Filmreihe im Berliner Babylon:"1967 – 1977 Zur Geschichte einer Bewegung"
Zwischen 1967 und 1977 liegen zehn Jahre heftigster gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Hunderttausende gingen auf die Strassen, um gegen den Vietnamkrieg, den MilitĂ€rputsch in Chile, den Bau von AKWs und die Macht und LĂŒgen der Springerpresse zu demonstrieren. Der Prager FrĂŒhling und der Pariser Mai standen 1968 fĂŒr die Hoffnungen einer ganzen Generation in Ost und West. 1977 gab es eine breite linke Bewegung, die an den BauzĂ€unen der AKWs rĂŒttelte, die internationalistische SolidaritĂ€t mit den im Trikont von Ausbeutung und Elend betroffenen und denen, die sich dagegen wehrten, ĂŒbte.Die ersten HĂ€user und Jugendzentren waren besetzt worden, die ersten antirassistischen Kampagnen gestartet.
Die Filmreihe „1967-1977 Zur Geschichte einer Bewegung“ wird sich gerade nicht hauptsĂ€chlich um „Terror“, RAF, Schleyer und Stammheim drehen. Die Filmreihe richtet sich gegen das Vergessen(machen) einer linken Geschichte, die viel mehr war als das.
Nicht nur fĂŒr heute politisch Aktive bietet diese Filmreihe Gelegenheit, eine Geschichte kennen zu lernen, die zwar vorbei zu sein scheint, in der aber Auseinandersetzungen stattfanden, die höchst aktuell sind: weltweite soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und MenschenwĂŒrde statt Ausbeutung und Krieg.
Alle Filme im
BABYLON
Berlin-Mitte | Rosa-Luxemburg-Str. 30
Fr. 19.10. | 19.30
Berlin 2. Juni ÂŽ67
„Wie starb Benno Ohnesorg“
Buchvorstellung
Fr. 19.10. | 22.00
GĂŒnter Gaus-Interview mit Rudi Dutschke
„Eine Welt gestalten, die es noch nie gab“
Von der Revolte zur Revolution
Sa. 20.10. | 19.30
Rot liegt in der Luft
So. 21.10. | 18.00
Der Austausch – Die vergessene
EntfĂŒhrung des Peter Lorenz
So. 21.10. | 22.00
Der unsichtbare Aufstand
Mo. 22.10. | 19.30
Schlacht um Algier
Mo. 22.10. | 22.00
Junta | Garage Olimpo
Di. 23.10. | 19.30
Pierburg – Ihr Kampf ist unser Kampf
Di. 23.10. | 22.00
Allein machen Sie Dich ein
Mi. 24.10. | 19.30
Schleyer – Eine deutsche Geschichte
Mi. 24.10. | 22.00
Auf Leben und Tod
Do. 25.10. | 19.30
WiderstandsaktivitÀten
gegen Faschismus und Besatzung
Do. 25.10. | 22.00
Der unsichtbare Aufstand
Fr. 26.10. | 19.30
„Wehrt Euch, leistet Widerstand“
Fr. 26.10. | 22.00
Projekt Artur
Sa. 27.10. | 19.30
Die Macht der MĂ€nner
Sa. 27.10. | 22.00
FĂŒr Frauen – 1. Kapitel.
Eine PrĂ€mie fĂŒr Irene
So. 28.10. | 19.30
Sir! No Sir!
So. 28.10. | 22.00
The Weather Underground
AUSFĂHRLICHES FILMPROGRAMM:
Fr. 19.10. | 19.30 | Saal
Berlin 2. Juni ÂŽ67
Dokumentarfilm
BRD 1967, Regie: Thomas Giefer,
RĂŒdiger Minow, Uli Knaudt, 50 Min.
