Ende des Irakkriegs 2007 in Sicht
Washington / Sacramento: eine ĂŒberparteiliche Gruppe von drei einfluĂreichen Senatoren brachte gestern eine Resolution im US-KongreĂ auf den Weg, die die „beschleunigte Ăbergabe“ des Irak fordert. (1)
PrĂ€sidentschaftskandidatin Hillary Rodham Clinton unterstĂŒtzte die Resolution, der Gouverneur Kaliforniens, Arnold Schwarzenegger, forderte einen Abzug der Truppen bis Ende 2007.(2)Die drei Senatoren Joseph R. Biden Jr. (D), Carl M. Levin (D) und Chuck Hagel sind nicht irgendwer. Sie reprĂ€sentieren das behĂ€bige und korrupte Establishment des Kongresses.
Biden ist Vorsitzender vom AuswÀrtigen Ausschuss und Levin Vorsitzender des StreitkrÀfteausschuss im Senat. Hagel sieht sich selber als möglicher PrÀsidentschaftskandidat der Republikaner und hatte Condoleeza Rice im AuswÀrtigen Ausschuss vor ein paar Tagen zum Thema Irak de facto verhört.(3)
Ăberhaupt war gestern der Tag der Pressekonferenzen (4). Getrieben durch die eindeutige Haltung der US-BĂŒrger, die selbst fĂŒr die geĂŒbten Autisten der Washingtoner KĂ€seglocke nicht mehr wegzureden ist, ergieĂt sich jetzt die ganze Bande von Nichtstuern aus dem KongreĂ vor die Kameras und versucht, vom dramatischen Zerfall der US-Exekutive zu profitieren.
Im traditionell auf Bundestagsniveau herunterignorierte ReprĂ€sentantenhaus forderten gestern 74 Abgeordnete einen völligen RĂŒckzug (5). Das praktisch nirgendwo dazu ĂŒberhaupt nur eine Mitteilung in der Presse steht, zeigt die Bedeutungslosigkeit dieser Kammer des US-Kongresses. Sie dient praktisch als AbfluĂbecken fĂŒr politische Talente der US-Republik, die damit dem eigentlichen Apparat Washingtons nicht mehr in die Quere kommen.
Die Resolution der drei Senatoren und Ausschussvorsitzenden Biden, Levin und Hagel ist deswegen so unerhört, weil sie vom festgezurrten „Ja, aber“ zum „Nein, aber“ ĂŒbergeht.
Zum allerersten Mal stellt sich das US-Parlament (und das heiĂt immer nur: die Strippenzieher in den AusschĂŒssen) gegen den Krieg.
Der KongreĂ widersetzt sich nicht nur der TruppenverstĂ€rkung, die nach den Worten des wahrscheinlich nĂ€chsten AuĂenministers der USA, Richard Hoolbroke eh strukturell viel zu schwach ist um den militĂ€rischen Verlauf des Krieges zu beeinflussen (6).
Das US-Parlament droht der Bushregierung sogar damit, nicht alles an Wahnsinns-Summen dem ferngesteuerten KriegsprĂ€sidenten in den Rachen zu schmeiĂen, die dieser fĂŒr das Pentagon fordert.
FĂŒr US-VerhĂ€ltnisse unerhört.
FĂŒr den Irak-Krieg hat das zweitdĂŒmmste Parlament der Welt bereits ĂŒber eine halbe Billion (500.000.000.000) Dollar der Bevölkerung rausgeschmissen(7), und zwar ohne in irgendeiner Art und Weise auch nur zu fragen, was das Pentagon und sein GarderobenstĂ€nder im WeiĂen Haus damit eigentlich anstellte.
Diese ungeheuren BetrĂ€ge kommen vor allem durch eins zustande: durch 100.000 Söldner allein im Irak(8), sowie als Gage fĂŒr Folterer, Profikiller, Terroristen und TodesschwadronĂ€re, weltweit im Krieg „on terror“ unterwegs.
DaĂ Senator Hillary Rodham Clinton, die die erste CĂ€sarin der USA werden wird, sich nun klar gegen den Krieg stellt, ist das beste Zeichen dafĂŒr, daĂ er verloren ist.
Clinton ist nach den bitteren Amtsjahren als First Lady darin geschult, zusammen mit ihrem eingeschworenem Stab von Mitarbeitern quasi-militÀrisch vorzugehen. Sie fordert nur dann etwas, wenn es sich von selbst durchsetzt.
Das auch Arnold Schwarzenegger die WestkĂŒste mit einer UnterstĂŒtzung fĂŒr den Truppenabzug bis Ende 2007 ĂŒberrascht, können nur „Spiegel“-Leser fĂŒr einen Zufall halten.
Schwarzenegger hat sogar offengelassen, ob er seine eigene Partei bzw. ihren PrĂ€sidentschaftskandidaten ĂŒberhaupt unterstĂŒtzt(9).
Denkbar ist auch ein Regierungsposten unter CĂ€sarin Clinton,quasi als „Versöhnungsgeste fĂŒr ein gespaltenes Land“, und so weiter..
Man muĂ sich ĂŒber diesen Tag freuen. Oder besser, man kann es.
Auch wenn sich der Krieg nach Afrika verlagern wird (wir berichteten,10). Richard Hoolbroke jedenfalls forderte schon mal deutsche Soldaten fĂŒr Darfur und Somalia(6).
Aber auch das nochnotpeinliche Debakel der Olmertregierung, was gleich auch den militĂ€risch-industriellen Kompex Israels bis in die Grundfesten erschĂŒttert(11), der Abgang mit Tritt fĂŒr Tony im britischen Empire, die Abwahl Berlusconis und die ernsthaften Probleme der Merkel/MĂŒntefering/Steinmeier-Regierung in Deutschland machen einen umfassenden Angriff der Kriegskoalition auf den Iran unmöglich.
Nur Interkontinentalraketen schaffen es durch die mit russischen Tor-M1-Abwehrsystemen ausrĂŒstete Luftabwehr Irans (siehe unseren Artikel vom 12.August 2006,(12)).
Und diesen Wahnsinn machen, laut Richard Hoolbroke, die US-GenerÀle nicht mit(6).
Also: cool bleiben. Wird alles gut.
Quellen:
(1)
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/01/17/AR2007011702328.html
(2)
http://www.orf.at/ticker/241623.html
(3)
http://radio-utopie.de/index.php?themenID=218
(4)
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/01/17/AR2007011702096.html
(5)
http://abcnews.go.com/WNT/story?id=2803105&page=1
(6)
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/politik/621143.html
(7)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,457186,00.html
(8)
http://www.msnbc.msn.com/id/16047618/
(9)
http://cbs5.com/politics/local_story_017223641.html
(10)
http://radio-utopie.de/index.php?themenID=217
(11)
http://radio-utopie.de/index.php?themenID=229
(12)
http://radio-utopie.de/archiv.php?themenID=120&JAHR_AKTUELL=2006&MON_AKTUELL=8