weltbank, Robert Bruce Zoellick, ist ebenfalls im internationalen Beratergremium der Investment Bank Goldman Sachs. Gleichzeitig ist er dort „managing director“ seit 2006, als er als Vize-Aussenminister der USA zurĂŒcktrat und dann zu Goldman Sachs wechselte.
Wer aber holte ihn dorthin?
Der Finanzminister der USA, Henry Paulson, gleichzeitig Chef von Goldman Sachs.
Chef des Stabes im „Weissen Haus“ von PrĂ€sident George Bush ist ĂŒbrigens Joshua Bolten – ebenfalls ehemaliger Banker bei Goldman Sachs.(5)
Goldman Sachs hat sein Haupquartier in New York, seit 1869. Es performte als Investment Banker u.a. fĂŒr ENRON und WorldCom. Der ENRON-Boss Kenneth Lay empfing innerhalb kĂŒrzester Zeit ĂŒber sogenannte „IPO shares“ grössere Zahlungen von Goldman Sachs, wie mehrere Bosse, mit deren Firmen Goldman Sachs GeschĂ€fte machte.(4)
DIE WELTWEITE KONTENSPIONAGE ĂBER SWIFT (6)
Am 23.Juni 2006 schockte eine Story der „New York Times“ fĂŒr recht kurze Zeit die Weltöffentlichkeit, die sowas nicht wissen wollte:
sĂ€mtlichen Kontenbewegungen, finanzielle Transaktionen und GeldflĂŒsse insgesamt sind ĂŒberwachbar, und deshalb werden sie auch ĂŒberwacht – weltweit und ohne Limits.
Und zwar durch US-Geheimdienste und das US-Finanzministerium, unter aktiver Beihilfe oder Toleranz seitens der „Staatengemeinschaft“, die EU-LĂ€nder und der ZentralbĂ€nker, darunter die deutsche Bundesbank.
Nadelöhr fĂŒr das Kapital weltweit ist das weltweite Bankensystem SWIFT, welches mehr als 2.200 Finanzinstitutionen gehört und dessen autarkes Transaktionssystem von ungefĂ€hr 7.800 GroĂbanken, BörsenhĂ€usern, Handelsgesellschaften, Fonds und Brokern weltweit genutzt wird.
SÀmtliche in diese Operation auf höchster Ebene verwickelten Personen zu beleuchten ist hier nicht möglich.
Es hilft aber doch, sich ein paar Akteure in diesem Akt der Weltspionage genauer anzuschauen..
John Snow
2006 Finanzminister der USA.
Stuart Levey
Seit dem 21.07.2004 Vizefinanzminister der USA und Chef des Geheimdienstes des Finanzministeriums TFI spielte er den typischen, in der zweiten Reihe plazierten Operator und Strippenzieher.
11 Jahre arbeitete er bei der Anwaltskanzlei Larroca & Lewin LLP, spÀter aufgegangen in Baker Botts, LLP. Teilhaber von Baker Botts ist ein altes Gesicht:
Daniel Christman
VizeprĂ€sident von „AmCham“, der mĂ€chtigen US-Handelskammer, auch er Strippenzieher und Macher par exellence, zehrt er noch heute sicher von seinen Jahren als Lt.General, Pentagon Planer und Politik Berater. Dieses fleisch gewordene Exemplar des militĂ€risch-industriellen Komplexes steht fĂŒr einen neuen Typus des FĂŒhrers von Organisationen. Neben den Klassikern „Pflicht, Ehre, selbstloser Einsatz, Mut und Kompetenz“ ist das Credo des ehemaligen West Point Chefs „die mentale Beweglichkeit und Inspiration“ Vorrausetzung fĂŒr die Transformation von Organisationen in Zeiten des Umbruches, wie es heiĂt.
Drei Dinge sind fĂŒr den ex-General und Vize der Kammer dafĂŒr essentiell:
der Einsatz von Geheimdiensten, „informative Operationen“ und internationale Kooperation. Er hat dabei erklĂ€rtermaĂen vor allem den „ultimativen Sieg“ ĂŒber den Terrorismus vor Augen…
James Baker.
Dieser hatte 1975 dieselbe Funktion wie sein ehemaliger Angestellter Levey, er war Vizefinanzminister unter Gerald Ford. Von 1981 bis 85 war Baker unter dem VizeprĂ€sidenten George Bush Senior Stabschef im WeiĂen Haus, dann Finanzminister, dann im Sicherheitsrat, dann AuĂenminister und Stabschef unter dem PrĂ€sidenten George Bush Senior.
Im Jahre 2003 war er Sonderbeauftragter fĂŒr US-Operationen im Irak und nahm am Treffen von Pentagon und AuĂenministerium am 5. Januar 2006 teil.
Eingeweiht in die Operation waren laut New York Times:
– ausgerechnet Mitglieder des KongreĂ-UntersuchungsauschuĂes zum 11.9.
– „some members of Congress“, also parlamentarische Amigos.