Polizeistaatsbesuch des Schah von Persien. Eine bewaffnete Polizeimacht war zustĂ€ndig fĂŒr die Sicherheit des Gastes wĂ€hrend seines Aufenthalts in Westberlin. Zur gleichen Zeit, als der Schah und seine Frau, begleitet von den Oberen der Stadt, die Oper besuchten, erschoss ein Beamter in Zivil den Studenten Benno Ohnesorg. StudentInnen bildeten einen eigenen Ermittlungsausschuss zur Rekonstruktion der Tat. Die Kamera begab sich auf die Suche nach denen, die aktiv beteiligt waren oder billigend den Tod des Studenten zu verantworten hatten
„Wie starb Benno Ohnesorg“
Buchvorstellung
Uwe Soukup wird sein neues Buch Wie starb Benno Ohnesorg vorstellen. „Trauer und Wut angesichts eines Geschehens, das man in der deutschen Nachkriegsdemokratie, zumal im so genannten freien Teil Berlins, nicht fĂŒr möglich gehalten hĂ€tte. (…) Soukup hat mit vielen Beteiligten von damals gesprochen – mit Polizeibeamten, mit Politikern der SPD und mit Opfern des Polizeieinsatzes. (…) Und er hat Fotos als Beweismaterial zusammengetragen – in einer FĂŒlle, wie man sie noch nicht gesehen hat. Das alles wird verwoben zur dichten Beschreibung eines Tages, der die Republik wie kein anderer verĂ€ndern sollte.“ (Die Zeit)
Fr. 19.10. | 22.00 | Studio
GĂŒnter Gaus-Interview mit Rudi Dutschke
„Eine Welt gestalten, die es noch nie gab“
BRD 1967, Fernsehinterview, 41 Min.
„Gaus: Sie gehen davon aus, daĂ der Mensch absolut bildungsfĂ€hig ist, daĂ der Mensch besser werden kann.
Dutschke: Ich gehe davon aus, daà der Mensch nicht dazu verurteilt ist, dem blinden Spiel der ZufÀlle in der Geschichte unterworfen zu bleiben.
Gaus: Er kann die Geschichte selbst in die Hand nehmen?
Dutschke: Er hat sie schon immer gemacht. Er hat sie bloĂ noch nicht bewuĂt gemacht. Und jetzt muĂ er sie endlich bewuĂt machen.“
(Zitat aus dem Film)
Von der Revolte zur Revolution
BRD 1968, Regie: Kurt Rosenthal und
Filmmacher-Cooperative, 60 Min.
„Enteignet Springer“ war das Motto der auĂerparlamentarischen Bewegung nach dem Mord an Benno Ohnesorg 1967. In vielen StĂ€dten verhinderten DemonstrantInnen die Auslieferung der BILD-Zeitung. Der Film dokumentiert die Belagerung des „Springer-Hauses“ 1968 in Hamburg. Die Polizei reagierte mit einer bis dahin unbekannten BrutalitĂ€t auf die Proteste, was eine weitere Radikalisierung der Bewegung nach sich zog. Was tun? JĂŒrgen Krahl, SDS, und Prof. Wolfgang Abendroth werfen die Frage der Gegengewalt auf.
Sa. 20.10. | 19.30 | Studio
Rot liegt in der Luft
(Le fonds de l‘air est rouge)
F 1977, Regie: Chris Marker, 179 Min.
Der französische Filmessayist Chris Marker montierte ausgehend von der Oktoberrevolution und dem Spanischen BĂŒrgerkrieg ein imponierendes Fresko der politischen Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre. Er nahm eigene und Bilder anderer Kameraleute aus Frankreich, Chile, Kuba etc. auf und kommentierte sie neu: „Man weiĂ nie, was man filmt“. Mit eingefĂ€rbten Bildern schaffte er Distanz und vervielfachte die Standpunkte durch einen achtstimmigen Kommentar. Markers nachdenklicher Versuch einer Bilanz der 68er-Revolte sucht festzustellen, ob trotz des Scheiterns der emanzipatorischen Bewegungen ein „rotes LĂŒftchen“ geblieben ist.
Von Vietnam zum Mord an Che. Mai`68 und all das. Vom Prager FrĂŒhling zum Gemeinsamen Programm. Von Chile zu …?
So. 21.10. | 18.00 | Saal
Der Austausch – Die vergessene
EntfĂŒhrung des Peter Lorenz
BRD 2000, Regie: Klaus Salge und Klaus Stern, 45 Min.
