Immer noch werden Hexen verbrannt auf den Scheiten der Ideologie

"Höchste Zeit aufzustehn!" Mahnung von Konstantin Wecker im Jahr 1978 bis zu "Empört euch!" von Stéphane Hessel im vergangenen Jahr - jahrzehntelange vergebliche Kassandra-Rufe der Intellektuellen stossen auf taube Ohren. Wie lange noch ist dieses Volk so schwerhörig und blind gegenüber einer abgekoppelten, entfesselten irrwitzigen Geisterschar von Wahnsinnigen im Berliner Olymp und verharrt im eingetrichterten hörigen Aberglauben an die Obrigkeit ohne die eigene Vernunft zur Verantwortung einzuschalten?

Hermann Hendrich: Hexentanz (Wandgemälde aus der Walpurgishalle)

In der heutigen Nacht ist es in vielen Gegenden unseres Landes noch immer althergebrachter Brauch, mit viel Lärm und dem Verbrennen einer symbolischen Hexe auf dem Lagerfeuer böse Geister zu verjagen.

Dieser uralte Ritus, der nicht mit den Ketzerverbrennungen auf den Scheiterhaufen der mittelalterlichen Kirche in Verbindung steht, hat seine einstige Bedeutung längst verloren und wird als geselliges Zusammensein zünftig in Privatgärten und Vereinen gefeiert, wobei als Schattenseite dieser "Hexennacht" eine um sich greifende Kommerzialisierung durch einige Veranstalter unausweichlich zu unserer Kultur zu gehören scheint. Das Volk will belustigt werden und Vergnügen mundgerecht serviert bekommen. (Abb.: Wikipedia, Lizenz gemeinfrei)

Konstantin Wecker hat im Jahr 1978 zum Thema "Vernichtung der Ketzer" den gesellschaftskritischen Song "Hexeneinmaleins" geschrieben, der dreiunddreissig Jahre später zu einem bitteren Resümmee über die in dieser Zeit immer intensiver werdende Förderung der Waffenproduzenten, die Aufrüstung, Umstrukturierung und Einsätze der Bundeswehr sowie die ungehemmte Banken- und Wirtschaftspolitik zu Gunsten einer winzigen Oberschicht Anlass gibt.

Auf der Webseite von Konstantin Wecker ist der Text dieses Songs veröffentlicht sowie eine aktuelle Version aus dem Jahr 1991 aus Anlass des Golfkrieges, der noch mehr als die Orginalfassung die Militarisierung unserer Gesellschaft beim richtigen Namen nennt:

Auszug:

Gerechter Krieg,
heiliger Krieg.
Nur zum Teufel:
Welcher Gott ist denn nun der richtige?
Der glitzernde Gott der Börsianer vielleicht?
Und welcher Gott hat den Giftgasverkäufern
die Absolution erteilt?

Gibt es ein gerechtes Gas,
und wird es erst böse, wenn es uns treffen könnte?
....
Man spricht von Waffengang
und meint Verstümmelung,
sie verfehlen militärische Objekte
und meinen Tausende,
vielleicht sogar hunderttausende von Toten.
Man nennt alles rücksichtsvoll "Szenario"
und verschweigt den Massenmord.

Deadly Dust - Todesstaub Filmdokumentation von Frieder Wagner, Teil 1 von 8

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