Widerstand seit 12 Tagen

Autor: Mahaf

Berliner Taxifahrer wehren sich weiter gegen TXL-GebĂŒhr. Der Vorgang taugt beispielhaft zu mehr als nur fĂŒr’s StadtgesprĂ€ch.

Auf das ErbĂ€rmlichste heruntergewirtschaftete, ehemalige Facharbeiter einer einstmals prosperierenden Großstadt – und von GroßmachttrĂ€umern oktroyierten “Hauptstadt” und deren forciertem, symmetrischen Niedergang – leisten den brĂ€sigen, dem “Peter Prinzip”(1) folgenden Executives aus “Wirtschaft” und Politik unĂŒberhörbaren, nachhaltigen Widerstand.

“Suboptimal” nannte der Pressesprecher der BFG, Eberhard Elie, den Erfolg der vermutlich illegalen Maßnahmen der BFG zur Durchsetzung ihrer neofeudalen Idee des Wegezolls innerhalb des öffentlichen Raumes von einer sich erhaben wĂ€hnenden Hebelbedienerauswahl betriebenen, persistenten Zersetzungsstrategie grundlegender Prinzipien unseres demokratischen Rechtsstaatsmodelles seit anno ‘49 und Carlo Schmidts Grundsatzventilation.

Was wir hier gerade beispielhaft erleben, ist die Konfusion, die sich zwangslĂ€ufig ergibt, wenn sich der mutwillig vor dem Kapital in die Defensive geratene Staat “professionell” von seinen originĂ€ren Obliegenheiten verabschiedet und diese privatisiert. Es lohnt ein nochmaliger Blick ins Organigramm der BFG(2) auf den Seiten 24 und 25.

Diejenigen, die eine SchwĂ€chung ihrer “eigenen” Herde durch multikuturelle Durchmischung und damit eine Egalisierung regional bedingter SolidaritĂ€t zugunsten ihrer eigenen Globalisierungs-, und Profitbestrebungen herbei zu fĂŒhren suchten, sehen sich schlechterdings mit lokalen Synergieeffekten konfrontiert, die trotz unschöner und sicherlich nicht allseits ethisch akzeptierter Verhaltensweisen situativ wirksam werden.

Wir werden noch sehen, ob der Klage dreier Taxifahrer gegen die Maßnahmen der BFG vor Gericht stattgegeben werden wird. Solange ein Schiedsspruch nicht vorliegt, kann auch die Falle nicht zuschnappen. So wissen wir seit Donnerstag durch eine via “Inforadio Berlin” verbreitete Meldung, daß die zur Grundversorgung des Flughafens mit Taxifahrzeugen notwendige, kritische Masse nach EinschĂ€tzung der Logistiker(3) bei ca. 800 liegt. Ob tatsĂ€chlich bereits eine solche Anzahl von RFID-Transpondern(4) der Firma NEDAP(5) zum WucherstĂŒckpreis von rund 20 € den Besitzer gewechselt haben, darf angezweifelt werden. Es kann Entwarnung gegeben werden, daß das System von NEDAP aufgrund der geringen Reichweite des elektromagnetischen Impulses, der an der Schleuse des NachrĂŒckplatzes 1 ausgestrahlt wird, auch fĂŒr weiterreichende Anwendungen im öffentlichen Straßenland eingesetzt werden kann. Dieses wird momentan zuverlĂ€ssiger durch das Aussenden von Mikrowellenimpulsen, wie beim System der “Toll-Collect” realisiert. Vielmehr kann sich die Humanressource Taxifahrer eher mit einer am Haken hĂ€ngenden RinderhĂ€lfte vergleichen, die am Band die ZĂ€hlstelle passiert und eindeutig identifiziert wird. Es ist anzunehmen, daß sich das System bereits durch massenhaften Ankauf der “Logi Tags” amortisiert. Und ĂŒberhaupt: Kennen wir die Firma NEDAP nicht bereits von anderen Kollisionen(6) mit unserem Gerechtigkeitsempfinden her?

Noch ein paar Worte zum Deal des DĂŒsseldorfer Kraken “Q-Park”(7) mit der “Securitas”(8): Man möchte ja fast gerne den Job wechseln, wenn man hört, daß die angebliche Budgetierung i.H.v. 500.000 € hauptsĂ€chlich der Bezahlung der Amtsanmaßung von sechs Ordnern diene. Wer möchte nicht knapp 7000 € brutto monatlich beziehen? Aber so ist es natĂŒrlich nicht. Warum sonst wohl dachte vor gut zwei Jahren “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen”-MĂŒnte “gegebenenfalls Lohnuntergrenzen” von weniger als 5 €/Std. fĂŒr RevierwachmĂ€nner(9) in Brandenburg an? Klar, daß die Kohle da in eine andere Richtung ĂŒber den Tisch geschoben wird. Wie aus Kennerkreisen der Security-Szene zu erfahren ist, gehört es auch durchaus zum Usus, daß sich die Sicherheitsfirmen untereinander im Rahmen von Sub-Deals Wachleute ausleihen – je nach Auftragserfordernissen. Stattdessen wird aber lieber ĂŒber die Schwarzarbeiterquote in Taxiunternehmen sinniert und das vorher eher selten gesehene Labo erscheint demonstrativ aus gegebenem Anlass auf dem Plan, um genau jetzt wĂ€hrend des berechtigten Arbeitskampfes RegelverstĂ¶ĂŸe zu ahnden.

Mit Spannung erwarten wir also die nÀchste Runde in der Auseinandersetzung. Denn eins kann man wohl sagen: Die Berliner Taxifahrer sind im Recht und ihr Anliegen findet auch in der Stadtbevölkerung VerstÀndnis. Ist sie doch ebenfalls Opfer umfassender Privatisierungswellen(10) zugunsten der Bankster(11) geworden.

Weitere Artikel:

16.06.2009 Erfolgreicher Warnstreik gegen parasitĂ€re Taxi-”Industrie”

17.06.2009 Berliner Taxifahrer werden nun doch von ungeliebten VerbĂ€nden und Senat ĂŒberrollt

03.07.2009 Berliner Taxifahrer lassen sich nicht ablenken

Quellen:

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Prinzip

(2) http://www.berlin-airport.de/DE/Presse/BilderDownloadOrdner/Geschaeftsbericht.pdf

(3) http://www.cluster-logistik.de/portal/news_detail,98017,758,134211,detail.html

(4) http://www.nedapindustrialid.com/en/industrialid/transponders.php

(5) http://www.nedap.nl/en/news.php?id=117

(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Nedap

(7) http://www.q-park.de/Unternehmen/tabid/1155/language/de-DE/Default.aspx

(8) http://www.securitas.com/de/de/beruf-karriere/stellenmarkt/

(9) http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=16161

(10) http://www.wasseruntermhammer.de/site/film/trailer.html

(11) http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Bankenskandal