Nach Angriff im Irak: PKK-Chef Karayilan in türkischer Haft?

Irak, Provinz Kurdistan: Nach Pressemeldungen des türkischen Militärs, sowie diverser Nachrichtensender und Behörden, stiegen heute am frühen Morgen um 1.00 Uhr ca.50 türkische Kampfflugzeuge vom Militärflughafen Diyarbakir (1) auf und bombardierten nach Angaben eines lokalen Beamten in Sangasar u.a. zehn kurdische Dörfer im Nord-Irak (2). Ziel war das durch eine gemeinsame Geheimdienstkoordination von türkischen und US-Behörden angepeilte „PKK-Gehirn“ in den Kandil-Bergen („Qandil mountains“), heisst es, 100 Kilometer hinter der türkisch-irakischen Grenze. Kurdische Regionalpolitiker beklagten die Bombardierung der Dörfer, diese seien weit entfernt von den PKK-Lagern.Eine kurdische Zeitung berichtet von mindestens einem toten Zivilisten und einer zerstörten Schule im Dorf Qalatukan, sowie 140 evakuierten Familien (3). Dennoch scheinen die Angriffe des türkischen Militärs nicht auf die kurdische Bevölkerung gezielt zu haben, sonst hätte es angesichts der Massivität des Militäreinsatzes mehr Opfer gegeben.

Die PKK-Zentrale aber blieb den Tag über auffällig still (2), obwohl sie mit einem solchen Angriff sicher rechnete. Es wird von getöteten PKK-Kommandeuren gesprochen und einem „Erfolg“ der türkischen Militäroperation. Ein Einmarsch von türkischen Truppen in den Irak wird derzeit allerdings nach übereinstimmenden Meldungen als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Die türkische Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich auf Luftschläge als Mittel gegen die PKK-Miliz im autonomen irakischen Kurdistan festgelegt, und sie scheint nicht nur aus der Türkei Unterstützung für diesen Kurs zu bekommen.

DIE VERSCHIEDENEN PARTEIEN DES SCHACHSPIELS

Die Krise an der Grenze zwischen dem Irak und der Türkei, zwischen der Türkei und dem autonomen Kurdistan, schwelt schon eine ganze Weile und sie hat Gründe. In mehreren Artikeln versuchten wir die verschiedenen Parteien und ihre Interessen zu beleuchten. Einerseits die Regierung Erdogan, die kein Interesse daran hat in den Irakkrieg hineingezogen zu werden oder einen Kampf zwischen Kurden und Türken in der Türkei zu provozieren und einen türkischen Generalstab unter General Yasar Büyükanit, der offenbar seit Jahren genau das versucht. (Vergleichen Sie hierzu „Europaweit Angriffe auf Kurden durch türkischen Militärgeheimdienst organisiert?“ vom 29.Oktober, Quelle 22)

Andererseits das Schlitzohr Massud (Massoud) Barzani als Präsident des autonomen Kurdistan, mit seinem blassen Neffen Nechirvan Barzani als Ministerpräsidenten. Beide gehören der Kurden-Partei KDP an. Der alte Widersacher Barzanis, Jalal Talabani, ist Chef der konkurrierenden Kurden-Partei PUK und „Präsident“ des von US-Truppen kontrollierten Iraks. Das autonome Kurdistan allerdings wird von kurdischen Soldaten kontrolliert, den „Peshmergas“.
Im seit dem ersten Golfkrieg 1991 de facto autonomen Kurdistan aber haben sich diverse Milizen eingenistet, die von ominösen Geldquellen und Waffenlieferungen zehren. Eine Reihe von ihnen wird verdeckt von „westlichen“ Geheimdiensten unterstützt, u.a. aus den USA, Israel und Deutschland.

Beispiele dafür haben wir bereits am 11.Mai aufgelistet:
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=487&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=5

1. „The People‘s Mujahedin of Iran“ (auch PMOI, MEK, MKO, oder „National Council of Resistance of Iran“, NCRI).
Trotz vieler Namen verbirgt sich nur eine Gruppe dahinter. Das schwer bewaffnete Lager dieser terroristischen Gruppe (inklusive Panzer und schwere Artillerie) wurde nach der Invasion auf Anweisung des US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld durch US-Einheiten besetzt und die Söldner unter Beobachtung gestellt. Sie wurden aber keineswegs verhaftet oder interniert. Im Gegeneil – es drangen aus US-Sicherheitskreisen Meldungen heraus, nach denen Rumsfeld die MEK (MKO, PMOI, usw) als Einsatzkräfte für „Spezialoperationen“ einsetzte.

