Nun sind die Kunden schuld an der Bankenkrise

Das die Zeit immer mehr auf das Niveau eines AnzeigenblĂ€ttchens herunterkommt ist kein Geheimnis. Olaf Wittrock hat heute ein schönes StĂŒck Bedarfsjournalismus abgeliefert.

Er und seine Auftraggeber sehen nĂ€mlich ein Problem in Deutschland und der Welt auftauchen, mit dem bisher noch nie ein Manager rechnen musste. Überall stehen Leute auf, die laut fordern, das die Banker und die anderen Verantwortlichen dieser Krise zur Verantwortung gezogen werden. Das darf aber nicht sein. Neoliberalismus funktioniert eben nur mit Verantwortungslosigkeit, weil Neoliberalismus eine Kreuzung aus RĂŒcksichtslosigkeit, Dummheit und Gemeinheit ist.

Diesmal aber ist die Krise so groß, dass frĂŒher oder spĂ€ter die Schuldigen bestraft werden mĂŒssen. Das darf nicht sein, deshalb steuert Olaf Wittrock sofort und massiv dagegen. Eine Welt in der die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden, darf es nicht geben. Deshalb findet er die wahren Schuldigen. Die Bankkunden.

Was bedenklich stimmt, ist ein anderer Verdacht. NĂ€mlich, dass die meisten Kunden nicht einmal gefragt haben, welche Risiken die Produkte eigentlich bergen, die man ihnen da verkaufen wollte.

Dabei sollte das doch kein allzu abwegiger Gedanke sein beim Thema Geldanlage. SpÀtestens durch das Studium der Kaufunterlagen wÀre es dann möglich gewesen, zu erkennen, welches Risiko in den Produkten schlummert.

WĂ€re. Doch wer sich jetzt betrogen fĂŒhlt, zieht sich nur allzu oft darauf zurĂŒck: Alles unverstĂ€ndlich, das Kleingedruckte liest doch sowieso niemand. Mit Verlaub: Wer zehn Jahre spart, und dann sein ganzes Geld in ein Produkt investiert, das er nicht versteht, handeln nicht gerade klug.

Dass es dennoch viele taten, liefert womöglich die Antwort auf eine Lieblingsfrage der Moderatoren dieser Tage: Warum gibt es eigentlich solche Produkte – wenn sie doch niemand versteht? Weil sie verkauft werden! Sonst gĂ€be es sie nicht. So ist das auf dem Markt.

Weil sie verkauft werden gibt es solche Produkte und das rechtfertigt sie. Was ist dieser Olaf Wittrock nur fĂŒr ein Mensch? Nachdem er in seinem Artikel, sogar die Banker frei spricht, weil die ja schließlich an ihre Produkte geglaubt hĂ€tten und sich stolz darauf beruht, das ja vorher noch nie so ein großer Laden wie Lehman Brother pleite gegangen sei, verlangt er das die Kunden sich besser hĂ€tten informieren mĂŒssen. Das die Kunden mehr Wissen als die Banker hĂ€tten haben mĂŒssen.

Ist der Mann irre oder auf Drogen. Vermutlich beides nicht. Er folgt einem Auftrag. Alle sind unschuldig bis auf die Opfer. Das ist die Geschichte mit der die neoliberalen DrecksĂ€cke das Volk nun zukleistern wollen, damit ja kein Banker auf die Anklagebank muss. WĂŒrde unsere Bundesanwaltschaft nicht stĂ€ndig, nicht vorhandene Terroristen jagen, sondern ihre Arbeit machen, dann sĂ€ĂŸen schon lange einige Banker sicher hinter Schloss und Riegel.

Man muss nur einfach festhalten was uns in diese Situation gebracht hat. Die Banken haben weltweit dazu aufgefordert die Renditen ĂŒber jede Vernunft hinweg zu erhöhen.

Mit dem Gedanken der ewigen Wachstumspirale im Kopf und auf der Suche nach der grĂ¶ĂŸten Rendite war schnell klar, dass sich Produktion nicht lohnt. Produktion bringt Renditen von 2 – 7 Prozent, kostet Geld fĂŒr Produktentwicklung und Fertigungsmaschinen. Dazu das ewige Risiko, dass ein anderes Produkt besser ist. Das macht keinen Spass. Das geht auch nicht ohne Verantwortung zu ĂŒbernehmen.

