Beck bei den Jusos: Energie trifft Phlegma

Wolfsburg: Jim Morrison – in deutsch – hätte jetzt wahrscheinlich gesagt:“Seltsame Tage haben uns gefunden“. Da spricht der Vorsitzende der SPD auf dem Kongress der Nachwuchsetablierten und es hat den Eindruck, der einzige im Raum der etwas will, das auch deutlich macht und nicht völlig dem Baldrian verfallen über dem Tisch hängt, das ist der 58-jährige Kurt Beck.EIN PRESSEMORGEN IM ABENDLANDE…

Der „Stern“ hat wieder mal bewiesen, dass er unterirdisch leuchtet und deshalb was vor Augen hängen hat. Vielleicht wird er auch von Frank Steinmeier oder einem seiner Sponsoren bezahlt. Auf jeden Fall ist dessen Berichterstattung mit den Mitteln der Logik und der nicht halluzinogenen Wahrnehmung nicht nachzuvollziehen oder einfach so fremdgesteuert, dass dieses Herzblatt mal wieder voll gegen die Mauer gefahren ist.

„Als alter Profi wusste Beck aber, wie er ein ihm grundsätzlich gewogenes Publikum trotzdem für sich einnimmt“ (1).

Was bitte ist das denn?

„Auf dem Bundeskongress der Jusos in Wolfsburg quälte der Parteichef die Delegierten aber mit einer onkelhaften Rede,“ so weiter der Stern der ungezählten Weisen, die im Abendlande immer noch die freie Presse suchen.
Dass Beck die Delegierten seiner jugendlichen Parteipatienten gequält hat steht ja ausser Frage; aber was macht denn jemand, der einen im Koma befindlichen, eigentlich körperlich gesunden, aber im Dornröschenschlaf von Moder überzogen allein im Gemäuer auf dem Boden liegenden Prinzen an den Schultern packt und dann immer vor-und-zurück, vor-und-zurück?

DIE ASOS

Da sitzen sie und kriegen nichts mehr mit, wissen nichts von dem, was um sie herum passiert, sind allen egal weil ihnen alles egal ist ausser „wann-bin-ich-endlich-Minister“ und tun dann noch so, als seien sie „Jungsozialisten“. Das Augenlied auf Halbmast vermissen sie den Chefsessel zuhause vor´m World of Warcraft, ach, wieder Kongress, na gut, welches Jahr haben wir heute?
Man möchte unter diese Flitzpiepen und vorzeitig vergreisten Dabeisitzer fahren wie der Sturm unter die Blätter und sie anbrüllen: „WISST IHR EIGENTLICH, DASS IHR JUNG SEID, IHR FLASCHEN?!“, man möchte ihnen die Aktentasche über den Kopf stülpen damit sie vor´m Einschlag geschützt sind und man selbst vor ihrem bräsigen, blöden, nichtssagenden Gesichtsausdruck, vor dieser GZSZ-guter-Laune-schlechter-Laune-Schablone, diesem „jaja“ und „nee, nee“ und der angelernten Benimm-Etikette eines angehenden Politprofis.

Beck spricht über Tradition. Darüber, dass der Kaiser tatsächlich schon weg ist ohne dass sie´s gemerkt hätten (müdes Handgeklapper aus dem Off) über Wahlrechte die nicht vom Himmel fallen aber unter den Tisch jedes anständigen, grossen und ehrenwerten Hauses der Blockparteien und Diktaturen, über Otto Wels und seine letzte Rede im Reichstag bei dem Kniefall der Bürgerlichen gegenüber dem Faschismus, er ruft:“JA SOLLEN WIR UNS ETWA DAFÜR SCHÄMEN??“ und dann die Reaktion im Saal:

ein Augenlied hebt sich. „Was denn..??“ tönt´s mürrisch, man rekelt sich, mähmähmäh, redet der immer noch, zuhören ist Arbeit, man hat´s nicht leicht heutzutage.

Der scheidende Vorsitzende Björn Böhning, die fleischgewordene Tatkraft selbst, beim Referieren der Juso-Erfolge angesichts von Hartz-Gesetzen, Kinderarmut, Luftwaffeneinsätzen der deutschen Streitkräfte in Afghanistan, Abschussdrohungen des Verteidigungsministers und einem von Spionageaffären zunehmend erschütterten Innenministerium:
„Wir haben auch politisch was erreicht. Wir haben die BAföG-Erhöhung um zehn Prozent durchgesetzt. Wir haben das Grundsatzprogramm nach unseren Prämissen gestaltet, und wir sind auch in der Lage gewesen, das Thema Kinderarmut auf die Agenda der SPD zu setzen, und das rechnen wir uns schon an.“(2)

Wenn die Jusos eins offenbar noch schlechter können als alles andere, dann rechnen.

Beck wiederum fordert Innenminister Wolfgang Schäuble und seinen Verteidigungskollegen Franz Josef Jung auf, sich von ihren umstrittenen Plänen zu Online-Durchsuchungen und zum Abschuss entführter Passagierflugzeuge zu verabschieden (3). Er beschreibt den Wert der Freiheit, den es zu verteidigen gilt. Es macht den Eindruck, er sieht etwas während er spricht und mehr als diese lahme Herde von Luschen, die sich da vor ihm räkelt.
Verkehrte Welt.

Aussenminister Steinmeier, dessen kontinuierliche Taktik es ist seine Zuhörer in den Schlaf zu reden, wird dagegen von der „Financial Times“ attestiert, für seine Rede zu Anfang des Kongresses „vom Parteinachwuchs stürmisch gefeiert“ (4) worden zu sein.
Man wagt sich gar nicht vorzustellen, was damit wohl gemeint war.

FAZIT

Der Vizekanzler Steinmeier, der nicht Kanzler werden will, darf 2009 scheinbar bekommen, was er will: eine sinnlose Kandidatur, damit die SPD wieder verliert, er dann Vizekanzler bleiben und die „Grosse Koalition“ uns dann weitere 4 Jahre von oben überfallen darf.
Es sei denn, Beck hört auf den DGB, die Jusos und andere Mumien wachküssen zu wollen und macht sich (2009) endlich auf den Weg nach Berlin…

Quelle:
(1)
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Juso-Bundeskongress-Onkel-Beck-jungen-Leute/603483.html
(2)
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/701125/
(3)
http://de.today.reuters.com/News/newsArticle.aspx?type=domesticNews&storyID=2007-11-24T135423Z_01_KOE450053_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-KOALITION-SPD.xml
(4)
http://www.ftd.de/politik/deutschland/283360.html