Die Verpackung ist glamourös – allein der Apfel als Inhalt ist vergammelt oder: Menschen von A nach B – gelegentlich über C

Machen wir uns nichts vor: Wenn Du zwei Tage fuffzich lang in diesem Job stecken geblieben bist, dann ist er vor allem dieses:

? Die stereotype Abfolge der selben Körperbewegungen und der damit einhergehenden, einseitigen Abnutzung der Physis und Psyche

? Über die Jahre die selbe Chronologie „gewinnoptimierter“ Arbeitszeiteinteilungs-, und Abrechnungsweise. Und das bedeutet, wie in allen anderen „ehrlichen“ Low-level-Jobs, den halbwegs sicheren Verzicht auf eine würdevolle Zukunft als alter Mensch zugunsten des eigenen Lebenserhaltes im Hier und Jetzt bei permanent steigenden Zockrates für alles Essenzielle. Für so manchen auch noch zusätzlich den support für den zarten, von Geburt an bereits verfemten Nachwuchs seiner indiskutablen Herkunft wegen. Ganz entgegen der lobhudeligen Statistiken, die verkünden, in unserer „modernen deutschen“ Gesellschaft würde sich die Lebenserwartung trotz eines nahezu komplett ruinierten Gesundheitswesens angeblich erhöhen (von Staatsbeamtenwitwen einmal abgesehen), oder aber es bestünde eine Chancengleichheit quer durch „unser“ monolithisches Hierarchiesystem

? Die selben Hoffnungen und Enttäuschungen bezüglich des persönlichen Glücks in der Materie. Denn angesichts der Flut von in diesen Markt drängenden Fressfeinden, die durch die voranschreitende Auspressung nicht nur dieser Sorte Stadtbevölkerung per EU-Diktat (Aufhebung der Konzessionsbeschränkung) nahezu täglich mehr werden, geht es hierbei nur mehr um Ausdauer und Glück. Nicht aber um berechenbare Umsatzziele.

? Den selben, immer währenden Kampf gegen Geringschätzung seitens derjenigen Dienstleistungsnehmer, die ob ihrer eigenen, billigend und „in Kauf nehmend“ selbst herbei geführten Erniedrigungen im eigenen Berufsalltag danach trachten, noch „Niedrigere“ zu schmieden und zu schleifen. Meistens beflügelt durch etwaigen Drogenkonsum oder erziehungsbedingter bzw. neurolinguistisch programmierter Fehleinschätzung der eigenen gesellschaftlichen Positionierung. Ob mit oder ohne wertvoll verzierte Geldklammer in der Tasche

Mittels über die Jahre sich bewährt habender und immer wiederkehrender, bzw. ständig aktualisierter Worthülsen und Sprechblasen gelingt es meistens, die menschliche Interaktion während einer profanen Personenbeförderung auf das zu reduzieren, was sie eigentlich nur ist bzw. sein sollte: Die Inanspruchnahme eines „automobilen“ Transportmittels, um konkurrenzlos schnell von A nach B gelangen zu können, insbesondere während der Nacht, wenngleich hierbei zu erwähnen wäre, dass in diesem hauptsächlich unfreiwilligen Hauptstadttheater im Vergleich zu früheren West-Berliner Zeiten eine breitbandige Simulation des Nachtlebens nur noch dann gelingt, wenn solvente, internationale Gäste anlässlich großer events zu Tausenden herbeigeschafft werden.

Hubschraubertaxis gab es allerdings auch schon in Westberlin für solche Leute, wie den Currywurstmillionär Maximilian aus Buckow - das inzwischen so jämmerlich heruntergekommen ist, wie nicht einmal das erzfaschistische LichterWest - der mal eben für eine erlauchte Party einen Learjet von Tempelhof zur Kaviarbeschaffung ins Lettische schicken konnte. Die diesem hype innewohnende Fulminanz ist jedoch bei realitätsbezogener Betrachtung ein rissiger, zukunfsloser und eingefallener Greis, der an Krücken immer wieder ins Rampenlicht eines 3. Welt gleichen, abgeschotteten Partyresorts gezerrt wird - bis auch der Letzte an seinem Verwesungsgestank erkennen muß, daß er wesentlich tot ist.

