Die moderne Integration im SGB XII oder doch nicht, Fortsetzung?

Im ersten Teil wurde die grundlegende Gesetzreform zum SGB XII vorgestellt und der Versuch einer ersten Bewertung vorgenommen. Die Fortsetzung wird sich damit beschĂ€ftigt, worin die Gefahren der Ökonomisierung in der Gesundheit liegen und welche AnsĂ€tze und Alternativen es gibt, um dies zu unterbinden..

Die GrundsĂ€tzliche Frage, ob in einem Wettbewerb im Gesundheitswesen etwas Positives fĂŒr die Bevölkerung herauskommt beantworte ich mit einem klaren NEIN! Warum sehe ich das so?

Ganz einfach. Solange es keine geeigneten Kontrollmechanismen gibt, die mich als BĂŒrger davor schĂŒtzen, zum Objekt des internationalen Wettbewerbs zu werden, muß ich Privatisierung ablehnen.

Wer schĂŒtzt mich vor Kartellen und Monopolen, die Medikamentenpreise diktieren oder ihre Marktposition dafĂŒr benutzen, um Menschen von Arzneimittelversorgung auszuschließen.
Wenn staatliche Gesundheitsbehörden oder KrankenkassenverbÀnde keinen Einfluss auf die Marktkonzentration der Pharmakonzerne haben.

In der Bundesrepublik gibt es keine staatliche Kontrolle bzw. Vorgabe auf Medikamentenpreise.
Einmalig in der EuropĂ€ischen Union dĂŒrfen Pharma- und Arzneimittelhersteller die Preise ihrer Medikamente selbst festlegen. Lediglich eine Art Kostenobergrenze fĂŒr die gĂ€ngigsten Wirkstoffe wurde eingefĂŒhrt.

Bisher ist jeder Versuch von Bundesregierungen gescheitert, maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung von Arzneimittel oder Behandlungskosten zu nehmen. Die Lobbyisten, die ĂŒberall in den Entscheidungsebenen der Politik sitzen geben den Druck ihrer Auftraggeber weiter. Die Pharma- und Chemie Industrie hat seit Jahrzehnten die geradlinigsten und besten Wachstumsraten aller Industriezweige. Diese einmalige Macht- und Lobbystellung wird mit Klauen und ZĂ€hnen verteidigt.

Die durch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt vollmundig angekĂŒndigte Kostensenkung bei Behandlungs- und Medikamentenpreisen findet faktisch kaum statt. Zwar sind teure und verschreibungspflichtige Medikamente teilweise billiger geworden, wĂ€hrenddessen sind aber die Preise bei bisher gĂŒnstigen Medikamenten hauptsĂ€chlich gestiegen, außerdem sind einige Medikamente von der Verschreibungspflicht entbunden und mĂŒssen selbst finanziert werden „Ein Schelm wer schlechtes dabei denkt“.

Durch den Eigenanteil in der Krankenversicherung wurde auch die Zuzahlung bei Medikamenten erheblich ausgedehnt. Zwar wurden eine Chronikerregelung eingefĂŒhrt, die diese Zuzahlungen deckelt, insgesamt aber ist die Medikamentenbehandlung fĂŒr den BĂŒrger deutlich teurer geworden.

Wie sieht es aus mit Wirkstoffen und Patenrechten?

Wer ein neues Arzneimittel herstellen will, muß ein kompliziertes Verfahren der Medizinischen Zulassung durchlaufen. Die wesentlichen Voraussetzungen zur Zulassung eines Arzneimittels sind eine angemessene pharmazeutische QualitĂ€t, therapeutische Wirksamkeit und Unbedenklichkeit sowie ein gĂŒnstiges Nutzen-Risiko-VerhĂ€ltnis.
Der Schwerpunkt des Zulassungsverfahrens ist die Sichtung der vom Pharmaunternehmen vorgelegten Unterlagen, die die QualitĂ€t, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit belegen sollen. Dabei wird von der Arzneimittelbehörde auch geprĂŒft, ob die Herstellung, QualitĂ€tskontrolle, nichtklinische und klinische PrĂŒfung nach den vorgeschriebenen ArzneimittelprĂŒfrichtlinien und den empfohlenen internationalen Leitlinien durchgefĂŒhrt wurden und dem Stand der Wissenschaft entsprechen. Die Arzneimittelbehörde beschrĂ€nkt sich aber nicht auf die PrĂŒfung der vom Antragsteller eingereichten Unterlagen, sondern kontrolliert durch Inspektionen vor Ort, ob die Studien nach den Regeln der Guten Arbeitspraxis (GxP) durchgefĂŒhrt wurden.

