Afghanistan: Der plötzlich-baldige Krieg im Norden

Karzai wusste vom "Attentat" auf ihn / Kommt demnächst der offene Krieg an der Grenze zu China?

Berlin und Kabul: Heute hat der afghanische Geheimdienstchef Amrullah Saleh in einer live im Fernsehen übertragenen Parlamentssitzung gestanden, seit März von dem angeblichen "Attentat" auf Karzai am Sonntag gewusst zu haben.
Und nicht nur er: auch Karzai selbst.
Wozu aber nun diese ganze Farce? Was steckt dahinter?

DER PLÖTZLICHE STIMMUNGSWECHSEL GEGENÜBER KARZAI

Also: nach der ganzen Inszenierung um ein angebliches Attentat auf Karzai von irgendwelchen "Taliban", mit zwei unterschiedlichen Bekenneranrufen und einem Albtraum an Falschheit in den Massenmedien, wurde nun einigermassen überraschend plötzlich vehemente Kritik am afghanischen Präsidenten laut.

SpOn, was gestern den Braten gerochen hatte, brachte dies relativ deutlich auf den Punkt:

Es scheint, als wolle der Präsident seinen Wahlkampf in den kommenden Monaten gegen das Ausland führen, um von eigenen Misserfolgen im Innern abzulenken. Hochrangige Diplomaten und Uno-Direktoren in Kabul kommentieren diesen Schachzug entsetzt - wo nicht sogar angewidert - und erwägen mögliche Konsequenzen. Verliert Karzai an internationaler Unterstützung, stünde auch seine Wiederwahl infrage.

Gleichzeitig berichtete man im Tagesspiegel von einem Verbindungsoffizier der deutschen Bundeswehr, der während des angeblichen Attentats auf Karzai - in dessen Schatten u.a. der schiitische Warlord Nasir Ahmad Latefi erschossen wurde - auf der Tribüne der Veranstaltung anwesend war.

Offensichtlich wusste er nicht im Vorfeld Bescheid was passieren sollte, ganz im Gegensatz zu SpOn-Reporter Ullrich Fichtner und Fotografin Tina Hager, die nach der Schiesserei in Kabul folgende interessante Sätze veröffentlichten.

Es hatte vor dem großen Tag etliche Warnungen vor einem möglichen Anschlag gegeben. Nach SPIEGEL-Informationen hatten Zuträger des Innenministeriums dringlich vor möglichen Attacken und Bombenanschlägen in Kabul und Umgebung gewarnt. Aufgrund dieser Hinweise blieben viele ausländische Diplomaten der Feier fern, die anderen Gäste kamen mit großen Sicherheitsteams zur Parade. Unter den Sakkos vieler Diplomaten zeichneten sich die Muster schusssicherer Westen ab.

Plötzlich, einen Tag später hiess es dann: Polizisten und der afghanische Geheimdienst seien in den "Anschlag" verwickelt gewesen.
Von afghanischen "Oppositionspolitikern" ist die Rede, man hat auf einmal etwas gegen den doch seit Jahren lauthals protegierten und von der NATO verteidigten Prokonsul des Westens in Afghanistan.

Warum?

(Zuerst noch die Ankündigungen eines plötzlichen Krieges im Norden, dann zu unserer Version des Puzzlebildes.)

DER ANGEKÜNDIGTE KRIEG IM NORDEN

Zuerst einmal wird auf einmal seitens der deutschen Militärs über entsprechende eigene Kanäle ganz offenherzig zugegeben, dass das Kommando Spezialkräfte in Kundus stationiert ist.
Dann heisst es, jaja, Krieg im Norden von Afghanistan, der komme jetzt, das sei eben so.
Eigentlich schon immer. 2 Tage nach dem Attentat auf Karzai. Obwohl das eigentlich gar nichts damit zu tun hat.

»Wir sehen unsere Befürchtungen bestätigt, dass die Terroristen ihre gefährlichen Aktivitäten zusehends vom Süden in den Norden Afghanistans verlegen«, erklärte einer der Offiziere in Kundus der Nachrichtenagentur ddp.

Befürchtungen. Von verlegten Terroristen.
Jahrelang quatscht man uns in Berlin die Ohren voll, man müsse ja jetzt in den Süden, weil da die Terroristen wohnen, in den kanadischen, britischen, us-amerikanischen und niederländischen Besatzungszonen und jetzt heisst es, huiiii, die wollen auf einmal alle zu uns.
Weil sie da unten offenbar zu wenig zu terrorisieren haben.

Der "Christian Science Monitor" berichtet plötzlich über aufgetauchte Statistiken über angestiegene Attacken von Aufständischen im Norden schon seit Januar (??), über ein entsprechendes Statement von US-Geheimdienstdirektor Michael McConnell aus dem Februar und titelt neben einem Foto von Karzai gleich "Afghanistans Aufstand breitet sich nach Norden aus".

Dann quält sich unser Verteidigungsminister, die Leuchte Jung, vor die Presse und zieht sich ein Dementi über eine Truppenverstärkung raus, man wolle erstmal die Afghanistan-Konferenz im Juni in Paris abwarten.

Und ganz am Rande wird dann irgendwie über das Treffen von Karzai mit dem turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdymuchammedow in Kabul einen Tag nach der Schiesserei berichtet.

DIE ROHSTOFF-SITUATION

Wie wir berichteten, haben sich Iran und Pakistan auf den Bau der seit Jahren geplanten Gas-Pipeline geeinigt.
Dieses Projekt wird Teil eines gigantischen mittelasiatischen Netzwerks sein, was sich von Iran bis nach Indien und China erstreckt.

