Aktiv gegen Stuttgart 21Aktiv gegen Stuttgart 21

« | Home | »

Maas halten im Saarland

Der ehemalige Ministerpräsident Oskar Lafontaine könnte gegen seinen ehemaligen SPD-Zögling noch verlieren, wenn er so weitermacht.

Von Daniel Neun | 4.August 2009

Der ehemalige Ministerpräsident Oskar Lafontaine könnte gegen seinen ehemaligen SPD-Zögling noch verlieren, wenn er so weitermacht.

Seit Wochen gibt es schon keine Umfragen mehr, weil man denen ja sowieso nicht trauen kann. Die “Linke” im April bei 23 Prozent (1) und das in einem westdeutschen Bundesland, was sowieso viel zu nah bei diesen irren Franzosen liegt denen auch nie zu trauen war, nein, nein – das geht nicht.

SPD-Wunderkind Heiko Maas, der es als ehemaliger Angestellter des Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine nach dessen Abgang aus SPD und Bundesregierung 1999 immerhin schaffte dessen letztes Wahlergebnis von 49 Prozent in 1994 bis heute noch nicht ganz zu halbieren (2), hat schon jetzt eine ländliche Auflage des in Berlin so erfolgreichen Modells der Unterwerfung unter die CDU angekündigt. Das steht ihm auch gut. Bei den letzten Umfragen lag er noch bei 26 Prozent und wenn er Glück hat hält er Platz zwei, hinter wem auch immer.

Oskar Lafontaine und seine Partei – das ist “die Linke” im Saarland, das betreitet niemand, im Rest der Republik ist “die Linke” die Gysi-Partei – werden am 30. August zwar nicht gegen das deutsche Grundgesetz kämpfen müssen (das tun ja schon alle anderen), aber dafür gegen das deutsche Obergesetz: die Gewohnheit.

Man geht nicht wählen, in Deutschland, man geht in die Kirche. Sonst geht man noch zur Hölle. Man hört auf den Grossvater, auch wenn der schon gar nichts mehr sagt, man denkt sich, nein, denkt sich lieber nichts, knippst am Wahlsonntag den Autopiloten an und dann schnurstracks hin in die Wahlurne und reinlegen.
Wenn man dann drei Tage später wieder auferstanden ist von den Toten und Zeitung liest, merkt man dann was für einen Dreck man da wieder gebaut hat, aber dann hat man ja vier, nein, fünf Jahre Zeit sich wieder abzuregen. Man könnte das die innere preussische Wahlordnung nennen. Einfach machen, kurz aufregen, Jahre zubuddeln, man kann ja nichts machen, Sie wissen schon.

Nun ist Oskar Lafontaine seit dem Attentat auf ihn 1990 gesundheitlich angeschlagen. Darüber redet niemand gerne, er schon gar nicht.

Wovon man aber ausgehen kann, das ist so sicher wie das Amen in der Wahlkabine, dass er nach einem Wahlergebnis von 25 Prozent am 30.August 2009 und darauffolgenden 5 schrecklichen Jahren einer grossen Koalition im Jahre 2014 wieder dastehn wird und dann 30 Prozent bekommen wird. Und wenn er dann wieder nicht werden darf, was er noch werden will bevor er stirbt, dann wird er 2019 eben wieder dastehn (ob es “die Linke” gibt oder nicht gibt spielt sowieso keine Rolle) und noch im Rollstuhl 40 Prozent holen.

Es gibt so Leute. Denen sollte man lieber gleich geben was sie wollen, sonst holen sie es sich. Egal wie lang das dauert.

Wenn Heiko Maas jetzt also wie immer ist, dann versucht er in der Tat mehr als “der linke Finger von Oskar Lafontaine” zu holen und kann dann wenigstens von Peter Müller (CDU) verlangen so zu tun, als wäre er, Heiko Maas, ein fähiger stellvertretender Ministerpräsident. Dieses Ziel wird er aber nicht erreichen, wenn er einen Wahlkampf gegen Lafontaine führt.

Wenn Lafontaine wiederum schlau ist, dann führt er den Wahlkampf gegen die CDU den sonst niemand führt, tut so, als ob die SPD gar nicht da ist (was politisch den Tatsachen entspricht) und tätschelt dann Heiko Mass als Mr.Drittplatzierten gönnerhaft den Schädel und sagt, “Geh, mach doch wuff bei der CDU, ich halte noch bis 2014 durch, bis Du die SPD in Zeiten der Weltwährung bei 15% geparkt hast.”