Am 27.2.1975 entfĂŒhrte ein Kommando der Bewegung 2. Juni mitten im Berliner Wahlkampf den Spitzen-Kandidaten der CDU, Peter Lorenz. Im Austausch mit Lorenz gelingt es ihnen, fĂŒnf Inhaftierte der militanten Linken, sowie zwei nach dem Tod von Holger Meins inhaftierte Demonstranten, zu befreien. Es war die spektakulĂ€rste Tat der Bewegung 2. Juni und zugleich auch schon der letzte geglĂŒckte Gefangenenaustausch der Guerilla.
„Mit der Kardinalfrage nach der Erpressbarkeit des Staates eröffnen die Filmautoren ihren dokumentarischen Polit-Thriller, der die Ereignisse in Tagesschau-Ausschnitten und Interviews Revue passieren lĂ€sst.“
(Tagesspiegel)
Mit Ralf Reinders und Ronald Fritzsch,
ehemals Bewegung 2. Juni.
So. 21.10. | 22.00 | Studio
Der unsichtbare Aufstand
F/I/BRD 1972, Regie: Constantin Costa-Gavras, 115 Min.
Als die Tupamaros, die legendĂ€re Stadtguerilla Uruguays, einen anscheinend unbescholtenen US-BĂŒrger in Montevideo entfĂŒhren, versteht zunĂ€chst niemand die HintergrĂŒnde dieser Tat … Der unsichtbare Aufstand ist ein packender Politkrimi. Eindringlich schildert er die sozialen und politischen ZustĂ€nde in einem sĂŒdamerikanischen Land und kritisiert die Praktiken des amerikanischen Imperialismus. Costa-Gavras bezieht sich in seinem Film auf den authentischen Fall des US-Agenten Daniel Mitrione, der 1970 in Uruguay als Entwicklungshelfer getarnt das diktatorische Regime unterstĂŒtzte. Durch die Besetzung der Rolle dieses Polizeiberaters mit dem SympathietrĂ€ger Yves Montand gelingt eine spannende Gratwanderung zwischen Kritik und LegitimitĂ€t revolutionĂ€rer Gewalt.
Mo. 22.10. | 19.30 | Studio
Schlacht um Algier
Algerien/Italien 1965/1966,
Regie: Gillo Pontecorvo, 121 Min.
Algier, 1957: Die „Nationale Befreiungsfront“ (FLN) rĂŒstet zum Widerstand gegen die französische Kolonialherrschaft in Algerien und die französischen FallschirmjĂ€gertruppen des Colonel Mathieu greifen immer hĂ€rter durch. Um die Mitglieder der Untergrundorganisation zu finden, setzen sie brutale Foltermethoden ein. In der Kasbah, dem historischen Kern Algiers, agiert eine Guerillazelle der FLN. ZunĂ€chst gelten die AnschlĂ€ge der AufstĂ€ndischen einzelnen Polizisten und MilitĂ€rs, spĂ€ter töten ihre Bomben auch französische und arabische ZivilistInnen.
Schlacht um Algier feierte seine Premiere im September 1966 mit einem Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig. In Frankreich und England war er bis 1971 verboten. Auch in anderen LĂ€ndern versuchten rechtsradikale MilitĂ€rs der „Organisation de l‘armĂ©e secrĂšte“ (OAS), AuffĂŒhrungen zu verhindern und zu sabotieren.
Mo. 22.10. | 22.00 | Studio
Junta | Garage Olimpo
Argentinien/Italien 1999,
Regie: Marco Bechis, 98 Min.
Nach dem Putsch vom MĂ€rz 1976 in Argentinien verlagerte die MilitĂ€rjunta um die GenerĂ€le Videla, Agosti und Massera den staatlichen Terror in den Untergrund: WĂ€hrend sich im StraĂenbild das Leben nach und nach normalisierte, „verschwanden“ 1976-1983 etwa 30.000 ArgentinierInnen in illegalen GefĂ€ngnissen und wurden zumeist spĂ€ter ermordet.