2. Vor oder im Jahre 2005 trafen sich eine US-amerikanische Delegation, mit hochrangigen Militärs und Geheimdienstlern, im Irak mit Vertretern aus diversen terroristischen Milizen, u.a. der „Ansar al-Sunna“, „the Islamic Army in Iraq“, „the Iraqi Liberation Army“, „Jaish Mohammed“, „Thawarat al-Ishreen“, „the Shoura Council of Mujahideen“. Diese Treffen wurden von Rumsfeld persönlich bestätigt. Gerade rechtskonservative US-Medien reagierten einigermassen wütend über diese „tea party with terrorists“.
Der deutsche Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ meldete bereits 2004, dass der Chef der Ansar al-Sunna (Ansar al Sunnah) ungestört in Oslo, Schweden, lebt.
Doch ausgerechnet dieser Verein wollte angeblich am 2.Dezember 2004 einen Anschlag ausgerechnet in Berlin begehen, als der irakische „Ministerpräsident“ Allawi im damals störrischen Deutschland zu Besuch war. Die Republik hatte 2003 offiziell keine Truppen für die US-geführte Invasion zur Verfügung gestellt, 2004 war eine brenzlige Zeit voller Spannungen zwischen der Bush-Regierung und Berlin.

3. die PJAK (PEJAK). Diese Gruppe gilt offiziell als Ableger der PKK, diese hat dem nie wiedersprochen. Die Regierungen der USA, Israel und Deutschland unterstützen die PEJAK (PJAK), deren Anführer Rahman Haj-Ahmadi wegen finanzieller und militärischer Unterstützung vor kurzem in Washington war. Ahmadi hat Kontakt zum bundesdeutschen Nachrichtendienst BND und lebt in Köln-Westhoven (4).

DIE US-WAFFENLIEFERUNGEN AN DIE PKK

Nun hat bereits am 13.August der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan der US-Regierung vorgeworfen, US-Waffen an die PKK geliefert zu haben. Wörtlich sagte Erdogan:“Wir können sehen, dass viele der beschlagnahmten Waffen (der PKK) aus den USA sind. Es ist nicht klar, ob sie (die USA) diese Waffen liefern oder ob sie (die PKK) die von woandersher kriegen“, so Erdogan.
Diese US-Waffen könnten über die PEJAK an die PKK geflossen sein, oder direkt.

Die Bush-Regierung wies zunächst die Vorwürfe als „grundlos“ zurück. Dann legte der mittlerweile zum Präsidenten gewählte Aussenminister Abdullah Gül ein komplettes Dossier vor. Daraufhin hiess es dann auf einmal aus der US-Botschaft durch Botschafter Ross Wilson, Washington „überprüfe“ die Vorwürfe und „arbeite“ daran. Zuvor waren 4 Angehörige der PKK-Miliz aus einem Camp entkommen und hatten ausgesagt, dass Fahrzeuge der US-Army regelrecht vorgefahren waren und Waffen in dem PKK-Camp abgeliefert hätten. Auch der türkische Botschafter in Washington, Nabi Sensoy, berichtete, dass militärische Aktionen der PKK mit US-Waffen in der Türkei durchgeführt worden seien.(4)

