UN-Ermittler: Geheimdienste steuern Massaker in Afghanistan, ISAF sieht zu

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Konzernpresse und NATO vertuschen Todesschwadronen in Afghanistan

Kabul: Seit der UN-Sonderermittler für illegale und willkürliche Hinrichtungen, Philip Alston, am Donnerstag die Existenz durch "ausländische Geheimdienste" gesteuerter Todesschwadronen in Afghanistan hat auffliegen lassen, herrscht in der deutschen Presse Schweigen.
Geheime Razzien, völlig gesetzloses Operieren, Morde an Unschuldigen, all das unter Beteiligung von US-Militärs und wahrscheinlich auch deutschen Spezialeinheiten: es herrscht Nachrichtensperre in Deutschland, welches eine von 4 Besatzungszonen im seit 6 Jahren vom "Westen" besetzten Land kontrolliert.
UN-Ermittler Alston hatte auch die typische Reaktion der von US-Militärs kommandierte NATO (ISAF) benannt: von solchen Razzien sei nichts bekannt, man werde dem nachgehen oder man könne nichts unternehmen.

AFGHANISCHE TODESSCHWADRONEN UNTER DEM KOMMANDO AUSLÄNDISCHER AGENTEN

Professor Alston am Ende seiner 12-tägigen Mission am Freitag in afghanischen Haupstadt:

"Es gab eine grosse Zahl Razzien für die offenbar kein Staat oder Militär die Verantwortung übernehmen wollte.
Ich habe mit einer grossen Zahl an Personen bezüglich der Operationen ausländischer Geheimdiensteinheiten gesprochen.
Ich will sie nicht beim Namen nennen, aber sie sind auf der höchsten Ebene in den entscheidenden Stellen.
Diese Streitkräfte operieren unter etwas, das wie Straffreiheit aussieht."

Alston:

"Im Wesentlichen gibt es da Gruppen von Afghanen, aber mit - höchstens - einer Handvoll internationaler Personen, die sie anführen. Ich kann da nicht erkennen, dass sie unter irgendeinem Kommando stehen".

UN-Ermittler Alston sagte, er wisse mindestens von drei kürzlich durchgeführten Operationen der Todesschwadronen, eine davon direkt aus einer US-Militärbasis für Sondereinheiten in Kandahar geführt. Dabei wurden zwei Brüder ermordet.
Die afghanischen Regierungsbehörden gaben nachher zu, das keine der drei Operationen der Todesschwadronen irgendetwas mit "Taliban" zu tun hatte.
Keine Armee der NATO (in Afghanistan: ISAF) übernahm die Verantwortung für diese Militäraktionen in ihrer Besatzungszone.

Eine Todesschwadron, die als "Shaheen" bekannt ist, operiert im Osten Afghanistans, im so oft zitierten "afghanisch-pakistanischen
Grenzgebiet", aus der Stadt Nangahar, welche unter US-Militärkontrolle steht.

(Anm.: "Shaheen" bedeutet sowohl im Persischen, als auch in Urdu "Falke".
Urdu wird in Pakistan gesprochen. Der Name der pakistanischen Atomraketen lautet "Shaheen".
Die "Black Shaheen" ist eine Variante der britisch-französischen Cruise Missile "Storm Shadow/SCALP EG", die in die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert wird.)

Letztes Jahr war bereits Sondereinheiten der Alliierten in Helmand vorgeworfen worden, sie hätten bei einer "verpfuschten" Militäroperation einem Mann die Kehle ausgeschlitzt.
Heute heisst es in Sicherheitskreisen, diese Aktion sei durch eine geheime Spionageeinheit geleitet worden.
In Helmand sind die meisten der 7.800 Soldaten der britischen Monarchie stationiert.

Zuvor hatte der UN-Sonderermittelnde bereits festgestellt:

"Es ist absolut unakzeptabel, wenn schwer bewaffnete Personen aus dem Ausland, begleitet von schwer bewaffneten afghanischen Streitkräften, einfach umherziehen und gefährliche Razzien durchführen, die allzu oft in Tötungen enden für die niemand die Verantwortung übernimmt."

Eine Quelle aus dem Umfeld der Untersuchung wurde durch die britische Zeitung "Independent" wie folgt zitiert:
die Todesschwadronen würden direkt durch die US-Militärs eingesetzt.
Es handele sich dabei um Söldner und Killer die der US-Auslandsgeheimdienst CIA im Jahre 2001 angeworben habe "um die Taliban zu stürzen", wie es hiess.

"Die intelligentesten, schlauesten Typen in diesen Milizen wurden weiterbeschäftigt", so der westliche "Beamte".
"Sie wurden trainiert, neu bewaffnet und werden immer noch benutzt".

Die Regierung ihrer Majestät in London liess nun zum Bericht des UN-Ermittlers verkünden, man "untersuche" die Untersuchung von Professor Alston "genau".
Gleichzeitig dementierte man, dass der eigene Auslandsgeheimdienst MI6 darin verwickelt sein könnte.

Professor Alston warf den Besatzungsmächten, der afghanischen "Regierung" und den Aufständischen vor, ungehemmt Zivilisten zu ermorden.
Den Militärs der ISAF-Führung warf er "undurchsichtige" Manöver vor, um selbst die Angehörigen von Opfern der eigenen Massaker im Unklaren darüber zu lassen, wer diese umgebracht hat.