„Der Name eines dieser Konzentrationslager dient Marco Bechis als Originaltitel fĂŒr seinen mit autobiografischen Elementen durchsetzten Film. Bechis, Jahrgang 1957, war zwanzig Jahre alt, als er von der Geheimpolizei verhaftet und zehn Tage lang mit verbundenen Augen Folter und Misshandlungen ausgesetzt wurde. Bechis hatte GlĂŒck: Er wurde in ein ordentliches GefĂ€ngnis verlegt; ein mit seinen Eltern bekannter General sorgte fĂŒr seine Freilassung. (…) Im Film hat der Regisseur seine vorwiegend akustischen Erlebnisse im Folterlager eingearbeitet: das stets ĂŒberlaute Radio, das die Schreie der mit Elektroschocks Gefolterten zu ĂŒbertönen versucht, und immer wieder die „Ping-Pong“-KlĂ€nge der sich die Zeit vertreibenden Peiniger – wie etwa auch das Abstempeln an der Stechuhr – gehören zusammen mit der eindrĂŒcklichen Schlusssequenz zu den StĂ€rken dieses mit einem Dutzend internationalen Preisen ausgezeichneten Films.“ (JosĂ© GarcĂa)
Der Film löste in Argentinien eine breite gesellschaftliche Debatte ĂŒber die Zeit der MilitĂ€rdiktatur und die Folter aus.
Di. 23.10. | 19.30 | Studio
Pierburg – Ihr Kampf ist unser Kampf
BRD 1974/75, Dokumentation, 49 Min.
Am 13. August 1973 legten Arbeiterinnen und Arbeiter bei der Pierburg AG in Neuss, vor allem migrantische Frauen, die Arbeit nieder – ohne dass eine Gewerkschaft offiziell zum Streik aufgerufen hĂ€tte. Die Bosse holten als erstes die Polizei und der Neusser Polizeidirektor erklĂ€rte: „Eine wilde Arbeitsniederlegung gilt als Revolution!“, um ein repressives Eingreifen zu rechtfertigen. Trotzdem konnten sich die ArbeiterInnen hier durchsetzen, weil es im Streik gelang, die Spaltung nach HerkunftslĂ€ndern und Geschlecht zu ĂŒberwinden. Ein bewegendes Dokument eines Streiks gegen die Leichtlohngruppe II und gegen die Ausbeutung migrantischer Frauen. Das Material wurde im Sommer 1973 von verschiedenen BeschĂ€ftigten der Pierburg AG bei Neuss und den FilmemacherInnen Edith Schmidt und David Wittenberg gedreht und anschlieĂend den AktivistInnen fĂŒr ihre politische Arbeit zur VerfĂŒgung gestellt. Dieser Streik war erfolgreich – so wurde die Leichtlohngruppe II abgeschafft und niemand entlassen. Die Haltung der offiziellen Gewerkschaften gegenĂŒber migrantischen ArbeiterInnen wurde infrage gestellt.
Mit zwei Referenten zur Geschichte der ArbeitskÀmpfe. Hans Köbrich, Betriebsratsmitglied und Leiter des Vertrauensleutekörpers bei BMW in Berlin-Spandau. In den 70er Jahren versuchte die GeschÀftsleitung ihn und andere Kandidaten einer oppositionellen Liste zur Betriebsratswahl aus dem Betrieb zu sÀubern. Die Verantwortlichen in der IG Metall reagierten mit Ausschlussverfahren. Andreas Hesse arbeitete in zahlreichen Druckbetrieben in Westberlin. Er gehörte in den 70er Jahren einer gewerkschaftsoppositionellen Gruppe in der Westberliner Druckindustrie an.
Di. 23.10. | 22.00 | Studio
Allein machen Sie Dich ein – Rauch-Haus-Film
BRD 1973/74, Regie: Rauch-Haus-Kollektiv; Manfred Stelzer, Susanne Beyeler, Rainer MĂ€rz, 73 Min.
Ende 1971 besetzten mehrere hundert Jugendliche – Lehrlinge, SchĂŒlerInnen, ehemalige Heimkinder – einen Teil des Bethanien-Krankenhauses in Berlin-Kreuzberg und benannten es in Georg-von-Rauch-Haus um. Der Film dokumentiert den Kampf um den Erhalt des Rauch-Hauses und damit der Möglichkeit der Jugendlichen, ihren Alltag selbst zu organisieren.
