Wer will deutsche Soldaten im Libanon?

Eine Auflistung der BefĂŒrworter und Gegner der wichtigsten Entscheidung nach dem Irakkrieg

Berlin: Eine gravierende außenpolitische Weichenstellung fĂŒr Die Republik geht in ihre entscheidene Phase. In dieser Woche entscheidet die Regierung, ob sie deutsche Soldaten in den Libanon und ggf. an die Grenze zu Syrien entsendet.
Hier eine Auflistung der dokumentierten BefĂŒrworter und Gegner dieses möglichen Einsatzes einer kĂ€mpfenden Truppe im Krisengebiet..

DafĂŒr:

– SPD-Vorsitzender Kurt Beck.
er zeigte sich bereits am 22.Juli, mitten im Krieg, offen fĂŒr eine deutsche Beteiligung.
Zitat:“Eine Beteiligung Deutschlands wĂ€re immer noch etwas besonderes, aber im Rahmen der internationalen Staatengemeinschaft nicht mehr undenkbar“ (1). Er erneuerte diese Position gestern am 13. August im ARD-Sommerinterview:“Es wird sicher kein `Nein` geben.“ Außerdem sprach sich der SPD-Chef fĂŒr einen Truppeneinsatz an der syrischen Grenze aus (2)(3). Er hatte vor dieser Festlegung lediglich mit SPD-PrĂ€sidiumsmitgliedern telefoniert (4).
– GrĂŒnen-Chefin Claudia Roth:
sie sprach sich in einem heute erschienen Interview fĂŒr eine militĂ€rische Beteiligung aus. Zitat:
„Wir können nicht Nein sagen..und das tun wir auch nicht.“ (5)
– Daniel Cohn-Bendit, Fraktionschef der GrĂŒnen im Europaparlament:
dieser hatte bereits am 18.Juli einen NATO-Einsatz zur Grenzsicherung Israels unter Beteiligung deutscher Truppen verlangt. Zitat:
„GrundsĂ€tzlich scheitert vieles zuerst, was dann spĂ€ter doch noch gelingt.“ … (6)
– Ralf FĂŒcks, Vorsitzender der GrĂŒnen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung:
er schlug schon am Anfang des Libanonkrieges vor, Israel gleich ganz in die NATO aufzunehmen (7).
– Gert Weisskirchen, „Außenexperte“ der SPD:
Bereits am 20.Juli sah er keine Möglichlichkeit, sich der Entsendung deutscher Soldaten in den Libanon „zu entziehen“ (8).
– Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU):
hatte er noch am 22.Juli gemeint, die Frage stelle sich nicht (1), so stand er dann am 24. der Sache schon positiv gegenĂŒber (9), dann hoffte er wieder zwei Tage spĂ€ter, daß die Bundeswehr „ĂŒberhaupt nicht in eine solche Lage kommt“ (11) und Anfang August sprach er dann von einem „Auftrag“, dem man sich nicht verweigern könne (10).
– Innenminister SchĂ€uble (CDU):
er gab heute förmlich sein Ja-Wort im Morgenmagazin. Zitat:
„Wir sagen alle, wir können uns nicht verweigern. Wir wollen uns auch nicht verweigern“ (18).
Wen der Innenminister mit „Alle“ meint, ist nicht ganz klar – aber einen bestimmt:
– Außenminister Steinmeier (SPD):
er stellte den ganzen Krieg ĂŒber, von Anfang an, gegenĂŒber der Regierung Olmert deutsche Truppen in Aussicht. In Diplomatenkreisen heißt es dann, „alle Optionen sind offen“, „keine vorschnelle Festlegung“, etc, etc,..(19)
– SPD-Fraktionschef Peter Struck:
dieser fand die Anforderung aus der israelischen Olmert-Regierung sogar einen „bewegenden Vertrauensbeweis“ (20).
– ex-NATO-GeneralsekretĂ€r und EU-Außenbeauftragter Javier Solana:
am 08.August kĂŒndigte er an, sĂ€mtliche NATO-Staaten nach Truppen fĂŒr einen Libanoneinsatz zu fragen, natĂŒrlich auch Deutschland (13).
– die deutsche MilitĂ€rfĂŒhrung:
nach Angaben des Verteidigungsministeriums sprachen sich mehrere GenerĂ€le im Generalstab fĂŒr einen Einsatz der deutschen StreitkrĂ€fte im Libanon aus (16).
– der Generalinspekteur der Bundeswehr Schneiderhahn:
er hielt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr fĂŒr „nicht ausgeschlossen“. „Das Angebot (dafĂŒr) an die Politik“ mĂŒsse vorhanden sein (17).
– Michel Friedman:
Deutschlands prominentester Bordellbesucher sprach gestern von einem „historischem Moment“, der gekommen sei und daß „Deutschland fĂŒr die Sicherheit Israels Farbe bekennen“ mĂŒĂŸte…(14)