Achten Sie mal darauf, auf welche Termine z.B. die "Lange Nacht der Museen" gelegt wird: meistens an die Wochenenden, während derer die ITB, die Funkausstellung, die Modemessen oder sonst was stattfinden. Dann sind nämlich auf den "Prachtstraßen" die Doppeldecker, deren Fahrpersonal nach BVG-Ausbilder Information zu über 80 % nicht das rentenfähige Alter erreicht, voller Menschen, welche ein Pauschalticket für die Museumsbesichtigung gelöst haben. Schaut man sich aber das Ganze während einer normalen Woche ohne Messe und events an, herrscht gähnende Leere ab 23 Uhr und nur die ausgebeuteten Gastronomieazubis unter 18 warten mitten in der Nacht auf ihre "Metrolinie". Weit und breit keine Seele auf der Straße! Nur freie Taxen und Zivis...

Nachrückende sowie zukünftige Kutschergenerationen werden innerhalb ihres Jobs nicht mehr eine so umfassende Möglichkeit haben, dem „Volk auf's Maul zu schauen“, denn das Volk, also der Querschnitt durch die Gesellschaft, kann sich das Taxifahren nicht mehr leisten.

Als 1999 hier die Bonnkajohlerei namens Bundestagsfahrdienst unter Zuhilfenahme von Taxis während der „Sitzungswochen“ begann, dachte ich mir, dass ich da auch mitmache, denn ich wollte diese Typen studieren. Ich habe mich dann aber doch sehr schnell von meiner Zentrale wieder für diese Aufträge sperren lassen. Als ich nämlich erfuhr, daß der Bonnzenspediteur, eine importierte Firma namens RocVin, vom Steuerzahler rd. 11 DM pro Kilometer kassierte, während wir ja nur den Taxitarif von damals 1,79 DM bzw. 1,99 DM pro Km nachts und feiertags nehmen konnten und ich mich dann auch noch mit einem von denen, der nachts mit zwei Schwalben im Arm aus einem Lokal schwankte und allen Ernstes mit seinem lächerlichen Coupon, der auch nur sehr schleppend in cash zurück zu verwandeln war, in die Wolle bekam, war mir der Kragen eben früher als erwartet geplatzt.

In den Nobelrestaurants des kultivierten Aas-Fraßes in Neo-Mitte dieser Exstadt , wo vermutlich mittels Pheromonflash auch das Konstrukt der Konjunkturaufschwungsmär vor der Krise entstanden sein könnte, weht der Odeur der Endlösung einmal mehr herüber. Diesmal ganz global und jetzt auch wieder federführend bei/mit/gegen uns: Die Abschaffung der Armut durch permanente Abschaffung des beständig wachsenden Heeres der Armen per Rentenreform, Gesundheitsreform, Militarisierung der Gesellschaft, Ausbau der Endlosschleife des „working-poor“, Bindung der Lebensmittelpreise an die Gesetzmäßigkeiten des Ölpreises, Bindung des Ausbildungsgrades an die persönlichen, finanziellen Verhältnisse sowie etlicher anderer, aber noch viel perfiderer, persistenter Kniffe.

Während sich der so genannte „rot-rote Senat“ z.B. drei wenig ausgelastete, weil für die Hinterbliebenen zu teure Krematorien leistet und die Bestattungsunternehmen die quasi letzte Personenbeförderung ins annektierte und (noch) billigere Brandenburg praktizieren, wird selbstverständlich nicht thematisiert, wie sich die soziologische Verstorbenenstatistik zusammensetzt. Vehement dürfte der Widerspruch seitens authorisierter Fachleute der privatisierten Krankenhausindustrie bspw. zum Thema „minderbemittelter“ Intensivpatienten oder dem Befall mit so genannten „Hauskeimen“ ausfallen. Genau hier und genau jetzt in dieser ehemaligen „Bastion“ des Lebensstils der ersten Welt und nicht in einer fernen, üblen Zukunft. Hurra, wir sind wieder wer! Und das lastet trümmerfrauengleich deutlich spürbar auf den Schultern derjenigen Bevölkerungsanteile, die sich immer noch entblöden, einfache, klar abgesteckte Leistungen professionell zu erbringen und daraufhin auch noch ihr Überleben ob ihrer Nützlichkeit einfordern.