Strategisch machte die Unterstützung der PKK-Miliz, samt ihres politischen Apparates in grossen Teilen Europas, für die US-Militärmacht durchaus Sinn. Es hielt die innertürkischen Konflikte am Kochen, unterstützte die reaktionären Gruppen in der Türkei (die u.a. einen Beitritt der Türkei zur EU verhindern wollen) und bot ausserdem die Gelegenheit, die Türkei in den Irakkrieg hineinzuziehen.
Die Methode, gleich 2 Konkurrenten, Gegner oder Feinde mit Waffen zu beliefern, hat lange Tradition in der US-Politik. Am Deutlichsten wurde dies während des Irak-Iran-Krieges in den 80er Jahren, in der dann so getauften „Iran-Contra-Affäre“. Die USA unterstützten nicht nur Saddam Hussein bei seinem Angriff auf den Iran nach der islamischen Revolution, sondern sie verkaufte auch Waffen an den Iran. Die Einnahmen dieser geheimen Geschäfte mit dem angeblichen Todfeind gaben die US-Regierungsvertreter und Sonderbauftragten dann weiter nach Nicaragua, an rechte Contra-Milizen. Diese wiederum schmuggelten mit Hilfe der CIA dann Tonnen über Tonnen an Kokain in die USA, während die US-Regierung gleichzeitig ihren Bürgern vom heldenhaften Kampf ihrer „Sicherheitsbeamten“ gegen die Drogen vorplärrte. So läuft das, und zwar bis heute. US-„Sonderbeauftragter“ für den Nahen Osten während der Iran-Contra-Affäre war übrigens Donald Rumsfeld. (5)

Nun elegant zurück an die irakisch-türkische Grenze..

ÖL UND WAFFEN – DIE UNVERMEIDLICHE KOMBINATION

Interessanterweise sollen die US-Waffen in die Region der Kandil-Berge (im äussersten Norden des irakischen Kurdistan) geliefert worden sein. Genau dort waren dann am 24.August in einer mit dem türkischen Militär abgesprochenen Aktion wiederum iranische Truppen mehrere Kilometer auf irakischen Boden vorgerückt, nachdem sie zuvor tagelang kurdische Dörfer beschossen hatten (4). In den Kandil-Bergen befinden sich nicht nur ebenfalls die Lager der PEJAK (PJAK), sondern ausserdem die Ölfelder von Tawke nahe der Stadt Zakho. Für diese bot im August die Ölfirma Royal Dutch Shell 700 Millionen Dollar (6).
Aber der Besitzer der Abbau-Lizenzen, das norwegische Ölkonsortium DNO, lässt sich ganz offenbar Zeit mit dem Verticken seines Schatzes, den es 2004 für einen kurdischen Appel und ausserdem ein Ei von der Barzani-Regierung in Erbil (Irbil) gekauft hatte, sehr zum Ärger der irakischen Zentralregierung, die gerne ein halbes Ei abbekommen hätte. Die Tatsache, dass die kurdische Regionalregierung ungehemmt die Bodenschätze Kurdistans verkauft, macht neidisch in Bagdad und mag dazu beigetragen haben, dass die Spannungen auch innerhalb des Irak wachsen, sehr zur Freude der US-Amerikaner natürlich, die das immer dufte finden wenn sich 2 umbringen, denn dann haben sie wieder was, worüber sie sich freuen können.

Mittlerweile schätzt DNO seine kurdischen Ölschätze in den Kandil-Bergen auf über 90,000 bpd „Barrels per day“ (7). 100,000 bpd wären ungefähr 4,980,000 Tonnen Öl pro Jahr (8). Um wieviel Geld es hier nun geht, möge bitte jeder selbst ausrechnen (barrel, Tonne, Liter, light sweet crude, ick werd` wahnsinnig..)

BERICHT US-GEHEIMDIENSTE: SCHON IM AUGUST PASSAGEN VERÖFFENTLICHT

Bush am 4.Dezember in einer Pressekonferenz zu dem am Vortag erschienenen „NIE“ (National Intelligence Estimate), dem Bericht der 16 US Geheimdienste, welcher besagte, dass der Iran spätestens seit 2003 kein Atomwaffenprogramm mehr besitzt:
„In August, ich glaube es war John – Mike McConnell kam rein und sagte, wir haben ein paar neue Informationen. Er sagte mir nicht welche Informationen das waren“.(9)

Passagen aus dem explosiven „National Intelligence Report“ (NIE), von dem Präsident Bush erst vor kurzem erfahren haben will, wurden schon im August veröffentlicht. Sie besagten, dass die 16 US-Geheimdienste angeblich davon ausgingen, dass die Türkei in den Irak einmarschieren würde (10).
Auch dies verdeutlicht die Brisanz der Situation diesen Sommer. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass der NIE-Report ein volles Jahr alt ist und aus politischen Gründen zurückgehalten wurde (9). Auch ein Zeichen dafür, dass man in der Politik niemandem trauen kann und in der Weltpolitik überhaupt niemandem.

