Was kommt nach dem Kapitalismus?

Der Hilferuf vom Schweizer Josef Ackermann war gut getimed. Es sei an der "Zeit, das Übel an der Wurzel zu packen", so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank gestern in Frankfurt.
"Es braucht eine konzertierte Aktion von Banken, Regierungen und Notenbanken", so formulierte "der Chef eines rund 35 Milliarden Euro schweren Dax-Konzerns" sein Plädoyer für die Planwirtschaft.
Was leider niemand dazu schrieb: Ackermann war auf einer Veranstaltung des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO).
Anwesend waren u.a. die Vorsteherin des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD), Bundesrätin Doris Leuthard, sowie der Direktionspräsident der Schweizerischen Nationalbank, Jean-Pierre Roth.
Ziel war es, in Frankfurt für den "Standort" Schweiz zu werben. Der abolut richtige Zeitpunkt, um beim deutschen Staat die Hand aufzuhalten.

Zur Seite sprang ihm übrigens nicht nur Finanzminister Peer Steinbrück. Seit´an Seit´ mit Ackermann marschierte auch Gregor Gysi ("Die Linke"), der in einem "heute"-Interview ebenfalls ein staatliches Eingreifen in der Krise forderte - ergo mehr Kapital für´s Kapital, immer neue von Notenbanken erfundene Wahnsinns-Summen, die den Banken als neues Spielgeld in die Hand gedrückt werden, damit sie es wieder vernichten.

DIE NEUE WELT: WIRD SIE BESSER?

Gert Flegelskamp wies in seinem Blog darauf hin, dass Angela Merkel im Mai versuchen wird mit 2-Drittelmehrheit aus CDU und SPD im Bundestag und Bundesrat unseren neuen Status als einfacher Teil der EU bzw. Mittelmeerunion durch Ratifizierung des sogenannten "Grundlagenvertrages" beschliessen zu lassen.
Die damit nach Brüssel (und später Paris) abgetretenen "Hoheitsrechte" wären das Ende des Grundgesetzes als Verfassung der Deutschen sowie die faktische Auflösung der 3. deutschen Republik.
Die Chance auf ein eigenes, unabhängiges Allgemeinwesen der Deutschen, eine eigenständige demokratische Republik, wären damit auf unabsehbare Zeit verloren.

Eine Chance auf etwas, was die Deutschen noch nie in ihrer Geschichte hatten.
Weder das von Preussen 1870 zusammeneroberte deutsche Kaiserreich, noch die Weimarer Republik, geschweige denn BRD und DDR nach dem Faschismus gaben uns diese Chance.

Nun bricht die Wirtschaftsordnung wie wir sie kennen zusammen. Viele haben das vorausgesehen, viele wollen es immer noch nicht wahrhaben.
In den unabhängigen Medien beginnt dagegen die Diskussion wie eine faire, eine gerechte Wirtschaftsordnung nach dem Kapitalismus aussehen könnte.
Dabei steht immer im Raum, dass die politische Ordnung der Demokratie dies - im Gegensatz zu früheren Zeiten von Wirtschaftskrisen und Weltkriegen - unbeschadet überstehen muss.

Einen Anfang machte heute der "Politblog".
"Eine private Institution wie die Federal Reserve Bank der USA darf niemals die Kontrolle über unser Geldsystem haben"
so der Autor Henry Edward J.
Andere wie Kommentator doc-nono sahen das Problem der bisherigen Wirtschaftsordnung darin, dass es fundamental zinsbasiert sei.
"Abhilfe wäre, sich auf die Tradition des Zinsverbotes zurück zu besinnen und ein Geld ohne Materialwert einzuführen, welches jährlich neu ausgegeben wird und zum Stichtag eingezogen und neu ausgegeben wird."

Kommentator tar:
"wozu brauchen wir staatliche zentralbanken, denen wir das geld, was sie in umlauf bringen, schulden?
wozu brauchen wir eine edelmetalldeckung? diese ist bereits 1931 und 1973 gescheitert und führte ständig zu einer deflation!"

Eckart Mietz formulierte die erschütternd wahre, allerdings vollkommen aus der Mode gekommene Erkenntnis, dass "Geld" erst einmal eine Erfindung aus dem Nichts ist - eine Illusion.
"Die Menschen haben vergessen, dass es die produzierten Waren sind, sagen wir mal Erbsen, die ein Land reich machen, und nicht das Zählen der Erbsen. Man kann keine Volkswirtschaft allein damit betreiben, dass alle sich gegenseitig nur leere Worthülsen und bunt bedrucktes Papier verkaufen oder zuschieben."

Radio Utopie beteiligt sich hiermit an dieser sinnvollen und nützlichen Debatte und lädt zu Kommentaren im Artikel oder unserem Forum ein.
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