Norbert Juretzko und der Fall Uwe Barschel

Die Akte Barschel“ titelt Andreas Förster in der Berliner Zeitung vom 7.7.08, um dann über eine Hausdurchsuchung bei dem Buchautor und Ex-BND-Agenten Norbert Juretzko (BEDINGT DIENSTBEREIT und IM VISIER) – im April 2008 – zu berichten.

Der Fall Norbert Juretzko und der Fall Uwe Barschel haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Möglicherweise doch – mutmaßt Andreas Förster in seinem Artikel und zeigt den Hauch einer (neuen, möglichen) Spur im Falle Uwe Barschel auf.

Hintergründe der Hausdurchsuchung – Sichtweise der Berliner Zeitung

Die Polizei hat offensichtlich gewartet bis der Buchautor Norbert Juretzko verreist war und hat dann der völlig überraschten Ehefrau den Hausdurchsuchungsbeschluss am 24.4.2008 präsentiert.

Folge ich den Ausführungen von Andreas Förster, so betraf der Durchsuchungsbeschluss den Verdacht der „Unterschlagung von Dienstunterlagen des BND".

Nach den Informationen von Andreas Förster war dieses Ermittlungsverfahren auf Grund einer Behauptung des Privatdetektivs Werner Mauss eingeleitet worden.

Angeblich hatte Mauss (am 6.11.2004) behauptet: „Er habe Kenntnis, dass Norbert Juretzko eine CD-Rom besitze, auf der 3 300 Seiten "Originalmaterial des BND" gespeichert sei.

Nach meinen Informationen führte dieser „Vorwurf“ zu einem Ermittlungsverfahren in Hannover, welches jedoch schon im Jahre 2007 eingestellt wurde, da der Tatvorwurf nicht nachgewiesen werden konnte.

Neu ist, dass – nach den Informationen der Berliner Zeitung – parallel zu dem Ermittlungsverfahren in Hannover ein weiteres Ermittlungsverfahren in München gegen Norbert Juretzko geführt wurde – in gleicher Sache – wegen dem Vorwurf der uneidlichen Falschaussage (anlässlich einer Gerichtsverhandlung in München – in welcher Norbert Juretzko bestritten hatte, derartige Unterlagen zu besitzen).

a) Schlampige Durchsuchung

Laut Berliner Zeitung wurde bei dem Buchautor schlampig durchsucht. So hätten die Ermittler zwar zwei Rechner des Buchautors mitgenommen und eine CD-ROM - einen Laptop und eine externe Festplatte aber nicht beachtet und zurückgelassen.

b) Beschlagnahme eines Rechercheordners

Dafür sei ein Ordner mit Rechercheunterlagen beschlagnahmt worden, welcher lediglich Material des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR und des sowjetischen KGB – über den Fall Uwe Barschel – enthalten haben soll.

c) Schlussfolgerung der Berliner Zeitung

Andreas Förster bringt die Durchsuchung und die in der Tat merkwürdige Beschlagnahme des Rechercheordners in einem Zusammenhang mit einem „konspirativen“ Treffen der Herren Bernd Schmidbauer (CDU), Werner Mauss und Dr. August Hanning (Staatssekretär im BMI und Ex-BND-Präsident) im Januar 2008 und fragt:

• „Ob der Hintergrund der Hausdurchsuchung tatsächlich etwas mit dem obigen Ermittlungsverfahren zu tun hat oder aber die Rolle des Werner Mauss im Fall Uwe Barschel tangiert?“

Zu Bekräftigung seiner These zitiert er den Strafverteidiger des Buchautors, Gerhard Grüner, der gesagt haben soll – nach Einsicht in die Ermittlungsakten:

• „….Es sehe so aus aus, als gebe es hinter dem in den Akten dokumentierten Verfahren ein zweites (Schattenverfahren), das verborgen bleiben soll."

Eigene Schlussfolgerung

Was mich überrascht ist der Umstand, dass Andreas Förster diesen Artikel unmittelbar nach einem Telefonat mit mir veröffentlichte, obwohl er sich nach eigenen Angaben im Urlaub befindet und von meiner Seite eigentlich beabsichtigt war, mich mit ihm nach seinem Urlaub – in Sachen Hausdurchsuchung Juretzko – zu treffen.

Bei mir drängt sich der Verdacht auf, dass tatsächlich ein Agentenspielchen der Hintergrund dieser Hausdurchsuchung ist, zumal mir die tatsächlichen Gründe der Hausdurchsuchung bekannt sind und diese keineswegs im Fall Uwe Barschel zu suchen sind, sondern in einer verfänglichen Äußerung von Juretzko am Telefon.

In diesem Telefonat sagte Norbert Juretzko sinngemäß auf den Vorhalt: „…Nach dem Prozess gegen den BND brauche ich Ihre Unterlagen nicht mehr…“:

„…Ich habe die Ihnen zugesagten Unterlagen weggebunkert und kann sie erst holen, wenn ich eine günstige Gelegenheit habe….“

Wenige Tage nach der Zusendung der versprochenen Unterlagen – mittels unverschlüsselter eMail – lief die Staatsmacht zur Hausdurchsuchung bei dem Buchautor ein.

(Die übersandten Unterlagen stammten weder aus dem Dienstbereich des BND, noch war es klassifiziertes Material einer Bundesbehörde.)

Wenige Wochen nach der Hausdurchsuchung bei Juretzko wusste eine Journalistin mir abenteuerliches zu berichten. Sie hatte angeblich in einer Nebenakte der Ermittlungsakten Uwe Barschel einen bestimmten Namen gefunden – erst einen bestimmten Familiennamen – im Mai 2008 sogar einen bestimmten Vor- und Familiennamen.

Einen Beweis für diese Behauptung trat sie nie an. Ich wage zu bezweifeln, dass es diese Nebenakte mit diesem Namen tatsächlich gibt.

Es riecht nach einer kommenden Schlammschlacht – nach einer nachrichtendienstlichen Mär – zur Ablenkung von den „Geschäften eines Handlungsreisenden“ und zur Ablenkung von der Frage, warum die BND-Journalistenaffäre erst Ende 2005 aufgedeckt wurde – obwohl sie bereits 2002/2003 bekannt wurde, durch die Aussage des ehemaligen BND-Mitarbeiters Andreas F. („M“).