DER DEAL ZWISCHEN ERBIL UND ISTANBUL

Die Situation an der türkisch-irakischen Grenze ist seit Jahren angespannt. Bereits im Juli 2006 hatte die türkische Regierung Erdogan den USA und dem Irak mit einem Einmarsch ins irakische Kurdistan gedroht. 14 türkische Soldaten und kurdische Milizionäre auf Seiten des türkischen Militärs waren im Kampf gegen die PKK ums Leben gekommen. (16)
Im Laufe dieses Jahres hatte dann gerade der türkische Generalstab immer wieder massiv versucht, eine Einigung zwischen der Erdogan und Barzani zu hintertreiben. Nachdem der damalige Außenminister und heutige Staatspräsident Gül im Februar Verhandlungen mit Barzani oder dem irakischen Präsidenten Talabani in Erwägung gezogen hatte, legte das türkische Militär seiner Regierung Material vor, nach der Barzani und die kurdische Regionalregierung angeblich die PKK aktiv unterstütze (14). Ernstzunehmende Berichte tauchten auf, nach denen das türkische Militär sogar C-Waffen gegen kurdische Milizionäre einsetzte, an denen bei Sirnak-Uludere elf PKK-Guerillas starben. Die türkische Staatsanwaltschaft nahm ein Ermittlungsverfahren auf, aber nicht etwa gegen die eigenen Militärs wegen Einsatzes völkerrechtswidriger Waffen, sondern gegen einen der namhaftesten kurdischen Politiker in der Türkei, Ahmet Türk, weil dieser die Vorwürfe öffentlich gemacht hatte. (15)

Vom 29. bis zum 30.Oktober 2007 vollzog sich nun eine interessante Wende.

Der kurdische Präsident Massoud Barzani (Massud Barsani) am 29.:
die türkische Staatsführung sei nicht daran interessiert, eine weitere Eskalation in der Auseinandersetzung mit den Kämpfern der Arbeiterpartei Kurdistans, PKK, zu stoppen. „Sie wollen den Konflikt unbedingt mit einem Krieg lösen. Und sie geben uns keine Möglichkeit, eine andere Lösung zu finden“, so Barzani.
Ankara blockiere eine politische Lösung. So seien die türkischen Vertreter sogar gegen den irakischen Vorschlag gewesen, mehr Grenzpatrouillen auszusenden. Die PKK hätte auf Drängen der irakischen Kurden vor einem Jahr sogar einen Waffenstillstand erklärt. „Die Frage ist, ob die PKK nun die türkische Armee angegriffen hat. Oder die türkische Armee die PKK? Wer hat den Waffenstillstand gebrochen? Wenn es die PKK gewesen wäre, hätten wir keine andere Position als die Türkei. Aber unsere Untersuchungen haben ergeben, dass es die türkische Seite war,“ so Barzani in Erbil. Und weiter:
„Wenn sie einmarschieren, bedeutet das Krieg“ (11).

Einen Tag später, offenbar immer noch ohne direkten Draht zu Erdogan, ruft Barzani dennoch die PKK auf, die Waffen niederzulegen. „Entweder die PKK schwört der Gewalt ab, oder sie steht nicht nur der Türkei, sondern auch der gesamten kurdischen Nation gegenüber“, so zitiert den kurdischen Präsidenten die türkische Zeitung „Milliyet“. Zugleich plädiert er für eine friedliche Lösung. „Erfahrungen zeigen, dass dieses Problem nicht mit militärischen Mitteln gelöst werden kann“. Er zeigt den in einer Konfrontation typischen Stolz, er nehme keine „Befehle“ der Türkei entgegen, sagt er. Dennoch merkt man seinen Äusserungen ein fast verzweifeltes Bemühen an, die Situation irgendwie in den Griff zu bekommen. „Sie sprechen nicht mit mir, aber sie fordern mich auf, etwas gegen die PKK zu tun. Wie kann das sein?“, fragt Barzani und beteuert, er arbeite an der Freilassung der acht türkischen Soldaten, die von der PKK gefangen gehalten werden. (12)

Tatsächlich lässt die PKK diese am 4.November frei. Zuvor hatten – zusammen mit Vertrauten Barzanis – Vertreter der türkischen Kurdenpartei DTP vermittelt. Sicher nicht ohne die zumindestens stillschweigende Zustimmung der türkischen Regierung (13).

