GDL will mit Bahn-Eigentümer Bundesregierung verhandeln

Frankfurt a.M.: Der Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Manfred Schell, hat erneut das Recht der 34.000 Mitglieder auf den ersten, eigenständigen Tarifvertrag in der 140-jährigen Geschichte der GDL (1) mit dem Staatskonzern „Bahn AG“ betont. Gleichzeitig verlangte er ein Gespräch mit den obersten Verwaltern des Volksvermögens der deutschen Eisenbahn – der Bundesregierung. „Die Aufrufe, man solle sich am Riemen reißen, verhandeln und Streiks vermeiden, helfen nicht mehr,“ so Schell (2).Gleichzeitig forderte die letzte, grosse, unabhängige und traditionsreiche Gewerkschaft den 1994 unter Kanzler Kohl geschaffenen Bahn-Konzern (3) ultimativ auf, bis Dienstag ein akzeptables Angebot zu unterbreiten. Wenn dies der Fall sei, werde man für die Dauer der Verhandlungen auf Streiks verzichten, so die Lokomotivführer auf ihrer grauenvoll schlecht gemachten Webseite http://gdl.de/ die auf einzelne Erklärungen nicht einmal mit permanenten Links verweist.
Und wo wir schon beim Thema sind: jedesmal wenn sich Radio Utopie dort wohlwollend nach Informationen erkundigte, hörte man erstmal ein ca.140 Jahre altes Seufzen:
„Jaa?….was wollen Sie denn von miiiir…Informatioooonen?…muss das sein?…na gut, warten Sie mal…ich geb Ihnen mal…(Fahrstuhlmusik, endlos)…Jaa?…was wollen Sie denn von mir…hier is´ aber auch wieder was los…na gut, warten Sie mal, ich stell Sie durch, aber nur ausnahmsweise…(Fahrstuhlmusik, endlos)…“ bis man dann endlich GDL-Sprecher Thomas Gelling am Apparat hat.
Wo war ich stehngeblieben? Ah ja.
„Der GDL liegt bisher nur das gestrige Urteil des Arbeitsgerichts Chemnitz zur Einstweiligen Verfügung für den Güter- und Fernverkehr vor“, so die Gewerkschaft. „Die Tatsache, dass Streiks im Nahverkehr erlaubt sind, im Güter- und Fernverkehr aber nicht, macht es erforderlich, zunächst die Begründung des Urteils zu prüfen, bevor eventuell Berufung eingelegt wird. Die Begründung liegt der GDL zurzeit noch nicht vor.“

Im Klartext: die Justiz fährt offenbar eine veritable Verzögerungstaktik zugunsten der Bundesregierung und ihrem Staatskonzern. Das Urteil des Arbeitsgerichtes Chemnitz löste jedenfalls bei Juristen bundesweit Kopfschütteln aus, auf die Begründung des Gerichtes darf die Republik gespannt sein. Jedenfalls ist das Streikrecht, was erst seit der Soldaten-Revolution 1918 (4, 5) existiert, durch die Entscheidung des Regionalgerichtes mal eben bundesweit abgeschafft worden. Eine Grundsatzentscheidung äusserster Tragweite, die eigentlich den entschiedenen Widerstand des „Deutschen Gewerkschaftsbundes“ DGB hervorrufen müsste. Dem ist aber nicht so, ganz im Gegenteil.

VERDI. WER, DIE?

Auf dem letzten Bundeskongress der sogenannten Dienstleistungsgewerkschaft „Ver.di“ vor 2 Tagen in Leipzig, griff der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske (Bündnis 90/Die Grünen) ausgerechnet die Lokomotivführer und ihre Gewerkschaft GDL an. Er sprach dabei eher wie ein Wirtschaftsvertreter, der sich Sorgen um das kapitalistische Wirtschafts-System macht.
Kämpferische Gewerkschaften, die für die eigenen Leute das Maximale herausholen wollten, so Bsirske, „nutzen ihre exponierte Stellung, kündigen der Mehrheit die Solidarität auf, reißen tiefe Gräben in Unternehmen“, so der Gewerkschaftsvorsitzende. (8)