Also begann die erste Renditewelle mit Entlassungen. So wenig Personal wie möglich. Das tat der Produktion nicht gut, weil die QualitĂ€t sank und natĂŒrlich die teuren und erfahrenen Arbeitnehmer die ersten waren, die gehen mussten. Die zweite Renditewelle war die Zerschlagung von Unternehmen, die dritte die Übernahme. Immer mit Lohndumping und Verlust von ArbeitsplĂ€tzen, vor allem aber immer mit Kompetenzverlust verbunden.

Die Unternehmen wurden weltweit in ihren Grundfesten erschĂŒttert und geschwĂ€cht. Sie brachten aber immer noch nicht die gewĂŒnschten Renditen. An dieser Stelle begann man auf diese ganze Produktion zu verzichten und schaffte Finanzprodukte, die nichts mehr, oder nur sehr wenig mit Produktion zu tun hatten. Man schaffte Derrivate und Zertifikate, Papier in HĂŒlle und FĂŒlle.

Um diese Papierchen handeln zu können machte man Schulden und ließ andere Schulden machen, um auch diese Schulden zu bĂŒndeln und zu verkaufen. Am Anfang gab es sogar noch einen theoretischen Wert hinter diesen Finanzoperationen, aber schon bald handelte man nur noch mit Luft und legte immer mehr Luft auf.

Es gibt heute niemanden, der den Wert dieser LuftgeschĂ€fte wirklich bilanzieren könnten. Man kann nur spekulieren. Er dĂŒrfte weltweit zwischen 25.000 Milliarden und 70.000 Milliarden Dollar liegen. Die Summe ist auf jeden Fall nicht mehr ohne Pleiten abzufangen. Dabei ist nicht so sehr die Summe an sich das Problem, sondern dass die Papiere wirklich vollstĂ€ndig wertlos sind. Sie haben die Geldmenge erhöht und als Rettungsaktion haben die Notenbanken noch mehr Geld nachgeschoben.

In Deutschland und der Welt war die Speerspitze dieses Irrsinns der Banker Josef Ackermann, den man nur deshalb nicht als kriminell bezeichnen darf, weil er nicht verurteilte wurde, sondern sich mit einer Geldbuße von 3,2 Millionen Euro freikaufen konnte. NatĂŒrlich hat alles, was er getan hat, dem Wirtschaftsstandort Deutschland schwersten Schade zugefĂŒgt und den Steuerzahler vermutlich zwischen 500 und 1.500 Milliarden an Steuergeldern gekostet.

Den wahren Betrag wĂŒrde man nur dann ausrechnen können, wenn man all das an GeschĂ€ften untersucht in dem die Deutsche Bank ihre Finger hatte. Das wĂŒrde ein tiefes Graben bei Daimler, Siemens und hunderten anderen Firmen bedeuten, muss aber irgendwann geleistet werden, um wieder Verantwortlichkeit herzustellen.

Wer jetzt die Kunden, oder die Hypothekennehmer beschuldigt, will aber auch von sich selbst ablenken. Denn auch wenn die Wirtschaftsseite der Zeit, noch nicht einmal als Klopapier taugt, hat sie fröhlich mit fĂŒr all diese Zertifikate und sonstigen BetrĂŒgereien und LuftgeschĂ€fte geworben. An den Werbeanzeigen selbst ist die Zeit schuldlos, aber nicht an den Texten dazu.

WĂ€hrend ĂŒberall Menschen vor den Folgen des Neoliberalismus und des Renditewahnsinns gewarnt haben, war und ist die Zeit streng auf neoliberalem Kurs. Sie folgt da dem Altersstarrsinn ihres Herausgebers und natĂŒrlich den tollen Werbeeinnahmen, die auf solche Bedarfsartikel, wie den hier besprochenen, ganz sicher folgen. Der Neoliberalismus wirbt natĂŒrlich da, wo er geschĂŒtzt, gepriesen und behĂŒtet wird.

