Stellungnahme des Osloer Nobelkomitees

Kommentar

Die Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises hat in der Welt für grossen Aufruhr gesorgt.

Die neokonservativen und -faschistischen Elemente befürchten, dass durch diese moralische Verpflichtung der US-Präsident in seinen weiteren zukünftigen Entscheidungen zur Entspannung davon geleitet werden wird.

Friedensbewegungen lehnen sie als unverdient ab, da noch keine sichtbaren Ergebnisse in der kurzen Amtszeit zu verzeichnen wären.

Selten gab es diese Einmütigkeit genau konträher Lager für die Vergabe dieses Preises.
Für die Einen ist er Faschist, für die Anderen Kommunist, Zionistenfreund oder Moslem.

Ein Novum ist die Intensität der Anschuldigungen und zeigt, dass hier gerade etwas in Amerika geschieht, dass den bisherigen eingefahrenen Geleisen zuwiderläuft.

Für diejenigen Menschen, die sich für eine andere Politik der USA einsetzen als sie in der Vergangenheit unter dem Bush-Regime und den meisten seiner Vorgänger herrschte, ist es eine Ermutigung und Ansporn, Obama zu unterstützen und einzufordern.

Diskussionen, ob er es ernst mit seinen Reformen meint oder nicht, führen zu nichts. Das Ergebnis zählt.

Jede jetzige weitere Handlung und Politik erfolgt unter dem Aspekt des Friedensnobelpreisträgers. Dieser Druck und Erwartungshaltung sind enorm gross und wird danach bewertet werden.

Der Präsident braucht Tausende von Unterstützern, die die Vereinigten Staaten von Amerika von dem Einfluss der Hochfinanz und des Militärs auf die Politik einschränken, die die Demokratie zerstört haben.

Es ist vollkommen logisch, dass er das nicht allein tun kann, selbst wenn er ein Diktator wäre. Es gibt den US-Kongress, der Gesetze verhindern kann.

Entscheidend ist trotzdem ein Präsident, der überhaupt einen Willen zur Veränderung öffentlich äussert und sich ein Team zur Unterstützung aussucht.

Der Vorsitzende des Osloer Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, zur Verleihung des Friedensnobelpreises an den US-Präsidenten Barack Obama:

"Alles, was in der Welt seit Obamas Amtsantritt geschehen ist, und wie das internationale Klima sich geändert hat, ist mehr als genug, um zu sagen, dass er das erfüllt, was in Alfred Nobels Testament steht. Nämlich, dass der Preis an denjenigen gehen soll, der im vorausgegangenen Jahr am meisten für internationale Verbrüderung und Abrüstung sowie die Förderung von Kooperation und Dialog getan hat.

Wenn man die Geschichte des Nobelpreises anschaut, dann haben wir bei vielen Gelegenheiten versucht, das zu stärken und zu fördern, was bestimmte Persönlichkeiten gerade durchzuführen versuchten. Zum Beispiel, als Willy Brandt den Preis 1971 bekam, hatte seine Ostpolitik in Europa gestartet, die so wichtig war für das, was dann viele Jahre später geschehen ist.

Oder die Vergabe 1990 an Michail Gorbatschow, der die Welt komplett verändert hat. Wer das meint, der soll sich die Realitäten in der Welt vor Augen führen."

Zu dem Vorwurf, das Komitee habe eine "populistische Entscheidung" getroffen, meinte Jagland

"Mehr habe ich dazu nicht zu sagen."

Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2002341_Nobelpreis-fuer-Obama-Komitee-wehrt-sich-gegen-Populismus-Vorwurf.html

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