Gates zieht durch: Air Force Chef gefeuert
Vier Sprengzünder für Atomraketen waren an Taiwan geliefert und fünf scharfe Atomwaffen über die USA geflogen worden
Washington: Respekt. US-Verteidigungsminister Robert Gates hat gestern Abend den höchsten zivilen Beamten der US Air Force, Staatssekretär Michael W. Wynne, sowie den Air-Force-Chef Gen. T. Michael Moseley, nach einer Untersuchung zum Rücktritt gezwungen.
Unter ihrer Verantwortung war am 30. August 2007 ein B-52 Bomber mit 6 scharfen Atomwaffen an Bord zu einem Überlandflug von der Minot Air Force Base zur Barksdale Air Force Base gestartet. Den Militärangaben zufolge hatte niemand etwas von den einsatzbereiten Cruise Missiles bemerkt. Die Meldung über den Vorfall war am 05.September weltweit in den Nachrichten erschienen und hatte grösste Besorgnis ausgelöst, besonders da auch Berichte auftauchten, nach denen nur fünf Atomwaffen in Barksdale angekommen waren.
Am 8.September ordnete das ACC eine landesweiten „Sicherheitstag“, an dem sämtliche Sicherheitsprozeduren und Checklisten des Luftkommandos überprüft werden sollten. Es war das erste Mal in der Geschichte der US-Luftwaffen, dass eine derartige Anweisung offiziell erfolgte.
Ebenfalls verantwortlich waren Wynne und Gen. Mosely für die angeblich versehentliche Lieferung von 4 Sprengzündern von atomaren Minuteman-Kontinentalraketen an Taiwan im August 2006 – anstelle von bestellten Helikopterbatterien.
Im März dieses Jahres hatte die US-Regierung zugeben müssen bereits sofort nach der Lieferung durch die taiwanesischen Behörden über eine falsch deklarierte Lieferung informiert worden zu sein.
Die Bush-Regierung hatte anfangs zwar die Lieferung der Bauteile von Massenvernichtungswaffen zugegeben, aber behauptet, man habe erst Anfang 2008 durch die Taiwanesen von der “Panne” erfahren.
Dann aber gab ein “leitender US-Beamter” zu, dass die Meldung der Taiwaner über den falschen Inhalt der Ladung bereits 2006 erfolgt worden war.
Der US-Beamte behauptete daraufhin aber, die Taiwaner hätten gemeldet dass es sich nicht um Batterien gehandelt habe, aber nicht ausdrücklich darauf hingewiesen dass es sich bei der Lieferung um Sprengzünder für atomare Interkontinentalraketen des Typs LGM-30 Minuteman handelte.
Im Übrigen ginge es hier um eine Frage der “Logistik, Logistik, Logistik”, so der „leitende US-Beamte“ und schob die Affäre der “Defence Logistics Agency” des Pentagon zu.
Diese habe wohl vermutlich versehentlich irgendwie wahrscheinlich etwas mit dem Container durcheinander gebracht, was zu dem Fehler beigetragen habe (”appeared to have mislabelled the container at some point, which contributed to the error”)
Am 26.März hatten daraufhin die Präsidenten der USA und China über die Affäre telefoniert.
Laut Medienberichten nannte US-Präsident Bush die Angelegenheit einen “Fehler”, Chinas Präsident Hu äusserte “tiefe Besorgnis”.
“Wir drücken unsere ernste Besorgnis und starke Unzufriedenheit aus und fordern die US-Seite auf diesen Vorfall zu untersuchen”, so ein chinesischer Regierungssprecher.
Der Nationale Sicherheitsberater der US-Regierung, Stephen Hadley, meinte dazu, es sei “ganz am Rande” im Telefonat mal drüber geredet worden, aber es hätte nur “eine ganz kleine Diskussion” über die Affäre gegeben.
Mit Air-Force-Chef Michael Moseley erwischt es den Richtigen.
Im Mai 2006 ermittelte das FBI gegen ihn und seinen Vorgänger Gen.John Jumper in der sogenannten „Thunderbird-Affäre“, weil ein 50 Millionen Dollar Auftrag für eine Luftwaffenstaffel an eine Firma ging, deren Geschäftspartner nach seiner Pensionierung ein enger Freund Moseleys wurde, Gen. Hornburg.
Während im Februar laut Presseberichten US-Verteidigungsminister Robert Gates vor einem damals drohenden Militärschlag der Bush-Cheney-Regierung gegen den Iran warnte (und gleich mehrere Admiräle und Heereskommandeure damit drohten in diesem Falle hinzuschmeissen) hatte Luftwaffenchef Moseley den Iran öffentlich als mögliches Ziel für einen Angriff genannt.
Bereits nach dem durch das US-Militär erzwungenen Rücktritt von Donald Rumsfeld 2006 hatte der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates jeden einzelnen Top-Kommandeur der im Irak Krieg führenden US-Streikräfte ersetzt.
Am 8.Juni 2007 erwischte es den Generalsstabschef des US-Militärs höchstpersönlich, Peter Pace.
US-Präsident Bush, zu diesem Zeitpunkt gerade in Europa, war aus der Entscheidung komplett herausgehalten worden, obwohl es eigentlich seine Entscheidung gewesen wäre.
Als Nachfolger hatte Gates Marineadmiral Michael G. Mullen nominiert, was geschickterweise hiess dass auch der Vize von Pace, Admiral Ed Giambastiani seinen Hut nehmen musste da Generalstabschef und Vertreter aus 2 verschiedenen Waffengattungen besetzt sein müssen.
Abgesprochen hatte sich Gates offenbar mit Hillary Clinton und dem Vorsitzenden des Streitkräfteausschusses im Senat, Carl Levin, welche ihn nach seiner Entscheidung öffentlich unterstützten.
Zum Rausschmiss der Air-Force-Führung sagte der US-Verteidigungsminister nun gestern:
„Unsere Politik ist klar: wir werden die komplette direkte Kontrolle von Nuklearwaffen sicherstellen, und wir werden mit den dazugehörigen Komponenten zu jedem Zeitpunkt angemessen umgehen.
Es ist eine ungeheure Verantwortung und wir werden sie niemals leicht nehmen.“
(…)
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