Wenn Lafontaine aber so weitermacht und sich versucht bei einer Partei einzuschleimen die wiederum seit 10 Jahren nichts macht ausser sich bei der CDU einzuschleimen, dann wird Lafontaine schon wieder und doch noch verlieren.

Seine Antwort auf eine Userfrage im ARD-Interview am Sonntag war bezeichnend für das Versagen jeder irgendwie progressiven politischen Richtung, Partei oder Bewegung, seit die sozialdemokratische Weisheit in den 60ern die Runde machte “Die anderen haben den Rundfunk, wir haben den Mundfunk”.

Auf die Frage “Wie kann die Linke effektiv gegen die gezielten Medienampagnen vorgehen?” war Lafontaines Antwort (3): “Indem wir sie zum Thema machen”. Und dann zählte er auch noch Beispiele seiner Gegner auf.

Im Leben nie käme Lafontaine, der “Linken”, der “SPD” oder den “Grünen” die Idee, selber Medien aufzubauen. Dazu sind diese Apparate doch viel zu dumm und zu faul. Lieber schleimt man sich bei den Medienmonopolen ein, versucht diese noch besser zu bestechen als die anderen (was naturgemäss unmöglich ist) und hält sich maximal ein, zwei Haus- und Hofpostillen die niemand mehr sehen kann, weil sie so grottenschlecht und langweilig sind. Oder man lässt einfach zu, wie die wenigen Blätter und Redaktionen in wenigen Sendern die noch nicht von den Hohepriestern der Gegenseite bequatscht wurden, substanziell umgelenkt und unterwandert werden, eben wie die eigenen Parteien; weil der politische Gegner in der Rechten immer offensiv denkt und man selber immer meint, nur ja verlieren zu müssen um wieder mal Opfer und abschreckendes Beispiel zu spielen.

Andrea Ypsilanti und Kurt Beck waren da zwei Beispiele. Bis heute gibt es nicht eine einzige Zeitung bundesweit, ob Printmedien oder im Internet, welche die SPD offensiv verteidigt und vertritt – weil die SPD sich nicht mal selber offensiv verteidigt und vertritt.

Bei der Gysi-Linken sieht´s genauso aus. Wer ernsthaft das “Neue Deutschland” als die eigene Medienlobby ausgibt und schon vor der “Jungen Welt” wegläuft, der will verlieren und kann das auch, wenn man auch sonst nichts kann in dieser Fantom-Linken.

Der Posten des saarländischen Ministerpräsidenten war und ist die Rolle, die Oskar Lafontaine zusteht. Das wollte er immer und das konnte er auch gut. Er ist ein Landesvater und Bundesvater wollte er ja nicht werden, sondern musste uns unbedingt 11 Jahre Schröderpartei auf den Hals hetzen. Soll er jetzt wenigstens im Saarland einmal was riskieren.

Es liegt jetzt bei Lafontaine selbst, ob er Ministerpräsident im Saarland werden will. Angst zu haben braucht da jedenfalls keiner mehr.

Und wer die immer noch hat, soll in die Kirche gehen.

Quelle:
(1) http://www.welt.de/die-welt/article3563503/Das-Schicksal-der-Saar-SPD-haengt-von-Lafontaine-ab.html
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahlen_(Saarland)
(3) http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video542386.html

Diesen Artikel empfehlen und weiterverbreiten:
  • Twitter
  • Google Bookmarks
  • Google Buzz
  • del.icio.us
  • Digg
  • Yigg
  • MisterWong.DE
  • LinkArena
  • Blogosphere
  • Add to favorites
  • LinkedIn
  • FriendFeed
  • MySpace
  • RSS
  • PDF
  • Print

Topics: Politik | Kommentare deaktiviert

* * */

Kein Kommentar to “Maas halten im Saarland”

  1. anna meint:
    4.August 2009 at 15:44

    und die hetze gegen Oskar geht weiter- da frage ich mich habt ihr Journalisten diese 3 Kandidaten mal ernsthaft unter die Lupe genommen?
    Pit dessen Lieblingskommentar zu allem und jedem nur “TOLL” ist- grausam- dann das Lehrbübchen Maas…..wenn Chef Oskar kommt versinkt er im Einheitsbrei der Speichellecker.
    Und wem Jubel die Saarländer zu ? Oskar!!!!!!
    Auch wenn es der CDU und dem Rest der Republik nicht gefällt- WIR SIND OSKARLAND!

