Phantom oder Wahrheit Reichtum und was ist falsch daran?

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Warum Phantom, was ist das überhaupt?

Laut Wörterbuch ist ein Phantom ein Trugbild, eine unwirkliche Erscheinung. Die meisten haben eine vage Vorstellung davon, aber so gut wie niemand kennt sein wahres Gesicht.
Mit dem Reichtum in unserer Gesellschaft verhält es sich ähnlich. Reichtum wird versteckt.

„Über Geld spricht man nicht“, heißt es. Die meisten Normalbürger kommen mit Reichtum nicht in Berührung. Und doch ist das Gesamtvermögen der privaten Haushalte in Deutschland zwischen 1993 und 2003 um stolze 17 Prozent auf fünf Billionen Euro gestiegen! Trotzdem schwören Politik und Wirtschaft die Menschen mit Nachdruck auf einen schmerzhaften, aber angeblich notwendigen Sparkurs ein. Hohe Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Stagnation und leere Haushaltskassen prägen unser Bild von Deutschland.

Wie passen folgende Fakten in unser Bild?

Die unteren 50 Prozent der Haushalte in der Bundesrepublik verfügen über knapp vier Prozent des gesamten Nettovermögens. Die vermögensstärksten 20 Prozent vereinigen gut zwei Drittel des Gesamtvermögens auf sich, während sich das oberste Zehntel allein fast 47 Prozent teilt.

Rund ein halbes Prozent der Bundesbürger (400.000) verfügt derzeit über ein Viertel (1,25 Billionen) des gesamten Geldvermögens der Bundesrepublik. _ 91 Bundesbürger haben ein Vermögen von jeweils mehr als einer Milliarde Euro.
Die 17 reichsten Niedersachsen besitzen ein Gesamtvermögen von 6,6 Milliarden Euro.
Die zehn größten Unternehmen Niedersachsens fuhren 2004 einen Gesamtumsatz von 139 Milliarden Euro. Die Anzahl der Millionäre in Deutschland ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Laut World Wealth Report gab es 2004 etwa 760.000 Millionäre in der BRD. Das sind ungefähr 4.400 mehr als im Vorjahr. Allein im Jahr 2002 wuchs ihre Zahl um stolze 25.000.

Laut Reichtumsforscher Ernst-Ulrich Huster hat sich die Verteilungsschieflage in Deutschland sowie in der Europäischen Union in den 80er Jahren erheblich verschärft. Zwischen 1980 und 1992 hatte sich die Zahl der Empfänger von staatlichen Hilfen zum Lebensunterhalt in (West-) Deutschland mehr als verdoppelt (Index 1980 = 100, 1992 = 238). Gleichzeitig versechsfachte sich die Anzahl der Haushalte mit einem monatlich verfügbaren Einkommen von 5.000 Euro und mehr.

Die bundesdeutsche Gesellschaft ist reich und dieser Reichtum nimmt beständig zu.
2,5 Millionen Haushalte in Deutschland, deren Einkommen über der statistischen Reichtumsgrenze (200-Prozent- Grenze6) liegen prägen das Bild vom Reichtum in unserer Gesellschaft.
Es ist jedoch zu bedenken, dass 60 Prozent dieser Haushalte im Bereich zwischen 5.000 und 6.500 Euro monatlichen Nettoeinkommens liegen und keineswegs zum „Club der Ultrareichen“ gehören.

Laut Statistik gab es im Jahr 2001 etwa 36.430 Topverdiener mit Gesamteinkünften von mehr als einer halben Million Euro. Unter ihnen waren 12.400 Euromillionär mit einem durchschnittlichen Einkommen von 2,7 Millionen Euro jährlich.

Wäre das deutsche Gesamtvermögen der Privathaushalte von fünf Billionen Euro gleichmäßig auf alle Haushalte in der Bundesrepublik verteilt, ergäbe dies eine Vermögenssumme von 133.000 Euro pro Haushalt. In der Gruppe der Reichen gibt es also deutliche Abstufungen.

Unterschiede bestehen nicht nur zwischen Armut, Mittelstand und Reichtum sondern auch innerhalb der Reichen gibt es weit auseinanderklaffende Unterschiede.

Trotz des offensichtlich wachsenden Reichtums sind die öffentlichen Haushalte verschuldet.

· Die gesamte staatliche Verschuldung stieg von rund 500 Mrd. Euro im Jahr 1990 auf über 1.200 Mrd. Euro in 2000.

