Bundestag:Debatte ĂŒber Tornado-Einsatz an afghanischer Front

Berlin: In einem seltenem Anfall von aktivem Existenzberechtigungsnachweis hat die Linksfraktion des deutschen Parlamentes, ausnahmsweise mal VOR einer definitiven Entscheidung der deutschen Exekutive ĂŒber eine Verstrickung der Republik in das Kampfgeschehen an der Front im SĂŒden des von der NATO besetzten Afghanistan, heute eine Debatte im deutschen Parlament durchgesetzt(1).Und nicht nur das: es liegt doch tatsĂ€chlich ein Antrag der Linken vor, dies nicht zu tun. Unerhört.
Man fragt sich: wieviele Cappuccinos hat es dazu wohl gebraucht.

Drei AntrÀge zum Thema

Besonders auf das Verhalten von FDP und GrĂŒnen darf man gespannt sein. Es liegen drei AntrĂ€ge vor. Der Antrag der Linksfraktion es nicht zu tun, der Antrag der FDP auf jeden Fall ein neues Mandat dafĂŒr im deutschen Parlament einzuholen und der Antrag der GrĂŒnen, im Rahmen des bestehenden Mandates der NATO keine Zusage ĂŒber den Tornadoeinsatz ohne Zustimmung des Bundestages zu geben.(2)

Bisher hatte die Legislative noch jede Verstrickung der Republik in den Krieg in Afghanistan devot abgenickt, selbst unter dem EingestÀndnis, keine Ahnung zu haben, was da eigentlich passiere.
Über KSK-EinsĂ€tze, obwohl von der Verfassung klar geregelt, hatten die Parlamentarier keine Ahnung, der Kriegsverlauf war völlig anders als ihnen in den letzten 6 Jahren erzĂ€hlt wurde, aber bisher taugten die gĂ€ngigen Hypnoseformeln des Krieges immer, wenn sie durch das Wörtchen „Terror“ ergĂ€nzt wurden.

Symptomatisch dafĂŒr der Redebeitrag von Werner Hoyer im Bundestag bei der VerlĂ€ngerung des ISAF-Mandates am 28.September im Bundestag.
Hoyer rechnet der Regierung vor, es gĂ€be bereits einen „veritablen Kampfeinsatz im Norden“. Auch sie z.B. der Zivilaufbau in Frage gestellt, die Zahlen von Schulen seien „rĂŒcklĂ€ufig“.
„Möglicherweise treibt Pakistan ein Doppelspiel“, so der FDP-Außenexperte im September 2006 und zitiert einen MilitĂ€r: “
„`Wir werden nicht notwendigerweise verlieren`. Liebe Bundesregierung, das ist mir zuwenig.“ Und dann Hoyer zu Franky Steinmeier:
„Ich bin von ihnen nicht ein einziges Mal vertraulich ĂŒber die Maßnahmen im Zuge der Operation Enduring Freedom informiert worden, nicht ein einziges Mal..“
Und was machte Werner Hoyer dann? Er stimmte der VerlÀngerung des ISAF-Mandates zu.(3)

Der Krieg in Afghanistan ist genauso verloren wie der im Irak

Zum Zeitpunkt der ISAF-MandatsverlĂ€ngerung im September 2006 hatte der deutsche Botschafter in Kabul bereits einen kompletten Kontrollverlust fĂŒr ganz Afghanistan innerhalb von 12 bis 18 Monaten prognostiziert, der SĂŒden von Afghanistan sei an die Afghanen verloren und durch die NATO nicht mehr zu halten.
„Afghanistan ist nur verloren, wenn wir es verloren geben“, so dazu Franky Steinmeier, in einem seiner vielen wirren, sinnfreien und blödsinnigen Äußerungen zum Thema, mit denen der Außenminister immer glĂ€nzt, wenn er keine Argumente hat, aber NATO-Minister spielen muß.
Allein am 26.Oktober tötete die NATO durch Luftbombardements 85 „Terroristen“. NatĂŒrlich wurde erstmal wieder durch die entsprechenden Schwatzorgane des westlichen Krigespaktes dahergelogen was das Zeug hielt, doch am Ende kam wieder einmal raus: die NATO hatte an der Front ganz simpel und einfach drauflos bombardiert und 80 Agfghanen ermordet, die in keinster Weise in irgendwelche Kampfhandlungen verstrickt gewesen waren.(4)

Der französische PrĂ€sident Jaque Chirac hatte sich bereits am 27.November fĂŒr eine politische Entmachtung der NATO in Afghanistan ausgesprochen.
In einem Zeitungsbeitrag in der Republik setzte sich Chirac fĂŒr eine internationale „Kontaktgruppe“ mit Vertretern aus „LĂ€ndern der Region“ sowie mit den Invasionsstaaten und internationalen Organisationen ein.
Auch mĂŒsse sich die EU innerhalb der NATO eine eigene Struktur schaffen.
Außerdem benannte der französische PrĂ€sident die Vereinten Nationen als „einziges politisches Forum mit universeller Bestimmung“.(5)

(1)
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6316688_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html
(2)
http://bundestag.de/parlament/plenargeschehen/to/77.html
(3)
http://radio-utopie.de/archiv.php?themenID=146&JAHR_AKTUELL=2006&MON_AKTUELL=9
(4)
http://radio-utopie.de/archiv.php?themenID=155&JAHR_AKTUELL=2006&MON_AKTUELL=10