Im Grunde genommen sind diese alten und leider kĂ€uflichen Medien mit an der Krise schuld, weil sie einfach nie hinterfragt haben was da passiert. Sie haben zugesehen und brav redaktionelle Reklame geschrieben. NatĂŒrlich gilt das auch fĂŒr die Öffentlich Rechtlichen. Obwohl viele gesehen haben was da kommen muss, haben sie die bunte Welt des Josef Ackermann weitergelobt und gepriesen.

Welcher Bankkunde hat angesichts einer solchen Meinungsmacht gegen sich ĂŒberhaupt noch die Möglichkeit sich wirklich zu informieren. Olaf Wittrock will, dass die Menschen sich selbst die Schuld geben weil sie nicht einen zweiten Bankberater gefragt haben. Der hĂ€tte ihnen den gleichen Dreck unter anderem Namen verkauft. Es geht doch fĂŒr diese VerkĂ€ufer in den Banken nicht um Geldanlage sondern darum Produkte zu verkaufen und Provisionen zu ziehen.

Das haben die Banken ja auch sofort zugegeben als sich in den USA ein von den BĂŒrgern gewĂ€hlter Staatsanwalt einschaltete. Sie haben sofort gezahlt. Auch der gute Herr Ackermann und die Deutsche Bank. Das es in Deutschland keine solchen „freien“ StaatsanwĂ€lte gibt, ist die Ursache dafĂŒr, dass hier die Strafe ausbleibt.

WĂ€hrend ĂŒberall die Wirtschaft zusammenbricht, hat Olaf Wittrock noch ein starkes Abschiedswort fĂŒr die Menschen ĂŒbrig, das an Dummheit wohl nicht mehr zu ĂŒberbieten ist, aber seinem Auftrag wohl entsprechen dĂŒrfte.

Kann man Konsumenten davor schĂŒtzen, muss man die Produkte verbieten?

Das ist ein selten dummer Gedanke: Denn Risiken sind ein ganz wesentlicher Mechanismus fĂŒr eine funktionierende Volkswirtschaft. Dass man damit handeln kann, ist kein Makel, sondern ein Gewinn fĂŒr die gesamte Bevölkerung.

Ja. Da haben wir den Neoliberalismus in seiner fĂŒr Menschen tödlichsten Form. Es ist egal, wie viel Geld des Steuerzahlers vernichtet wird, solange die Neoliberalen nicht selber zahlen mĂŒssen. Der Gewinn fĂŒr die gesamte Bevölkerung ist ein dramatischer Verlust. An diesem Artikel werden zwar die Zeit und jener Herr „Journalist“ gut verdienen. Es ist ein feines StĂŒck TĂ€uschung der Menschen. Das ist der real existierende Helmut Schmidt und es zeigt was man von Giovanni di Lorenzo halten muss. Nichts.

NatĂŒrlich werden sich in den nĂ€chsten Tagen diese Bedarfsartikel anhĂ€ufen wie die Hundescheiße auf Gehwegen, die nicht gekehrt werden. Diese Artikel werden auch genau so riechen. Die Menschen sollten wirklich aufhören solche Medien zu bezahlen. Es macht keinen Sinn. Erich KĂ€stner hat es schon gesagt:

„Nie sollte man so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man gezogen wird,
auch noch zu trinken.“

Ach und ĂŒbrigens, es ist kein Kakao. Da will eine Gruppe von Leuten mit ganz viel Geld nur den eigenen feigen Hintern retten. Das sollten die Menschen in Deutschland und in der Welt nicht zulassen. Die Schuldigen sind bekannt. Die Opfer auch. Die Opfer sollten anfangen sich zu wehren. Die TĂ€ter und der gesamte Neoliberalismus gehören vor Gericht.

Medien wie die Zeit sollte nur der kaufen, der sich unbedingt anlĂŒgen lassen will. Der Rest sollte auf freie Medien ausweichen. Die sind sicher nicht immer ideal, aber da findet man noch Meinungsvielfalt und nur wenig Bedarfsjournalismus.

Quelle Duckhome