Nun haut doch endlich ab – wir wollen wieder Frieden
Das ist die Botschaft die Iraks AuĂenminister Hoschijar Sebari am Sonntag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters formulierte. Entgegen aller offiziellen Phrasen der Beteiligten, wie gut die Dinge im Irak laufen, ist das aber wohl nur der Mut der Verzweiflung. Ruhe kann in den Irak unter amerikanischer Besatzung nicht einkehren.
Ăhnlich wie in Vietnam und Afghanistan, sind die USA in ihrem Vorgehen gegen Zivilisten einfach derartig sorglos und unbefangen grausam, dass es immer wieder die gleichen Reaktionen gibt. Die Leute bĂ€umen sich auf und mĂŒssen mit immer neuer und stĂ€rkerer Gewalt nieder gehalten werden. Dier Amerikaner verhaften und erschieĂen die MĂ€nner, dann kommen die Frauen als KĂ€mpferinnen oder wie im Irak als SelbstmordattentĂ€ter.
Wer als Zivilist und NichtbĂŒrger der USA das Vorgehen der USA gesehen hat, der empfindet nur Zorn und Verachtung. Die USA selbst sehen sich immer in einem gerechten Kampf gegen irgendwelche Ungerechtigkeit. Zumindest solange wie die Sache ein gutes GeschĂ€ft sein könnte. Bisher sind sie im Irak ja auch gut damit durchkommen. Sie beginnen die Beute an Ăl zu verteilen, natĂŒrlich ohne zu bedenken, dass ihnen dieses Ăl nicht gehört.
Sie haben den Irak ĂŒberfallen wie in den USA fast stĂŒndlich ein Schnapsladen ĂŒberfallen wird. Mit gröĂtmöglicher und völlig unnötiger Gewalt. Genau wie die amerikanischen Kriminellen haben sie die Opfer in dem Laden noch ein wenig gequĂ€lt um sich stĂ€rker zu fĂŒhlen und dann die Unschuldigsten erschossen. Das scheint eine MentalitĂ€tsfrage zu sein.
Es ist allerdings auch möglich, dass es eine Frage der Ausbildung ist. Wenn die höchste militĂ€rische Ausbildungskunst darin besteht, angehende Offiziere erst zu zerbrechen und ihnen ins Gesicht zu schreien und dabei noch Geifer zu verteilen, dann zeigt das, welche Art von Offiziersmaterial gewĂŒnscht wird. Bibbernde Angsthasen die sich Ă€ngstlich an Befehle und Richtlinien klammern und dabei auftreten wie die Riesenglocken.
Es ist bezeichnend, das die USA mit der gleichen Methode wie sie Soldaten ausbildet, auch gegenĂŒber Kriminellen in Bootcamps agiert. Verantwortungsvolle BĂŒrger in Uniform, die sich noch GefĂŒhle fĂŒr andere bewahrt haben, sehen anders aus.
Wer wie der Irakische AuĂenminister Hoschijar Sebari praktisch AuĂenminister von US-amerikanischen Gnaden ist, weiĂ, dass er mit so ausgebildeten Besatzungsoldaten im Irak keinen Frieden bekommen kann. Zumindest solange wie Besatzungsrecht gilt. Aber es gibt Licht fĂŒr ihn am Horizont. Das an sich schon nur durch Betrug und LĂŒgen der USA zustandegekommene UN-Mandat fĂŒr den Irak lĂ€uft am Jahresende aus.
Angesichts der aktuellen, durch die USA in Gang gebrachten Konflikte in Georgien und die Ăbergriffe der USA in Uigurien, dĂŒrften aber weder China noch Russland bereit sein, einer MandatsverlĂ€ngerung zuzustimmen. Das wĂŒrde die USA zwar nicht an einer weiteren Besatzung hindern, weil sie sich ja auch sonst nicht an Völkerrecht hĂ€lt, wĂŒrde aber ihre Position weiter verschlechtern.
NatĂŒrlich wollen sie nicht raus aus dem Irak, solange es dort noch Ăl zu stehlen gibt. Das hat auch der Wunschkandidat vieler US-BĂŒrger und EuropĂ€er Barrack Obama deutlich gemacht, als er von einem Abzug in 2010 sprach. Also weit ĂŒber das aktuelle UN-Mandat hinaus. Das ist mit ein Grund weshalb viele Menschen die, die Situation genauer beobachten, ĂŒber einen PrĂ€sidenten Obama genau so unglĂŒcklich sind, wie ĂŒber seinen Gegner.
