Bericht: Bush vertuschte Verbindung zu US-Lobbyist Abramoff
Kongress-Ausschuss belegt 555 Kontakte zu Weissem Haus
Washington: Gestern veröffentlichte der Ausschuss fĂŒr Regierungskontrolle der US-Kongresskammer ReprĂ€sentantenhaus einen Bericht ĂŒber die Kontakte des US-PrĂ€sidenten George Bush zum berĂŒchtigten Washingtoner Lobbyist Jack Abramoff. Darin heisst es, Abramoff habe „manche Handlungen des Weissen Hauses beeinflusst“. Ausserdem habe die Bush Administration „eine mangelhafte und unvollstĂ€ndige interne ĂberprĂŒfung unternommen bevor sie in öffentlichen Darstellungen den Zugang Abramoffs zum Weissen Haus heruntergespielten“.
Sechs Fotografien, aufgenommen zwischen Mai 2001 und Oktober 2002, zeigen Bush und Abramoff gemeinsam, vier bei politischen EmpfÀngen, eins beim offiziellen Hanukkah-Fest im Weissen Haus, eins bei einer Veranstaltung in einem Àlteren RegierungsgebÀude.
Im Januar 2006 sagte Bush wörtlich, dass er Abramoff „gar nicht kenne“:
„Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht mal mehr daran wie mein Foto mit dem Kerl zustande kam“, so der US-PrĂ€sident.
Obwohl es keinen Beweis gĂ€be fĂŒr eine direkte LobbytĂ€tigkeit Abramoffs fĂŒr Bush oder eine persönlich von Bush gefĂŒhrte Handlung auf Anfrage von Abramoff, so das Kongress-Kommitee, belegten die vom Weissen Haus dem Ausschuss zur VerfĂŒgung gestellten Dokumente insgesamt 70 neue Kontakte von Beamten der Bush-Exekutive mit dem wegen Korruptionsvergehen zu 70 Monaten Haft verurteilten Abramoff.
Bereits 2006 hatte der Ausschuss insgesamt 485 Kontakte des Lobbyisten mit dem Weissen Haus festgestellt.
Jack Abramoff war jahrzehntelang zentrale Figur der verdeckten Geldmaschinerie Washingtons. Die Liste der Korruptionsskandale in die er verstrickt war ist endlos.
Er wurde am 29.MĂ€rz 2006 wegen schwerer Korruption und Bestechung öffentlicher Stellen zu ĂŒber 5 Jahren Haft und 21 Millionen Dollar Strafe verurteilt. Abramoff war GrĂŒndungsmitglied des antikommunistischen Think-Tanks „International Freedom Foundation“, welches von 1986 bis 1992 operierte, er beschaffte Hunderten von KongreĂabgeordneten beider Parteien Geld, er war der Drahtzieher der Wahlkampffinanzierung fĂŒr George W.Bush, er war mit der Anwaltsfirma „Greenberg Traurig“ in dunkle GeschĂ€fte um die WiederauszĂ€hlung der Stimmen Floridas bei Bush`s Wahl in 2000 verwickelt, und er unterhielt engste Verbindungen zu den wichtigsten Politikern Washingtons.
Abramoff wusste bereits am 18.MĂ€rz 2002 von einem „kommenden Irak-Krieg“, wegen dem man noch „die Araber beschwichtigen“ mĂŒsse.
Er und seine Anwaltsfirma bezogen in den Jahren 1995 bis 2001 mindestens 6.7 Millionen von der Regierung des „Commonwealth of the Northern Mariana Islands (CNMI)“, einer kleinen Inselgruppe vor den Phillipinen.
Abramoff hatte hochrangige Kongressabgeordnete der Republikaner und Demokraten zu Reisen auf die Inseln eingeladen und diese bezahlt. Danach wurden diverse HandelsbeschrĂ€nkungen aufgehoben, ohne Mindestlohn und soziale Absicherung konnten dort nun Waren mit dem Emblem „Made in the USA“ hergestellt werden.
Die ZustĂ€nde auf den Marianas wurden als verheerend beschrieben. Ăbelste Ausbeutung, Sex-Sklaverei, erzwungene Abtreibungen und regelmĂ€ssige Besuche rechter US-Politiker und religiöser Moralprediger kamen ans Tageslicht.
Abramoffs Team prĂ€parierte sogar den republikanischen Abgeordneten Ralph Hall vor einer Aussage im Kongress, um die GlaubwĂŒrdigkeit eines geflohenen Teenagers von den Inseln zu erschĂŒttern. Die MinderjĂ€hrige war auf den Marinas in einer weitverzeigten Sex-Industrie zur Prostitution gewzungen worden.
Abramoff selbst organisierte die Reisen mehrerer US-Abgeordneten auf die Marinas.
Ăber das „Abramoff Network“ arbeitete er zusammen mit anderen Lobbyisten, z.B. Michel D.Smith von Greenberg-Traurig, seit 1995 auch fĂŒr Microsoft.
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