· Das private Geldvermögen von rund 2.000 Mrd. Euro stieg im gleichen Zeitraum

· auf 3.600 Mrd. Euro.

· Die öffentlichen Investitionen sind von 1996 – 2003 in Westdeutschland um ein Viertel und in Ostdeutschland sogar um die Hälfte zurückgegangen.

· Der Gesamtetat für den bundesdeutschen Haushalt betrug für das Jahr 2005 rund 254 Milliarden Euro.

· Die zwanzig reichsten Deutschen besitzen ein Gesamtvermögen von 115 Milliarden Euro – fast die Hälfte des gesamten Bundesetats11 und das fünffache des niedersächsischen Landesetats (22 Mrd.).

Was soll der „durchschnittlich informierte“ Bürger damit anfangen?

Nun, grundsätzlich sollte die Frage auftauchen, warum so wenige soviel Einnahmen haben, während so viele trotz Erwerbsarbeit sowenig davon oder haben keine Erwerbsmöglichkeit?

Weiterhin sollte sich aus den Erkenntnissen der Reichtum- und Armutsverteilung die Frage ableiten, weshalb der Staat die Daseinsvorsorge weiterhin privatisiert und unter einen „Wettbewerb“ stellt, wenn doch absehbar ist, dass immer weniger Menschen das Geld haben, um sich Sozialleistungen (Hauspflege, Haushaltshilfe etc.) zu kaufen oder zusätzlich zu versichern(Kranken-, Renten und Pflegeversicherung).

Außerdem ist offensichtlich, dass infolge der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Bundesregierungen mindestens seit Kanzler Kohl die Sozialkassen so ausgeplündert werden, dass sie für künftige Generationen nicht mehr ausreichend leistungsfähig sind, um die Bürger vor Armut zu bewahren oder ihnen bei Krankheit eine optimale Versorgung zu gewähren. Dies zeigen bereits die heutigen Rentenabwertungen und Kürzungen.

Wenn Krankenkassen in ihren Aufgaben und Finanzrahmen soweit „optimiert“ werden, dass die Versicherten, wenn diese krank werden, als Wettbewerbsnachteil verstehen, besteht doch die Gefahr, dass sie sich möglichst schnell von ihrem Profitnachteil trennen werden wollen.
Wie krank werden künftig Menschen sein dürfen, ohne ihre Krankenversicherung zu verlieren?

In der Rentenversicherung bedeutet eine längere Lebenserwartung einen erheblichen Wettbewerbsnachteil für eine Versicherung im internationalen Wettbewerb. Wie leicht kommt da der Gedanke, dass der Morbilitätsfaktor und die Sterberate zu Indikatoren einer Wertschöpfung werden.

Die Ökonomisierung im Sozialversicherungswesen (das war nur eine Frage der Zeit!), wird unter solchen Faktoren fast zwangsläufig zu einer Verwertungsmaschinerie. Wen sollte es deshalb wundern, wenn quasi zum Kostenausgleich frisch verstorbene dann „im Prinzip“ ausgeschlachtet werden, um damit zumindest bis dahin aufgelaufene Kosten wieder „reinzuholen“ werden.

Worin liegen Antworten?

Damit Menschen in unserer Gesellschaft nicht zum Objekt ökonomischer Verwertung werden, sind gesellschaftliche Regeln erforderlich, die unverhandelbar garantiert sein müssen.

Gesundheit ist keine Ware, Lebensalter kein Wettbewerbsnachteil.

Pflege darf kein Luxus werden und Krank sein darf nicht zur Frage der Bezahlbarkeit werden

Gerade wir Deutschen mit unserer Historie der Ausbeutung und Vernichtung von Menschen, tun gut daran, uns darüber tiefere Gedanken zu machen, wenn wir nicht wieder in „die Gefahr“ laufen bzw. auf Rattenfänger hereinfallen wollen.

Wir müssen, wenn wir nicht zum Sklaven des Geldes werden wollen, unsere Gesellschaftsordnung überdenken. Das heutige Grundgesetz bietet nicht den Schutz gegen Willkür und Ausbeutung.

Unsere Wahlentscheidung und unsere Einmischung in die Politik, verknüpft mit der eigenen Chourage, gegen die täglichen Angriffe im Alltag, ob im Betrieb, Haushalt oder der Straße entgegen zu treten wird uns als Bevölkerung in die Lage versetzen, Unfreiheit, Ausbeutung und Willkür zu unterbinden – Wir sind das Volk!