Dagegen:

– Der Zentralrat der Juden in Deutschland:
er stellte sich bereits am 26.Juli klar gegen eine Entsendung deutscher Truppen in den Libanon (11).
– die WASG Berlin:
ebenfalls am 26.07. kĂŒndigte die WASG Berlin an, die Entsendung deutscher Soldaten in den Libanon zu einem Wahlkampfthema fĂŒr die Abgeordnetenhauswahlen in Berlin am 17.September zu machen (12). WASG-Spitzendkandidatin Lucy Redler in einer PresseerklĂ€rung wörtlich:
„Keine Bundeswehr in Nahost!“
– Edmund Stoiber, CSU-Vorsitzender:
er sprach sich am gestrigen Sonntag in einem ZDF-Interview strikt gegen deutsche Soldaten im Libanon aus (14).
– Guido Westerwelle, FDP-Vorsitzender:
er forderte Anfang August öffentlich ein klares „Nein“ zum Einsatz deutscher Soldaten im Libanon. Die Bundeswehr habe im Nahen Osten nunmal „nichts verloren“, dabei mĂŒsse es bleiben, so Westerwelle (15).
– Die Deutschen:
Zwei Drittel der Republik sagen „Nein“ zu deutschen Soldaten im Libanon (21).
Wohlgemerkt, „Nein“.
Und nicht „hĂ€tte“, „sollte“, „mĂŒĂŸte“, „offen“, „könnte“.

Nachlese:

Seit Beginn des Libanonkrieges befinden sich deutsche Soldaten im Einsatz im Libanon. Und zwar ohne Zustimmung und Wissen das Parlamentes. Dies gab bereits Anfang August das Verteidigungsministerium zu (22,23).
Die ErklÀrung der bewaffneten Exekutive lautete: die Soldaten in Beirut seien zwar zum Schutz der Botschaft eingesetzt worden, aber nicht bewaffnet gewesen.

Nicht bewaffnet.
In Beirut.
(…)

Quellen:
1.
http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2006-07-22T143637Z_01_KOE245824_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-NAHOST-ZF.xml
2.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,431427,00.html
3.
http://www.merkur-online.de/nachrichten/politik/nahost/art855,700305.html?fCMS=6ed07bee0eb977cf8a32fcb93bd612cf
4.
http://www.pnp.de/nachrichten/artikel.php?cid=29-13133140&Ressort=pol&BNR=0
5.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,431499,00.html
6.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,427360,00.html
7.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,427649,00.html
8.
http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2006-07-20T161104Z_01_KOE058237_RTRDEOC_0_NAHOST-DEUTSCHLAND-ZF-WDHLG.xml
9.
http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/libanon/69031.asp
10.
http://radio-utopie.de/archiv.php?themenID=119&JAHR_AKTUELL=2006&MON_AKTUELL=8
11.
http://www.netzeitung.de/spezial/nahost/427326.html
12.
http://radio-utopie.de/archiv.php?themenID=112&JAHR_AKTUELL=2006&MON_AKTUELL=7
13.
http://www.welt.de/data/2006/08/08/990589.html
14.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,431446,00.html
15.
http://www3.liberale.de/webcom/show_article.php?wc_c=567&wc_id=913&wc_p=1
16.
http://www.dsz-verlag.de/Artikel_06/NZ33_2.html
17.
http://de.today.reuters.com/News/newsArticle.aspx?type=domesticNews&storyID=2006-08-12T085201Z_01_HUB231912_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-BUNDESWEHR-LIBANON-SCHNEIDERHAN.xml
18.
http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2006-08-14T080033Z_01_NEI428825_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-NAHOST-SCHAEUBLE.xml
19.
http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2006-08-01T111412Z_01_HUB140417_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-NAHOST-SYRIEN-ZF.xml
20.
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID5807080_REF1,00.html
21.
http://www.jungle-world.com/seiten/2006/32/8264.php
22.
http://www.ksta.de/html/artikel/1155029393970.shtml
23.
http://www.welt.de/data/2006/08/08/990767.html