Frank Bsirske ist seit dem 20.März 2001 Verdi-Vorsitzender (5). Seitdem hat „Ver.di“ fast eine halbe Million Mitglieder verloren (6). Trotzdem wurde er diese Woche mit 94,3 Prozent der Delegiertenstimmen auf dem Bundeskongress von Verdi wiedergewählt. Warum?
U.a. sicherlich auch darum, weil er sich überhaupt zum ersten Mal seit 2001 wieder einer Wahl stellen musste. Im sicherlich nicht ohne Argus-Augen von hochbezahlten Schönschreibern entstandenen Wikipedia-Eintrag (6) taucht das Wort „Bundeskongress“ nicht einmal auf, dabei ist es das höchste Legislativgremium. Wie bei Übermutti DGB läuft es hier so: Demokratie ja, aber praktisch nie. Die Demokratisierung der Gewerkschaften zu erreichen, wurde von den Funktionären dieser Apparate jahrzehntelang unterdrückt. Selbstversorgung und Heuchelei sind die ehernen Prinzipien dieser langsam in den Dino-Park watschelnden Saurier, die niemand braucht weil sie nichts erreichen und nichts durchsetzen.
Das ganze Gefasel von „Spaltung“ seitens eines gescheiterten Versagers an der Spitze eines sich selbst erstickenden Bürokratenapparates interessiert keinen mehr, ausser die Funktionäre, Beraterkollonen, und Sekretärinninninnen und Trotzkistinninninnen die dieser Moloch durchfüttert.
Es ist immer das Gleiche – ja, aber nicht mit uns, ja, aber nicht jetzt, ja, gleich, irgendwann mal, langfristig, wenn Du tot bist, Du Idiot.

Verdi glaubt dabei immer noch an die gute alte Bestechung. Verdi bezahlte für die Rosa-Luxemburg-Konferenz 2007 der marxistischen Tageszeitung Junge Welt. Auch ist Verdi Mitglied im globalisierungskritischen Netzwerk „attac“. (11)

Bereits 2004, im Jahre der Hartz-Gesetze durch die „rot-grüne“ Bundesregierung unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer, machten die Dax 30-Konzerne satte 70 Prozent mehr Profit als im Jahr zuvor (9). Trotzdem kürzte man im gleichen Jahr unter Kollaboration der sogenannten Gerwerkschaften Verdi, IG Metall und der Lobby DGB sämtlichen Belegschaften dieser Konzerne JEWEILS pauschal eine halbe Milliarde Euro an Lohn. (10)

Es müsse letztlich zu einer „Implosion des Gesamtsystems führen“, wenn immer mehr Gruppen im Alleingang operierten, so Verdi-Chef Bsirske. (8)
Es sind die Worte eines in der durch eigene Leute, aber auf Befehl des Scheingegners Kapital ausgehobenen Schlammgrube versinkenden Mannes, der bis zuletzt seine Schäfchen unter sich quatscht, damit er auf deren Schultern als letzter absäuft.

Die Zukunft gehört unabhängigen Gewerkschaften. Gewerkschaften wie der GDL.

weitere Artikel:
05.10.07
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http://radio-utopie.de/index.php?themenID=1020

05.10.07
GDL:“Bahn bekommt Zeit zu verhandeln“
http://radio-utopie.de/index.php?themenID=1019

04.10.07
ARD-Experte Möller zu GDL:“nur indirektes Streikrecht im Grundgesetz“
http://radio-utopie.de/index.php?themenID=1016

30.09.07
Der wahre Gegner der GDL: Bundesregierung und DGB
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=1001&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=9

Quellen:
(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gewerkschaft_Deutscher_Lokomotivf%C3%BChrer
(2)
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bahn80.html
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Bahn_AG
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Novemberrevolution#Die_Weihnachtskrise
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Volksmarinedivision
(6)
http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Bsirske
(7)
http://de.wikipedia.org/wiki/Ver.di#Entwicklung_und_Lage
(8)
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1190991953085.shtml
(9)
http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2005/01/12/a0137
(10)
http://www.wsws.org/de/2005/okt2005/vw-o21.shtml
(11)
http://de.wikipedia.org/wiki/Ver.di