Finanzkrise – Die Lage ist unübersichtlich, aber Lehman ist tot

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Im Moment ist die Lage einfach zu unübersichtlich, um eine wirklich fundierte Lageeinschätzung treffen zu können. Fest steht auf jeden Fall, dass die Bank of Amerika Merrill Lynch gekauft hat. Wenn auch nur für einen Preis von 44 Milliarden Dollar. Das könnte ein Signal sein, das Merrill Lynch dieses Geld noch wert ist, aber es gibt Stimmen, die das anders sehen.

Angeblich hat der amerikanische Finanzminister durch die Hintertür einen Kreditrahmen für die Bank of Amerika eingeräumt, damit Merrill Lynch gerettet werden kann und nicht wie Lehman Brothers untergehen muss. Das mittlere Management von Lehman Brother schreibt schon Mails an die Mitarbeiter, damit diese heute zur Arbeit erscheinen. Schließlich muss Lehman abgewickelt werden.

Lehman Brother gehen nun mit einem Teil ihres Geschäftes, der Holding unter Chapter eleven, während der der Brokerage-Teil sofort unter Chapter seven liquidiert wird. Aber auch das Hauptgeschäft kann unter Chapter eleven nicht gerettet werden, es soll nur langsamer und ruhiger abgewickelt werden. Dafür stellt die FED erneut Kredite bereit, die eigentlich nur durch wertloses Papier abgesichert sind. Es soll mit Macht eine Panik an den Börsen vermieden werden.

Genau das will auch eine Maßnahme von zehn anderen Banken verhindern wie Associated Press berichtet.

A group of global banks and securities firms announced late Sunday a $70 billion loan program that financial companies can tap to help ease a credit shortage that threatens global financial markets.

Das klingt zunächst sehr schön und Namen wie JPMorgan Chase & Co., Goldman Sachs Group Inc., Bank of America Corp., Barclays PLC, Citigroup Inc., Credit Suisse Group, Deutsche Bank AG, Merrill Lynch & Co., Morgan Stanley und UBS klingen richtig gut, aber diese 70 Milliarden US-Dollar hätten nicht einmal gereicht, um Lehman kurzfristig zu retten.

Tatsächlich geht es um Summen, die kurzfristig eher beim 20-fachen dieser Summe und langfristig wohl beim 100-fachen dieser Summe liegen. Es ist ein schöner Schein, aber nicht mehr. Für den Versicherer AIG und die Hypothekenbank Washington Mutual scheint es allerdings keine Hoffnung mehr zu geben. Selbst wenn AIG noch einmal 30 Milliarden gegen wertlose Papiere von der FED bekommt, schiebt das den sicheren Tod nur weiter hinaus.

Der Tod von AIG ist aber das Signal für das große Versicherungssterben, das einsetzen muss. Sollte am heutigen Montag in Deutschland der großflächige Verkauf von Lebensversicherungen beginnen, ist auch hier kein Halten mehr möglich. Tatsächlich sind in den Lebensversicherungen viele Papiere noch mit Werten gebündelt, die sie längst nicht mehr darstellen können. Das gleiche gilt für bankenabhängige Fonds, die all den Müll fressen mussten, den die Banken sonst nirgendwo mehr los wurden.

Gerade kommt ein neues Gerücht herein, nachdem Barclay versuchen könnte, den Broker-dealer services und Neuberger Berman aus dem Lehman Konkurs herauszukaufen. Aber selbst diese Quelle fragt sich, ob Barclay dafür die Eier hat. Es klingt zumindest nicht sehr nach Barclay, aber in diesen verrückten Zeiten ist alles möglich.

Die Australische Zentralbank hat den Geldhahn aufgedreht und 1,3 Milliarden in den Markt gepumpt, der trotzdem um 2 Prozent einbrach. Ob es nach dem relativ schwarzen Sonntag heute zu einem amoklaufenden Montag kommt, ist sicherlich eine überspitzte Frage. Allerdings müssen die Märkte wieder einmal zwischen Wahrheit und Hoffnung entscheiden.

Hoffnung scheint eher unbegründet zu sein, da im Hintergrund schon die Frage auftaucht, ob Morgan Stanley und Goldman Sachs überhaupt als Investmentbanken weiterexistieren können und was eigentlich mit den Risiken bei den Kreditversicherern ist, die ja heute Morgen auch neu bewertet werden müssten. Die Zeichen stehen eigentlich auf Sturm. Wahrscheinlich werden die Notenbanken die Märkte aber erneut mit Geld überschütten, da niemand das Ende einläuten will.

Am Lagerfeuer wird jetzt das letzte Geld verbrannt und all die mageren Geier wärmen sich ein letztes oder vielleicht ein vorletztes Mal. Die Lohnerhöhungen sind schon Makulatur, die Preise werden weiter und immer schneller steigen. Inflationswelle wird Inflationswelle folgen. Das System hat versagt. Jetzt muss es nur noch jemand zugeben und dann könnte endlich neu begonnen werden. Aber soviel Eier hat niemand von diesen Neoliberalen. Die hoffen lieber weiter.

Quelle Duckhome