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. General-Investigation meint:
    4.August 2009 at 15:52

    Nun ja, die Parteienlandschaft ist ein Elend, keine Frage. Ob die eine oder andere Partei fähig oder unfähig ist, kann man so pauschal gar nicht sagen, denn immerhin schimpfen die Parteien nur auf Ihre politischen Gegner und können leider Gottes nichts dazu sagen, was Sie denn nun selbst geleistet haben.

    Und das gilt für die CDU wie auch für die SPD, die Grünen und die FDP und ebenso für die Linken.
    Die Linken allerdings haben einen Vorteil – den sie wirklich ausbauen könnten und ein deutlicher Vorteil bedeuten würde – denn sie sprechen die Sprache des Wahlvolkes und treffen durchaus öfter ins Schwarze als die Schwarze und Rote Partei zusammen.
    Wenn die Linke sich auf die Hinterbeine stellen würde und nicht ständig nur dummes Geschwätz aus Richtung der Volksparteien käme, würde sicherlich einiges anders aussehen können, dessen bin ich mir sicher.
    Die etablierten Parteien reden nur deshalb alles schlecht und nicht finanzierbar was die Linken machen wollen, weil ihnen die nötige Phantasie fehlt, sie viel zu sehr den Lobbyisten hinterher rennen und zuviel Nebeneinkünfte als Aufsichtsratsmitglied oder sonstwie verdienen.
    Nicht eine Partei aus alten Zeiten kann behaupten, keinerlei Fettflecken auf der weste zu haben oder was glauben alle, warum das Verfahren gegen Karl Heinz Schreiber erst nach der Bundestagswahl beginnen soll???

    Aber das Wahlvolk hat ja schon vergessen das Schäuble und Kohl und viele andere geschmiert wurden – komisch nur das die Staatsanwaltschaft die Füße stillgehalten hat oder stillgehalten wurde…

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. bJ meint:
    4.August 2009 at 16:09

    …, das ist so sicher wie das Amen in der Wahlkabine…”

    hehe, lange nicht mehr so gelacht

    Hier noch n Interview mit Lafontaine beim teutschen Staatsfernsehen.
    http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video542380.html

    Wir wollen keine Kriegseinsätze.
    Ja, aber mit den (Auslands-)Einsätzen geht es doch um unsere Sicherheit, vor int. Terrorismus.

    Man beachte das Neusprech…

    Krieg ist Frieden(Auslandseinsätze)
    und
    Versklavung ist Freiheit(Sicherheit)

    Leute, 1984 war nicht als Anleitung gedacht…

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. General-Investigation meint:
    5.August 2009 at 00:15

    @ moe

    “Ist die einzige Chance die Demokratie zu erhalten.”

    Ähm, welche Demokratie bitte? Hatten wir schon mal eine, also eine wirklich echte so mit allem was dazu gehört?
    Dazu gehört ganz sicher mehr, wie z.B. das hier:

    http://general-investigation.blogspot.com/2009/08/eure-stimmen-fur-den-volksentscheid.html

    Dann fängt vielleicht etwas Demokratie an…

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  5. luksarre meint:
    5.August 2009 at 00:21

    auch wenn es euch saardeutschlümmel net gefällt:

    Mir senn aach kä oscarland, mir senn SARREland.

    gruss ausem nordsarreland

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  6. Maas halten im Saarland - SaarBreaker meint:
    5.August 2009 at 14:00

    [...] Quellennachweis für diesen Beitrag: Netzwerkpartner Daniel Neun, Radio Utopie [...]

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  7. Jim Meiers meint:
    5.August 2009 at 14:18

    Wenn es nur an den Medien läge… Es gibt sie ja, die unabhängigen (Print)Medien wie junge Welt, Freitag, Neues Deutschland und im Internet sowieso. WARUM aber hat z.B. die junge Welt nur eine Auflage von 10.000 Exemplaren??? Kann es nicht sein, das die meisten Menschen einfach aus Faulheit selbst (nach)zu denken beschissen werden wollen?!

    Wie bewerten Sie den Kommentar? Daumen hoch 0 Daumen runter 0