Aber was passiert dann? Sämtliche freigelassenen türkischen Soldaten werden vom Militär vor der Öffentlichkeit abgeschirmt und verhört. Sie sollen sogar vor dem Obersten Gerichtshof angeklagt werden, heisst es. Da sich die Soldaten den Guerillas ergaben und nicht bis zum Tode gegen sie kämpften, hätten sie damit ihr Vaterland verraten, so die Begründung. Der türkische Verteidigungsminister Cemil Cicek behauptet, die Soldaten wären auch ohne Verhandlungen freigekommen. Mehmet Ali Sahin, der türkische Justizminister, sagt, er sei gar nicht erfreut, dass die Soldaten wieder frei seien.

Daraus ergibt sich auch eine weitere Möglichkeit: türkische Militärs oder Politiker waren in die Geiselnahme der eigenen Soldaten verstrickt, um einen Einmarsch in den Irak zur „Befreiung der Kameraden“ zu erzwingen und eine friedliche Lösung für die Türkei zu sabotieren.
Und die Kampagne gegen eine friedliche Lösung geht weiter: gerade WEIL sie das Leben der türkischen Soldaten gerettet haben, wird im November zum Dank auch noch versucht die Immunität der drei Abgeordneten der DTP aufzuheben, welche eine Freilassung ihrer Landsleute erreicht hatten. Begründung: die türkischen Abgeordneten kurdischer Identität hätten „Propaganda für eine terroristische Vereinigung“ betrieben (18). In keinem anderen Land der Welt hat es jemals so eine aberwitzigen Versuch für Bestrafung von Verhandlungen mit dem Kriegsgegner über die Freilassung der eigenen Gefangenen gegeben.

Dabei versucht gleichzeitig die kurdische Regionalregierung nun, deutliche Signale nach Istanbul zu senden und geht gegenüber der PKK auf Konfrontationskurs. Der Regierungschef der Autonomieregion, der Neffe von Präsident Barzani, Nechirvan, fordert Mitte November in einer Rede vor rund 200 Journalisten ultimativ, zukünftig „wohlwollende Berichte“ über die PKK zu unterlassen. Vielmehr solle betont werden, daß die Guerilla der kurdischen Bevölkerung „feindlich“ gesonnen sei und bei Kämpfen mit der Guerilla seit 1992 „rund 5000“ Peschmerga – Soldaten der nordirakischen Kurden – ums Leben gekommen seien. Mit Blick auf die Türkei, „einem guten Freund der Kurden“, wünschte sich Barzani von den Journalisten hingegen nunmehr eine „deutlich freundlichere“ Berichterstattung. (18)

Dann fällt irgendwann Ende November auf: Barzani ist weg, der alte, Massoud.
Wo ist er hin?

Wochenland wird spekuliert. Am Anfang ist die Rede von einem Attentat, israelische Geheimdienst-Medien wollen ihn in Tel Aviv wissen. Er macht angeblich Ferien in Wien. Sein Neffe, der kurdische Ministerpräsident Nechirvan Barzani sagt am 27.November:“Wir haben immer gesagt, dass die Türkei diese Sache diplomatisch lösen soll. Wir haben, was die PKK angeht, zwischen beiden Ländern keine Meinungsverschiedenheit“.
Von der Festnahme des PKK-Chefs Murat Karayilan ist die Rede…(19)

Dann taucht Massoud Barzani am 8.Dezember in der kurdischen Hauptstadt Erbil (Irbil, Arbil) wieder auf. Es geht das Gerücht in der Presse herum, er habe 2 PKK-Kommandeure nach Italien gelockt, um sie an die Türkei ausliefern zu lassen. Das wird natürlich durch kurdische Regierungsbeamte dementiert. (20)