"Der Level von Selbstzufriedenheit als Antwort auf diese Tötungen ist atemberaubend hoch", so UN-Sonderermittler Alston über die ISAF-Militärführung.
ISAF-Stabschef ist der deutsche Generalmajor Hans-Lothar Domröse, bis zum 10. Januar Kommandeur der Division Spezielle Operationen (DSO), zu der auch das KSK gehört.

(Anm.: Vorgesetzter von Domröse ist demnächst US-General David Mckiernan, der General Dan K. McNeill nachfolgt.
Dessen Vorgesetzter ist Bantz J.Craddock, Kommandeur von EUCOM und NATO.
Dessen Vorgesetzter ist US-Verteidigungsminister Robert Gates.
Dessen Vorgesetzter ist Dick Cheney.
Dessen Vorgesetzter ist Bush.
Der Rest ist Geschwafel unwichtiger, skrupelloser Zivilisten für unwichtige, völlig verblödete und verkommene Zivilisten, die sich Menschenwürde, Freiheit, Frieden und Verfassung aus den Händen wegstehlen lassen)

UN-Sonderermittler Philip Alston machte zudem öffentlich, dass die NATO-Kommandeure Akten und Daten nur über ein paar Monate aufbewahren.
Die untergeordnete ISAF liess dazu erklären, man tue ja was man kann in so einer "komplexen Situation".

SCHWEIGEN IN DER DEUTSCHEN PRESSE

Ausser in zwei Meldungen auf "pr-inside", gab es bezüglich des Berichtes über Todesschwadronen im seit 6 Jahren durch die NATO besetzten Afghanistan noch einen einzigen Artikel im gesamten deutschsprachigen Raum.
In der "Frankfurter Rundschau" hiess es dazu wörtlich:

Alle Konfliktparteien könnten die Zahl der zivilen Opfer reduzieren, "ohne ihre militärische Funktionsfähigkeit zu beeinträchtigen", sagte Alston. "Die Tatsache, dass es einen bewaffneten Konflikt gibt, bedeutet nicht, dass eine große Anzahl solcher Tode toleriert werden kann."

Kein Wort über die durch Geheimdienste gesteuerten Todessschwadronen aus US-Basen heraus und unter den Augen von ISAF und NATO.

DAS DEUTSCHE MILITÄR: EINE KOLONIALSTREITMACHT

Der ehemals höchstrangige deutsche Militär, der hochdekorierte frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Klaus Naumann, hat unterdessen gestern die Ausdehnung des deutschen ISAF-Mandates auf ganz Afghanistan gefordert.

"Die Pflicht endet nicht in bestimmten Regionen," so Naumann. Deutschland müsse entscheiden, "ob es ein verlässlicher Bündnispartner sein will. Wir können uns nicht hinter unserer Geschichte verstecken."

Naumann hatte im Vorfeld des letzten NATO-Gipfels zusammen mit 5 weiteren ex-Generalstabschefs aus NATO-Ländern den präventiven Atomschlag u.a. aus Gründen der "Energiesicherheit" auch gegen nicht atomar bewaffnete Länder gefordert.

Der deutsche Verteidigungsminister - militärisch gesehen ohne Bedeutung, da die NATO seit dem nach dem 11.September 2001 ausgerufenen "Verteidigungsfall" das vollständige Kommando über alle deutschen Truppen überall hat - gab gestern einem "Antrag" des Atlantikpaktes statt.
Ab sofort sind deutsche Soldaten auch in Kampfeinsätzen in West-Afghanistan im Einsatz.

U.a. sollen sie "das Einsickern bewaffneter Kämpfer über die zentrale Ringstraße nach Norden und Westen" Afghanistans verhindern.
Mit dem "Verhindern eines Einsickerns nach West-Afghanistan" kann in West-Afghanisten nur der Iran gemeint sein.

D.h.: unsere Soldaten sind, mit oder ohne Zustimmung des offenkundig nicht taulichen deutschen Parlamentes, ab sofort im Kampfeinsatz irgendwo an der iranischen Grenze.

Ab dem 1.Juli übernehmen die deutschen Militärs auch die "Schnelle Eingreiftruppe QRF".

Bundesverteidigungsminister Franz Jung am 9.Februar:

"Niemand denkt - auch in der Nato nicht - an eine Ausweitung unserer Verantwortung im Norden. Wir haben die Verantwortung in der Nordregion, und dabei bleibt es auch."

Und dann:

"Was im Herbst ist, kann ich nicht sagen. Jetzt haben wir 3500 Soldatinnen und Soldaten im Mandat, und daran werden wir uns auch halten."

Laut Medienberichten sollen die deutschen Truppen auf 4500 Mann aufgestockt und die deutsche Besatzungszone vom Norden in den Westen ausgedehnt werden, u.a. auf die Provinz Badghis im Westen des Landes, die bislang zum italienischen Kommandobereich gehörte.
Eine Diskussion innnerhalb der Deutschen - die den weltweiten Terrorkrieg mit 2-Drittelmehrheit ablehnen und die sofortige Rückkehr aller deutschen Truppen nach Hause fordern - will die CDU/CSU-SPD-Bundesregierung in der Nähe der Bundestagswahl 2009 unbedingt vermeiden.
Daher plant die "Grosse Koalition" eine Verlängerung der ISAF-Vollmacht über unsere Truppen für die NATO in Afghanistan um volle 2 Jahre schon in diesem Sommer.

Vorgestern war es nach einem US-Raketenangriff auf pakistanisches Territorium mit 8 Toten zu wütenden Protesten der dortigen Bevölkerung gekommen.
Der Präsident Pakistans hat NATO und USA wiederholt vor einer Invasion seines Landes gewarnt.

(...)

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