– das 25-köpfige FĂŒhrungsgremium von SWIFT, zusammengesetzt aus Vertretern von Finanzinstitutionen weltweit.
– ebenso die Gruppe von 10 Zentralbanken in den fĂŒhrenden Industrienationen welche Swift ĂŒberwachen soll, also auch die deutsche Bundesbank.(6)
Am 29.Juni 2006 verkĂŒndete George Bush den Nachfolger von US-Finanzminister John Snow, der bereits am 30.Mai offiziell zurĂŒckgetreten war.
Die gesamte AffÀre nahm Snow praktisch mit aus dem Amt, sein Nachfolger als Finanzminister der USA hatte nie wieder damit Probleme.
Dieser Nachfolger war der Chef von Goldman Sachs: Henry Paulson.
Geheimdienstchef und Vize des Finanzministeriums ist ĂŒbrigens immer noch Stuart Levey.(7)
ROBERT BRUCE ZOELLICK…
…diente von 1985 bis 1988 im US-Finanzministerium, u.a. als Berater von James Baker (s.o.) und als StaatssekretĂ€r. WĂ€hrend der PrĂ€sidentschaft des alten Bush diente er wieder unter Baker, diesmal im Aussenministerium als StaatssekretĂ€r („Under Secretary“) fĂŒr Finanzfragen. August 1992 wurde er Vize-Stabschef des Weissen Hauses und persönlicher Assistent von PrĂ€sident Bush Senior.
Ausserdem war er persönlicher Vertreter des US-PrÀsidenten der G7-Treffen 1991 und 1992.
WĂ€hrend Bill Clinton die direkte Herrschaft der Bush-Familie fĂŒr 8 Jahre unterbrach, wechselte er in die „freie Wirtschaft“, um dann 2000 wĂ€hrend der PrĂ€sidentschaftskampagne von George Bush junior dessen aussenpolitischer Berater zu werden, und zwar als Teil einer Gruppe namens „die Vulkane“, welche von Condoleeza Rice gefĂŒhrt wurde (1).
Anschliessend wurde er Handelsbeauftragter der Bush-Regierung und sorgte fĂŒr den Beitritt von China und Taiwan zur WTO.
Am 7.Januar 2005 nominierte Bush Zoellick als Vize-Aussenminister. Ein Jahr spĂ€ter, am 25.Mai, war in der New York Times zu lesen, er sei irgendwie unzufrieden dort und wolle wieder in „die freie Wirtschaft“.
Er erklĂ€rte am 19.Juni 2006 seinen RĂŒcktritt (1), 4 Tage bevor die New York Times die Story zur SWIFT-AffĂ€re launchte.
Das Ergebnis ist bekannt.
Henry Paulson zog als Chef von Goldman Sachs ins Finanzministerium ein und sorgte gleichzeitig dafĂŒr, dass Zoellick vom Aussenministerium zu Goldman Sachs ging – die Rochade war komplett.
Nun soll Robert Bruce Zoellick Chef der Weltbank werden. Der Vorschlag stellt den ĂŒblichen Versuch des Kapitals und seiner Handlanger dar, erstmal einen dreisten Vorschlag zu machen.
Wenn sich dann kein Geschrei erhebt oder Widerstand bildet, wird einfach weiter gemacht.
Zoellick ist ĂŒbrigens auch Strippenzieher einer Interventionspolitik in Darfur (Sudan).(1)
Gestern, und nicht zufÀllig, hat George Bush neue Sanktionen gegen den (Nord)-Sudan durch die Vereinten Nationen verlangt. China und Russland lehnen das ab.(8)
Ausserdem droht – nach einem merkwĂŒrdigem Attentat wĂ€hrend einer Massenveranstaltung im Grenzgebiet zwischen Somali und Ăthiopien – ein Krieg zwischen Ăthiopien und Eritrea, welches angeblich hinter dem Attentat stecken soll (9).
Wer das alles nur fĂŒr BĂ€ume, aber keinesfalls fĂŒr einen Wald hĂ€lt, beweist, dass das Konzept der Neocons, die fest mit der Karnickel-MentalitĂ€t und Dummheit der Weltöffentlichkeit rechnen, immer noch AnhĂ€nger und GlĂ€ubige findet.
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Quellen:
(1)
http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_B._Zoellick
(2)
http://en.wikipedia.org/wiki/Enron#Fallout
(3)
http://www.schoene-aktien.de/enron_alte_aktien.html
(4)
http://www.securitiesfraudfyi.com/goldman_sachs.html
(5)
http://www.iht.com/articles/2007/05/29/business/bank.php
(6)
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=116&JAHR_AKTUELL=2006&MON_AKTUELL=6
(7)
http://en.wikipedia.org/wiki/Under_Secretary_of_the_Treasury_for_Terrorism_and_Financial_Intelligence
(8)
http://news.moneycentral.msn.com/provider/providerarticle.aspx?feed=FT&Date=20070530&ID=6968000
(9)
http://www.sudantribune.com/spip.php?article22124