Und wie es der Zufall will, meldet heute Nacht die Presse nach dem türkischen Luftangriff auf Kurdistan, dass PKK-Chef Murat Karayilan verschwunden ist. Er wird unter den Opfern vermutet, heisst es.. (21)

OPERATION FREEDOM

Die Kurden brauchen, egal wo sie wohnen, genau die gleichen Rechte wie alle Menschen. Sie brauchen Nahrung, Wasser, Gesundheit und eine Möglichkeit für sich und ihre Familien zu prosperieren, ein Zuhause und eine faire Chance auf Wohlstand. Was sie aber ausserdem noch brauchen – wie alle Menschen – ist die Freiheit ihrer Person, die Freiheit ihre Sprache zu sprechen und sich auszusuchen, was sie damit anfangen.

Der Kriegsgefangene Murat Karayilan, der jetzt wahrscheinlich in irgendeinem Geheimgefängnis hockt, braucht ein faires Gerichtsverfahren, wie alle Gefangenen und Häftlinge weltweit, ohne Folter, streng nach den Regeln der Genfer Konvention, ohne Ansehen seiner Person oder Herkunft und ohne zu vergessen, woher die Waffen für seinen Krieg stammten.

Was weder Türken, noch Kurden, noch irgendeines der vielen Völker dieser Erde gebrauchen kann, sind noch mehr Krieg, noch mehr Elend, noch mehr Ausbeutung ihrer Schätze durch Usurpatoren und Barone unserer Zeit, sondern Frieden, Arbeit und Freiheit unter dem Schutz ihrer niedergeschriebenen Menschenrechte.

Wenn Türken und Kurden, ob in der Türkei, im Irak, in Deutschland, oder in irgendeinem anderen Staatsgebilde der Welt Frieden und Ausgleich finden, so ist das eine feine Sache.
Nur kann so etwas nicht durch geheime Deals zwischen Mächtigen, Militärs, und Geheimdiensten ausgehandelt werden.

Dies muss geschehen im Lichte der Wahrheit und der Öffentlichkeit, solange die Sonne steigt…

weitere Artikel:
24.10.07
The PKK-Kurdistan Trap
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=1112&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=10

29.08.07
Irak,Türkei: BND in US-Waffenlieferung an PKK verwickelt?
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=881&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=8

22.08.07
Iran, Türkei: Gerüchte über Einmarsch in Irak/Kurdistan
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=845&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=8

17.08.07
Iran beschiesst Territorium des Irak: Hintergründe
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=829&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=8

14.05.07
THE PLAN III – Petraeus and the three-dimensional chess in the dark
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=497&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=5

07.02.07
US,Saudis,Iran,Türkei: droht dem Irak die`polnische Teilung`?
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=274&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=2

Quellen:
(1)
http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1196847353952&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull
(2)
http://www.tagesschau.de/ausland/nordirak14.html
(3)
http://www.rojname.com/index.kurd?nuce=229797
(4)
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=881&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=8
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Iran-Contra-Aff%C3%A4re
(6)
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=855&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=8
(7)
http://www.hemscott.com/news/latest-news/item.do?newsId=53878218014289(8)
(8)
http://en.wikipedia.org/wiki/Barrels_per_day
(9)
http://radio-utopie.de/archiv.php?themenID=1344&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=12
(10)
http://www.thenewanatolian.com/tna-28423.html
(11)
http://www.tagesschau.de/ausland/nordirak2.html
(12)
http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/ausland/808109.html
(13)
http://www.tagesschau.de/nordirak6.html
(14)
http://www.welt.de/politik/article1292212/Kurden_im_Nordirak_warnen_tuerkisches_Militaer.html
(15)
http://www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/pressekurdturk/2007/35/13.htm
(16)
http://www.tages-anzeiger.ch/dyn/news/ausland/646602.html
(17)
http://www.qirayis.de/modules.php?name=News&file=article&sid=594#comments
(18)
http://www.jungewelt.de/2007/11-26/029.php
(19)
http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=89719
(20)
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=128953
(21)
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=129546&bolum=102
(22)
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=1133&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=10