Frankreichs Neue Weltordnung: "Bombe oder Bombardierung!"
Frankreichs Nicolas Sarkozy bringt sein Land als Vermittler und geopolitischen Architekten ins GesprĂ€ch. Als auĂenpolitische Ziele nennt er die StĂ€rkung von UNO, EU und G8, langfristiges Engagement im Irak sowie eine Partnerschaft zwischen der EU und der TĂŒrkei. Der PrĂ€sident der „Grande Nation“ wirbt fĂŒr sich als assistierenden Baumeister und willigen Vollstrecker der kommenden faschistischen Weltordnung.Sarkozy hielt auf einer Pariser Konferenz vor 180 französischen Diplomaten eine Grundsatzrede zur französischen AuĂenpolitik. Darin forderte er eine Reform des UNO-Sicherheitsrates durch eine stĂ€ndige Mitgliedschaft von Deutschland, Japan, Indien und Brasilien [1]. Dies wĂŒrde insbesondere den Einfluss der Trilateralen (USA-EU-Japan) vergröĂern. Frankreich und die „Friedensmacht“ Deutschland (SPD-Slogan zur Europawahl 2004 [2]) stehen in der EU derzeit ohnehin an der informellen Spitze.
FĂŒr die EU schwebt dem französischen PrĂ€sidenten eine eigenstĂ€ndige Sicherheitspolitik vor. Dies bedeutet jedoch keinen RĂŒckzug von der Militarisierung der EU oder den US-Projekten im Irak und Iran. Im Gegenteil: Sarkozy will eine Ausweitung des militĂ€rischen Engagements in aller Welt [3]. Auch die Freundschaft zu Israel und den USA betonte er in seiner Grundsatzrede [4].
AuĂerdem drang Sarkozy auf einer StĂ€rkung der afrikanischen Vertretung bei den Vereinten Nationen. Frankreich ĂŒbt als ehemalige Kolonialmacht [5] weiterhin groĂen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent aus. Die Jugendlichen der Unruhen von 2005 hingegen bezeichnete er seinerzeit laut französischen Fernsehberichten bisweilen auch als „Gesindel“ oder „Wundbrand, den man wegschneiden“ mĂŒsse. Insgesamt steht Sarkozy fĂŒr eine Militarisierung von Gesellschaft und Politik. Er sieht einen Kampf der Kulturen [6], wie er von fĂŒhrenden Köpfen der USA propagiert wird.
Im Zuge der Debatte um die Aufnahme der TĂŒrkei in die EU bekrĂ€ftigte Sarkozy ein weiteres Konzept zu zwischenstaatlichen BĂŒndnissen nach dem Vorbild der EU: die „Union de la MĂ©diterranĂ©e“ [7]. Sarkozy stellt sich einen Verbund der Anrainerstaaten des Mittelmeeres vor. Dies wĂŒrde auch eine stĂ€rkere Bindung zwischen Staaten wie Algerien und Libyen an die EU zur Folge haben. Der Weg zum Bau eines ĂŒberdimensionierten Staatenbundes wird so weiter verfolgt. GrundsĂ€tzlich wĂ€re gegen eine vereinte Welt nichts einzuwenden. Die Motive von Sarkozy und Anderen liegen jedoch weniger im „ewigen Frieden“ (Kant) als in Krieg und Ausbeutung.
Langfristiges Engagement im Irak
Der US-Regierung schlĂ€gt Sarkozy vor, einen Zeitplan fĂŒr den Truppenabzug zu entwerfen. Er sieht Frankreich als Vermittler in diesem Konflikt. Letztlich wĂŒrde dies aber vor allem ein langfristiges französisches Engagement im Irak sowie eine nachtrĂ€gliche Legitimierung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges bedeuten. WĂ€hrend sich Frankreich offiziell gegen die US-Politik Stimmung macht, werden die Forderungen der anglo-amerikanischen Besatzer nach einer stĂ€rkeren PrĂ€senz der UNO wiederholt. Diese hatte sich bisher mit dem Hinweis auf den Bruch des Völkerrechts geweigert, sich militĂ€risch im Irak zu engagieren. Eine Ănderung dieser Politik legitimiert den Einmarsch und seine Folgen fĂŒr die Zivilbevölkerung.
Nach den RĂŒcktrittsforderungen an den irakischen Premier Nouri al-Maliki hat sich Frankreichs AuĂenminister Kouchner fĂŒr die Einmischung in innere Angelegenheiten entschuldigt [8]. Seine Kritik an Maliki bekrĂ€ftigte er jedoch. Dieser tue nicht genug, Sunniten, Schiiten und Kurden zu einen.
Frankreich und der Iran
Im Atomstreit mit der iranischen Republik sieht Sarkozy derzeit nur drei Möglichkeiten. Sollte die erste, eine diplomatische Lösung, scheitern, bliebe nur „die iranische Bombe oder die Bombardierung Irans“, wie die FAZ [9] bemerkt. Ein schockierender Ausdruck der Wende in der französischen Politik. Dies deckt sich jedoch mit der Haltung von Angela Merkel. Sie und Sarkozy dĂŒrfen getrost als treue VerbĂŒndete der USA gelten, die in einer atomaren Bewaffnung des Iran eine Gefahr fĂŒr den Weltfrieden sehen.
Quelle:
http://www.danielreitzig.de/?p=116