Genehmigungsverfahren sind langwierig und teuer. DrittweltlÀnder haben meist kein Geld zur Entwicklung neuer PrÀparate und sind auf Generika angewiesen. Patentrechte gehindert sie daran, billige Medikamente (Generika) zu produzieren, die gerade bei epidemisch auftretenden Krankheiten (z.B. Malaria) helfen könnten. Die Pharmakonzerne lassen sich Lizenzen teuer bezahlen.
Die UNO hilft oft als Geldgeber fĂŒr die Lizenzierung von Generika aus. Es kommt selten vor, dass die Pharmariesen auf ihre Profite verzichten.

Pflanzenwirkstoffe werden von Pharmakonzerne patentrechtlich geschĂŒtzt. Damit wird die Entwicklung neuer Medikamente verhindert oder zumindest entsprechend verteuert.
Damit verhindern Pharma- und Chemiemonopole gerade in der Dritten Welt die Verbreitung billiger wirkungsvoller Wirkstoffe. Die patentrechtliche Nutzung ist fĂŒr diese LĂ€nder oft nicht finanzierbar.

Wohin kann Armut fĂŒhren, Transplantate als Luxus?

Der Wettbewerb mit der Gesundheit wird weltweit gefĂŒhrt. Nirgendwo profitieren davon die Armen.
Gesundheit wird zur Ware, die Erhaltung der eigenen Gesundheit wird zur Wertsteigerung.
Gesunde Organe sind Luxus, die im internationalen Handel meistbietend verkauft werden.

Zwar nicht ĂŒber Ebay, aber in einem Ă€hnlichen Maßstab werden Organe illegal weltweit verschachert.
Bis auf die medizinischen Parameter interessiert sich kaum jemand fĂŒr die wirkliche Herkunft oder die UmstĂ€nde, wie diese Organe in den Handel kommen. Wenn Menschen aus Armut heraus, die eigenen Organe verkaufen werden sie selbst zum Objekt.

In DrittweltlĂ€ndern ist die Chance fĂŒr eine Organtransplantation wesentlich geringer als bei uns.
Ein Armer hat kaum Chancen, in einem Wettlauf mit dem Tod, gegenĂŒber einem Reichen zu gewinnen.

In vielen europÀischen LÀndern ist Organspende insoweit geregelt als das sie als Normalfall betrachtet wird. Dort ist eine VerbotserklÀrung notwendig, um eine Organentnahme zu verweigern.
Aufgrund der Erfahrungen des Dritten Reiches ist es in bei uns genau umgekehrt.

Wie können Alternativen fĂŒr eine „gesunde“ Gesundheitsversorgung aussehen?

Arzneimittelpreise sollten durch staatliche Verordnung festgelegt werden. Die Kontrolle darĂŒber erfolgt durch die Gesundheitsbehörden.
Organtransplantationen und Organhandel sind durch die Gesundheitsbehörden stĂ€rker zu ĂŒberwachen.
Durch verstĂ€rkte internationale Vernetzung muß der Druck auf illegal agierende Ärzte und Organisationen verstĂ€rkt werden, um dem „Schwarzmarkt der Organe“ Herr zu werden.

Die Zulassungsmethoden fĂŒr Arzneiwirkstoffe und Medikamente mĂŒssen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und vor allem aufgrund ihrer Zeitrahmen verbessert werden, die Zulassungsdauer ist zu verkĂŒrzen.