Mi. 24.10. | 19.30 | Studio
Schleyer – Eine deutsche Geschichte
BRD 2003, Buch und Regie:
Lutz Hachmeister, 90 Min.
Es war das spektakulĂ€rste politische Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik – die EntfĂŒhrung und Ermordung des Arbeitgeber-PrĂ€sidenten Hanns-Martin Schleyer. FĂŒr seinen Film hat Lutz Hachmeister die Biographie Schleyers recherchiert. Schleyer zĂ€hlte zu den jungen, radikalen NS-StudentenfunktionĂ€ren im Heidelberg der 1930er Jahre. Im Prager „Centralverband der Industrie fĂŒr Böhmen und MĂ€hren“ war er zu Beginn der 1940er Jahre maĂgeblich an der „Germanisierung“ der tschechischen Wirtschaft beteiligt. Nach mehrjĂ€hriger Internierungshaft begann sein beruflicher Wiederaufstieg 1951 bei Daimler Benz. Schleyer galt als „Scharfmacher“ in den legendĂ€ren TarifkĂ€mpfen der 1960er Jahre. Mit dieser Biographie erschien der ehemalige SS-UntersturmfĂŒhrer der RAF als „Magnet“ fĂŒr eine EntfĂŒhrung.
Mi. 24.10. | 22.00 | Saal
Auf Leben und Tod
Schweden 1979,
Regie: Hans Hederberg, 55 Min.
Am 7. April 1977 wird der Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen. An dieser Stelle beginnt der Film seine Darstellung der Geschichte des bewaffneten Kampfes, angefangen bei der APO bis zu den Toten in Stammheim; die Geschichte der Stadtguerilla in der BRD von RAF und Bewegung 2. Juni, ihre HintergrĂŒnde und ihre politischen Ziele. Produziert wurde dieser Film vom schwedischen Fernsehen. Keine deutsche Sendeanstalt ĂŒbernahm den Film aufgrund seiner Kritik an der inneren AufrĂŒstung der BRD.
Mit dem Historiker Hanno Balz zum Thema „Mediale Konstruktion von Terrorismus am Beispiel der RAF“. AuĂerdem werden AktivistInnen jener Zeit anwesend sein.
Do. 25.10. | 19.30 | Studio
WiderstandsaktivitÀten gegen Faschismus und Besatzung
Videointerviews mit antifaschistischen WiderstandskÀmpferInnen und Projektvorstellung des ERA-Archivs, 60 Min.
ERA ist ein Online-Archiv der WiderstandsaktivitÀten gegen Faschismus und Besatzung wÀhrend des Zweiten Weltkrieges in Europa. Kern des Webportals sind vorerst 20 Videointerviews mit Frauen und MÀnnern, die am antifaschistischen Widerstand in sechs europÀischen LÀndern teilgenommen haben.
ERA ist ein Raum, in dem die individuellen Geschichten von Menschen, die sich dem faschistischen Terror, der Erniedrigung und Verzweiflung widersetzt haben, lebendig und sichtbar gehalten werden. Die Bedingungen von Faschismus, Besatzung, Kollaboration und Widerstand unterscheiden sich im europĂ€ischen Vergleich stark voneinander. ERA bietet spezifisches Wissen ĂŒber die verschiedenen Widerstandsbewegungen und deren unterschiedliche Auswirkungen innerhalb der jeweiligen nationalen Kontexte an. Es wird versucht, die in den aktuellen geschichtlichen Diskursen dominierende nationale Perspektive der Geschichtsschreibung (insbesondere an den Schulen) zu erweitern.
www.resistance-archive.org
Do. 25.10. | 22.00 | Studio
Der unsichtbare Aufstand
F/I/BRD 1972, Regie: Constantin Costa-Gavras, 115 Min. (Siehe Sonntag, 21.10.)