Turkmenistan will daran teilhaben, hat umfangreiche Vorverträge mit Russland und China abgeschlossen und plant eine Pipeline zum pakistanischen Ost-West-Netz an der Küste, auf der die Transferleitungen aus dem Iran nach Osten verlaufen.
Dazu muss natürlich der geplante 850 Kilometer lange Abschnitt über afghanisches Territorium sicher sein.

Daran können die selbst erdöl- und gasfördernden NATO-Länder USA, Grossbritannien und Niederlande kein Interesse haben.
Eine Rohstoffversorgung der asiatischen und pazifischen Staaten wäre des endgültige Ende ihrer weltweiten Hegemonie, auch für ihre involvierten Monarchien.

Turkmenistan hat sich auf dem zweiten Treffen der Anrainerstaaten vom ölreichen Kaspischen Meer vom 16.-18.Oktober 2007 mit dem Iran über den Verlauf von Küstenlinien und die Verteilung des Ölreichtums geeinigt.
Ebenso schloss es mit dem Iran, sowie Aserbaidschan, Kasachstan und Russland einen Militärpakt zur Unterstützung des Iran.
Das war das Ende der NATO-Bemühungen um Aserbeidschan und das endgültige Aus für ein Vordringen des Atlantikpaktes an die Rohstoffquellen des pazifischen Raumes am Kaspischen Meer.
Desweiteren stellte es einen gewaltigen diplomatischen Erfolg für Wladimir Putin dar, der im Vorfeld des Gipfels entsprechend nachgeholfen hatte.

Über all diese Fakten wurde die deutsche Öffentlichkeit bewusst im Unklaren gelassen und nicht informiert.

Turkmenistan (soll heissen: Diktator Berdymuchammedow) ist laut bestehender Verträge bereits verpflichtet, das gesamte in Turkmenien geförderte Gas an das russische Ernergiemonopol Gazprom und Iran zu liefern.
Es hat sich bereits de facto mit dem "Shanghai-Pakt" assoziiert, der "Shanghai Cooperation Organisation (SCO)" oder deutsch "Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)"

Mitglieder: Russland, China, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan.
Assoziierte Mitglieder: u.a. Indien, Pakistan und der Iran.
Wenn man sich ansieht, wo Afghanistan liegt, dann ist klar wovor die Atlantikmächte sich sorgen. Eine Annäherung des Staates an seine Nachbarn.

WAS JETZT PASSIERT IST:

Karzai selbst kritisierte die Regierungen und Militärs aus USA und Grossbritannien in seinem bekannten Interview in der "New York Times" von letzter Woche, doch kam er eindringlich zu folgendem Schluss:
das wahre Problem seien gar nicht dieTaliban. Nicht die in Afghanistan. Gegen die sollten doch die US-Militärs nicht ständig Razzien durchführen.
Vielmehr sei die Gefahr bei irgendwelchen Taliban in Pakistan zu suchen.
Und dorthin müsse auch der Krieg getragen werden.

Dass sich ausgerechnet nach diesem Interview der angebliche "Anschlag" auf ihn ereignete, von dessen Planungen er zum Zeitpunkt des Erscheinens des Interviews auch noch wusste, legt die Vermutung nahe dass hier eine falsche Fährte zu angeblichen Differenzen zwischen Karzai und den USA gelegt werden sollte.

Zumindestens war Karzai nicht das Ziel dieses "Attentats", das ist klar.
Vielmehr liefert er jetzt der NATO weitere Gründe Pakistan in den Krieg hineinzuziehen und den Bau einer Pipeline dorthin aus Turkmenistan zu verhindern, wie das ganze Versorgungsprojekt für den ostasiatischen Raum insgesamt.

Woher nimmt dann aber dann das deutsche Militär seine Informationen über "Taliban", die demnächst im Norden Afghanistans Angriffe starten wollen? Denn die seien ja bekanntlich in Pakistan, so der afghanische Präsident in seinem Interview für die "New York Times".

Die Aussagen des afghanischen Präsidenten und die Ankündigungen des deutschen Militärs passen jedenfalls nicht zusammen.

Es sei denn, es geht schlicht um eine Verschärfung der Spannung in dem strategischen Stützpunkt am Hindukusch - mit Grenzen zu Pakistan, Iran, Turkmenistan und China - und will dort mit allen Mitteln noch mehr Soldaten, noch mehr Panzer und noch mehr Kampfbomber stationieren.

Es sollten sich die Beobachter des Krieges am Hindukusch einmal Gedanken machen, ob dort wirklich jemand unsere Truppen bedroht, wer dass sein soll und ob unsere Soldaten nicht einfach in der Warteschlange für einen ausufernden Krieg der Blöcke stehen und für diesen Zweck, genau wie die deutsche Öffentlichkeit, ständig unter Spannung gehalten werden.

(...)

update 17.40 Uhr:

ganz plötzlich, absolut unerwartet und wirklich shocking hat soeben unser aller Geheimpolizei BKA schon wieder innerhalb von 2 Wochen vor einem "Konvertiten" namens Eric B. gewarnt, welcher nun auch noch eine Hiobsbotschaft via Internet veröffentlicht habe.

Rein zufällig würde sich dieser "derzeit im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan aufhalten"...

Er wolle sich nun auch in die Luft sprengen. So sei er eben. Eben Moslem.

Das Bundesgrimminalamt entblödete sich ausserdem nicht nochmal mit der Schwachsinnsnummer namens "Islamische Jihad Union" alias "IJU" alias "Sauerlandgruppe" anzukommen.

"Konkrete Hinweise auf geplante Anschläge in Deutschland" gäbe es nicht.

Aber "beunruhigend" sei das schon, so die Geheimpolizei.

Fragt sich nur, wie "beunruhigend" für das BKA erst so ein Artikel sein muss. Hehe..

(...)

Artikel und dezente Hinweise:
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