Sebari hat jetzt ein kurzes Zeitfenster genutzt um die USA zu einem Abzug und zu einer StatusverĂ€nderung zu bewegen. Die USA könnten ihre zukĂŒnftige Mandatslosigkeit leicht dadurch heilen, dass sie mit der iraktischen Regierung ein sogenanntes Sicherheitsabkommen abschlieĂen, das eigentlich ein Besatzungsstatut ist.
Der Irak und die USA verhandeln derzeit ĂŒber ein Sicherheitsabkommen, das die rechtliche Basis fĂŒr eine weitere PrĂ€senz amerikanischer Truppen im Irak darstellen wĂŒrde. Sebari nannte kein konkretes Datum fĂŒr den RĂŒckzug der rund 140.000 US-Soldaten, die derzeit noch im Irak stationiert sind. In der Vergangenheit hatten irakische Regierungsvertreter als Ziel Oktober 2010 angegeben.
Weitere Streitpunkte in den Verhandlungen sind die ImmunitĂ€t fĂŒr US-Soldaten sowie die Befugnis, Iraker festzunehmen und militĂ€rische Operationen auszufĂŒhren. „In diesen Punkten haben wir uns in den Verhandlungen auf Kompromisse verstĂ€ndigt“, sagte Sebari. Er rechnet mit einer baldigen Einigung. Anfang September solle das irakische Parlament ĂŒber das Abkommen abstimmen.
Nun darf man derartige Verhandlungen ja nicht wirklich als Verhandlungen auf Augenhöhe sehen. Sebari, seine Regierung und der gesamte Irak liegen im Staub vor den FĂŒĂen der US-Amerikaner und sind eigentlich nur BefehlsempfĂ€nger. Genau in dieser Position der SchwĂ€che, nutzt Sebari die StĂ€rke der am Boden liegenden. Es geht kaum noch tiefer.
Jetzt nach einem Abzugstermin und Schutz fĂŒr irakisches Leben zu rufen, ist die beste Ausnutzung der Lage die man sich vorstellen kann. NatĂŒrlich könnte Sebari morgen einem Anschlag zum Opfer fallen und die Gefahr besteht sehr real. Allerdings wĂŒrde niemand den Amerikanern einen solchen Unfall glauben. Selbst ein Herzinfarkt wĂŒrde immer als US-amerikanischer Mord betrachtet.
Die USA können auch nicht die Regierung stĂŒrzen und eine neue einsetzen. Deren Unterschrift unter dem Sicherheitsabkommen wĂ€re wertlos und vor allem mĂŒssten sie dafĂŒr das bisher Erreichte aufgeben und hĂ€tten nicht nur neue Gegner sondern auch unsichere Partner. Wer wĂŒrde nach so viel TreuebrĂŒchen noch auf die Treue der USA setzen wollen.
TatsĂ€chlich befinden sich die USA in einer ZwickmĂŒhle. Wenn sie einen Abzugstermin nennen und minimale rechtliche Grundlagen beachten mĂŒssen, halbiert dies ihre Macht. Zwar bekĂ€men sie militĂ€rische StĂŒtzpunkte und behielten die Kraft jederzeit einen Umsturz zu bewirken, hĂ€tten aber ihre bisherige Macht verloren.
Lassen sie die Iraker am langen Arm verhungern, haben sie ab dem Jahresende kein Mandat mehr und sind damit völkerrechtswidrig im Irak. Sie können also weder Russland noch China irgendwelche VorwĂŒrfe machen. Sie mĂŒssten eine Annektion Taiwans oder Georgiens einfach zusehen.
Egal was auch immer sie machen, es wird falsch sein. Selbst fĂŒr einen schnellen Abzug, der immer noch die beste Lösung wĂ€re, ist es zu spĂ€t. Bush kann nicht abziehen, um nicht auch noch den letzten Rest seiner PrĂ€sidentschaft zu vergiften und auĂer ihm kann niemand den Befehl geben. Bis ein neuer PrĂ€sident gewĂ€hlt ist, ist aber alles vorbei. Sebari hat sie kalt erwischt. GlĂŒckwunsch.