Fr. 26.10. | 19.30 | Studio
„Wehrt Euch, leistet Widerstand“
Die Anti-AKW-Bewegung
& der autonome Widerstand
Eine politische Geschichte der Anti-AKW-
Bewegung mit AktivistInnen und Videos.
Fr. 26.10. | 22.00 | Studio
Projekt Artur
BRD 1989, Medienwerkstatt Freiburg, 72 Min.
Ende der 60er Jahre; die Nachkriegsgeneration war angetreten, sich von dem Nazi-Erbe zu befreien, ein Schatten von Revolution liegt ĂŒber dem Land. Doch es ist der Schatten der Revolution einer anderen – der hungernden, ausgeplĂŒnderten und von Bomben zerfetzten Dritten Welt. Und wenn es ein Wort gibt, das alle Diskussionen in dieser Zeit in sich vereint, so ist dies „Vietnam“. Dann der Tod von Benno Ohnesorg; der Staat hatte gezeigt, zu welchen Mitteln er greift, wenn eine Bewegung auf ihr Recht, das Recht auf Widerstand pocht. Eine ganze Bewegung stand vor der Frage der nĂ€chsten notwendigen Schritte gegen die Gegenwart der Vergangenheit, und im BĂŒndnis mit dem System war eine wirkliche Demokratie in der Bundesrepublik nicht mehr denkbar. In GesprĂ€chen mit Zeugen dieser Zeit zieht der Film einen Bogen ĂŒber die Auseinandersetzungen in der Frage der Mittel zur Durchsetzung der politischen Ziele, der Frage von Gewalt und Gegengewalt – ein Fragment dieser Zeit, fĂŒr die Diskussion von heute.
Mit einem Bericht zur Entstehung des Films und einem im Film nicht enthaltenen Interview mit einem ehemaligen RZ-Mitglied.
Sa. 27.10. | 19.30 | Studio
Die Macht der MĂ€nner
ist die Geduld der Frauen
BRD 1978, Regie: Cristina Perincioli, 75 Min.
„Als ich 1974 in England die ersten HĂ€user fĂŒr misshandelte Frauen sah, begann ich in Berlin Frauen zu Gewalt von Partnern zu befragen und fand ein nie geahntes AusmaĂ an Misshandlung. Wir – Frauen aus der Frauenbewegung und engagierte Journalistinnen – fingen nun an, die Ăffentlichkeit zu mobilisieren mit Hörfunk- und Fernsehsendungen und dem Buch Gewalt in der Ehe. 1976 entstand in Westberlin das erste Frauenhaus. 1978 drehten wir diesen Film zusammen mit Frauen aus diesem Frauenhaus. International erfolgreich verstĂ€rkte der Film die Frauenhausbewegung in Deutschland, Australien, Kanada, den USA, der Schweiz, Ăsterreich, Schweden und Indien. Der Titel wurde zur Parole.“ (Cristina Perincioli)
Mit Christina Perincoli und Frauen aus dem Frauenhaus.
Sa. 27.10. | 22.00 | Studio
FĂŒr Frauen – 1. Kapitel.
Ein Film von Frauen fĂŒr Frauen
BRD 1971, Regie: Cristina Perincioli, 36 Min.
„Eine Erfahrung haben wir alle gemacht: In der Familie ist eine Frau isoliert: Freundinnen, Nachbarinnen können eine Frau nur von einzelnen Schwierigkeiten entlasten (wie KinderhĂŒten, Einkaufen gehen (…) Doch die WillkĂŒr des Ehemannes ist tabu. (…) Diese VerhĂ€ltnisse werden kĂŒnstlich aufrecht erhalten durch die planmĂ€Ăige Unterbezahlung und Diskriminierung der Frauen am Arbeitsplatz. (…) Die fĂŒr eine Aktion notwendige SolidaritĂ€t kann am ehesten am Arbeitsplatz erreicht werden, wo viele Frauen vor gleichen Situationen stehen. In diesem Film wird gezeigt, welche Probleme Frauen klĂ€ren mĂŒssen, bevor sie gegen den Unternehmer vorgehen können. Nachdem wir das erkannt hatten, haben wir Frauen gemeinsam diesen Film geschrieben und ihn selbst gedreht: Wir brauchen keine liberalen Filmer, die sich der Emanzipation annehmen. Wir fordern die Mittel in unsere Hand!“ (Aus dem Text zum Film von 1971)
Eine PrĂ€mie fĂŒr Irene
BRD 1971, Regie: Helke Sander, 47 Min.