Sinnvollerweise werden potentielle Fahrgäste aus der subjektiven Sicht des Kutschers gemäß seiner Erfahrung zur Notwendigkeit der Eigensicherung vorurteilshaft klassifiziert. Es wird die Herkunft des Fahrauftrages eingeschätzt, z. B. „Wolfgangs Schwummerstübchen“, „Fa. Büttelsmachermann“, „Felicitas' horizontaler Quasselsalon“, „Internationaler Club der Bankrottverschlepper“, „Germanentrolltreff“, „Kemals Rakiwettbüro“ usw. - Viele Adressen bediene ich schon gar nicht mehr, auch wenn sie mir 100 € dafür geben würden - für solche, wie Adlon, Bertelsmann, Felix, Bundestag, Rum Trader usw. arbeite ich nicht – ich kann es nämlich nicht leiden, daß vor der zeitraubenden Suche nach cash am Ende der Fahrt  vorher in jovialer Art mit dem Damoklesschwert des Klassenunterschiedes gewedelt wird - auch wenn ich einen solchen Monstergeldschein schon lange nicht mehr gesehen habe.

Und auch die Annäherung sowie das Betreten des Taxis und die damit verbundenen Verhaltensmuster und Äußerungen des potentiellen Fahrgastes werden „zeitnah“ analysiert und führen präemptiv zur Anwendung eingeübter Maßnahmen, die entweder der Durchführung des „Jobs“ dienlich sind oder aber eben zur entschlossenen Abwehr oder der „gesitteten“ A nach B Beförderung („Dienst nach Vorschrift“) führen. Wirklich - und ab und zu mal wieder interessant, ist dieser stereotype Job eigentlich nur noch deswegen, weil es eben das seltene Erlebnis gibt, Menschen treffen zu können, die offenbar nicht als Demokratielemminge diese kapitale poverty-area mit ihrer erstickenden Langweiligkeit der avancierten Verpackungskunst für das schiere, künstlich herbeigeführte Nichts und der hergeleiteten Selbstmordsequenz fluten, („ Ah, vastehe – hast wohl ooch keene urbane Jugend jehabt, wat?“) sondern von der gefühlten, besser: manipulierten Norm, in ihrem Verhalten, in ihrer Gesprächsführung und ihren Umkehrschlüssen abweichen.

Selbst Mikro-Demoskopie ist lehrreich, wenn auch statistisch nicht repräsentativ. Und es offenbart sich klandestin, dass diese im humanistischen Sinne degenerierte, gesamtdeutsche Gesellschaft sehr wohl noch über Humanressourcen und demokratischen Anstand verfügt, der eben nicht unmittelbar nach dem Canossagang von 2plus4 und ihrer phantasielosen Gebetsmühlenpraxis die Kriegsbeteiligung bzw. den daraus erhofften Profit als Allheilmittel favorisiert.

Natürlich werden Sie mir jetzt eine eingeschränkte Sichtweise bescheinigen und meine Quintessenz aufgrund ihres breit gestreuten Medienkonsums, oder natürlich ihres höherwertigen Bildungsniveaus wegen als abwegig locker von sich weisen.

Aber als notorisch automarginalisierter Dieselkopp mit Autobildung möchte ich gern darauf verweisen, dass die jüngste deutsche Geschichte uns lehrt, dass schon mal ein Kutscher einen grünen Hubwagen geradezu diabolisch mißbraucht hat und diametral in der Ecke angekommen ist, wo er vermutlich aus „heiligem Zorn“ Herr über Leben und Tod sein durfte und jetzt noch davon besoffen ist und auch noch Nachfolger benennt. Unterschätzen Sie also bei Ihrer nächsten Taxitour, so Sie sich diese noch leisten wollen, bloß nicht den Lenker: Da könnte schon der nächste Gröfaz sitzen, oder ein verkrachter Biochemiker, oder die Mutter des Gedankens, oder ein begnadeter Psychoanalytiker, oder, ja auch möglich, ein dummer August – oder einfach ein MENSCH!

Es besteht vehement der Verdacht, dass das Zitat von Karl Kraus aktuelle Gültigkeit besitzt : „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten“.

Fazit: Nichts ist archaischer und eigentlich weltabgewandter bzw. inhumaner, als einen klar gezeichneten Weg des Lebens von A nach B zu beschreiten, egal wieviel Leichen am Wegesrand zurückgelassen werden. Und nichts ist spannender, aufregender und gefährlicher für die A nach B Variante, als über C zu gehen und die eigene, kurze Lebensspanne des menschlichen Daseins viel, viel genauer auszuloten.