In Eine PrĂ€mie fĂŒr Irene spielt Helke Sander mit dem Wechsel von Aufnahmen einer Ăberwachungskamera in einer Fabrik, die Arbeiterinnen zeigt, zum mĂ€nnlichen Kamerablick des Kinos, der eine attraktive SekretĂ€rin verfolgt. Dieser agitative Kurzspielfilm ĂŒber die doppelte Ausbeutung weiblicher Fabrikangestellter endet mit der gemeinschaftlichen Zerstörung einer Ăberwachungskamera. Der Film wird musikalisch begleitet von Ton Steine Scherben.
So. 28.10. | 19.30 | Saal
Sir! No Sir!
US-MilitÀrs gegen den Vietnam-Krieg
USA 2005, Regie: David Zeiger, 55 Min.
Am 6. November 1965 trug Leutnant Henry Howe auf einer Antikriegs-Demonstration ein Transparent mit der Aufschrift „Beendet die faschistische Aggression von PrĂ€sident Johnson in Vietnam“. Howe wurde deswegen von einem Standgericht zu fĂŒnf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Seinem Beispiel folgend, kamen Hunderte weitere Soldaten fĂŒr ihren Widerstand gegen den Vietnamkrieg ins GefĂ€ngnis. Diese Bewegung hatte 1971 ein derartiges AusmaĂ angenommen, dass eine Kommission des Pentagons zu der Auffassung gelangte, ĂŒber die HĂ€lfte der in Vietnam kĂ€mpfenden Truppenmitglieder sei gegen den Krieg. Zwischen 1966 und 1973 desertierten 503.926 Soldaten und Wehrpflichtige. Dennoch versuchen Regierung, Medien und die amerikanische Gesellschaft nach dem RĂŒckzug der amerikanischen Truppen und dem Fall von Saigon diese Tatsachen aus dem kollektiven GedĂ€chtnis zu streichen. Ausgehend von Aussagen zahlreicher Veteranen aus der Bewegung der Kriegsdienstverweigerer sowie von Dokumentarfilmen aus den 70er Jahren rekonstruiert Filmemacher David Zeiger die zehn Jahre der amerikanischen Beteiligung am Vietnamkrieg und die Protestbewegung dagegen.
Mit den Vietnam-Veteranen Stephen Summers und Dave Blalock, die ĂŒber die aktuelle Kampagne gegen den Irak-Krieg innerhalb der US-Armee berichten werden.
So. 28.10. | 22.00 | Studio
The Weather Underground
USA 2003, Regie: Sam Green & Bill Siegel,
92 Min., engl. Originalfassung!
Die spĂ€ten 60er und frĂŒhen 70er: Zeit des Aufruhrs, Zeit von Studentenprotesten, Zeiten der Revolution. Schon vor Kriegsbeginn zĂ€hlten die „SDS“ (Students for a Democratic Society) Hunderttausende Mitglieder. Mit Beginn des Krieges in Vietnam löste sich eine Gruppe von ihnen und schloss sich zu den „Weathermen“, spĂ€ter „Weather Underground“, zusammen.
Unter dem Slogan „Bring the War Home“ wollten sie den Krieg gegen Vietnam stoppen. So entwickelte sich aus der Studentenbewegung eine militante Gruppe, deren Mitglieder schlieĂlich vom FBI verfolgt in den Untergrund gehen mussten. Der Dokumentarfilm zeichnet durch Archivmaterial aus Nachrichten, Zeitungen, des FBI und private Videoaufnahmen ein authentisches Bild der Zeit. Schonungslos werden auch Bilder des Vietnamkrieges gezeigt. Zwischen die Berichterstattung der Geschehnisse mischen Sam Green und Bill Siegel Statements ehemaliger „Weather Underground“-AktivistInnen.
