Das Imperium erhöht die weltweite Spannung III – Niederlande und das Koran-Verbot

Das Imperium erhöht die weltweite Spannung I – Georgien
Das Imperium erhöht die weltweite Spannung II – Iran, das Mekka der USA

Niederlande: Der niederländische "Politiker", Geert Wilders, aus der 5,9%-"Partei der Freiheit" (PVV) hat es dank der üblichen, verdächtigen NATO-Medien immerhin zu einer Schlagzeile gebracht.
In gewohnt transatlantischer Manier "If we can´t make it, we fake it", bezeichnet jetzt der Faschist Wilders den Koran als "faschistisches Buch", um im verlorenen Medienkrieg wenigstens irgendwie aufzufallen.

Wilders will den Koran verbieten lassen (1). Das scheint auf nicht allzu grosse Resonanz zu stossen. Dabei war das NATO-Ländle Niederlande in den letzten Jahren fast schon ein Erfolgsprojekt der Völkerkrieger geworden. Aber irgendwas ging immer schief.

DIE ERMORDUNG VON PIM FORTUYN

Pim Fortuyn, ehemals Kommunist (4), dann bei den Sozens von der "PvdA", dann bei den Rechtspopulisten der "Leefbaar Nederland" (LN) Spitzenkandidat, flog dort hinaus, weil er den ersten Artikel der niederländischen Verfassung abschaffen wollte, der da lautet:
"Alle die sich in den Niederlanden aufhalten, werden in gleichen Situationen gleich behandelt. Diskriminierung aufgrund von Glauben, Lebensanschauung, Politischer Überzeugung, Rasse, Geschlecht oder welchem anderen Grund auch, ist nicht gestattet."

Er selbst war bekennend schwul.
Seine Hasstiraden gegen den Islam begründeten sich auch dadurch, dass er sich durch Äusserungen islamischer Geistlicher gegen Schwule bedroht fühlte.

Im gleichen Atemzug lästerte Fortuyn aber auch über Reformierte, einen Zweig der evangelischen Kirche.
Fortuyn´s Standpunkt:
"Ich hasse den Islam nicht", aber "ich finde es ist eine zurückgebliebene Kultur... Überall wo der Islam das Sagen hat, ist es einfach nur schrecklich. Die ganzen Zweideutigkeiten. Es ist fast ein wenig mit den Reformierten vergleichbar. Reformierte lügen dauernd."
Und nachdem er am 11. Februar, einen Tag nach seinem Rausschmiss bei der LN, seine Partei aufgemacht hatte, diente erstmal sein neues Buch als Parteiprogramm.

Man kann also durchaus behaupten, dass es sich hier nicht gerade um den Anfang einer vielversprechenden Karriere handelte.

Am 6. Mai 2002 im Mediapark in Hilversum wurde Pim Fortuyn vom angeblich verwirrten Einzeltäter Volkert van der Graaf erschossen - 9 Tage vor der Wahl.
Auf den toten Pim Fortuyn - zu Lebzeiten verkannt - durfte abgestimmt werden. Wie es mitleidige Menschen nun mal tun, stimmten sie entsprechend ab - die Lijst Pim Fortuyn (LPF) bekam 26% und ging auch sofort an die Regierung.

Ein Jahr halbes Jahr später brach Chaos aus und es gab Neuwahlen Anfang 2003: 8.%.
Und im Jahre 2004 war die Parlamentspartei LPF keine Parlamentspartei mehr - sämtliche Abgeordneten traten aus der Partei aus.
2006 gab es dann satte 0.2%. (2)

Bei dieser Wahl dann schlug die 5.9%-Stunde der Partei der Freiheit" (PVV) unter dem Faschisten Geert Wilders (3).
"Spiegel online" bezeichnete ihn dafür heute als "Nachfolger von Pim Fortuyn".(1)

DIE ENTSENDUNG VON TRUPPEN DER NIEDERLANDE IN DEN IRAK

Vom Juli 2003 bis zum März 2005 (6) entsandte die Niederlande unter dem in den Wahlen 2002 mit Hilfe der Fortuyn-Partei an die Macht gekommene gekommene Regierung von Jan Peter Balkenende ("Christen Democratisch Appèl",CDA) Truppen in den Irak.
Nach dem ausgebrochenen Chaos in der Regierungspartei der ex-Fortuyn-Truppe hatte Balkenende in den vorgezogenen Wahlen Anfang 2003 den Koalitionspartner ausgetauscht, blieb aber am Ruder.

Entscheident für den Entsendung niederländischer Truppen in den Irak: die 180 Grad-Wende, die sein Koalitionspartner "Labour Party" (PvdA) hinlegte.
Dessen Chef, Wouter Jacob Bos - früher "Development manager" für den Ölmulti "Shell" in China,Südkorea,Taiwan und Hong Kong (7) - wurde während der US-geführten Invasion des Irak 2003 vom strikten Kriegsgegner zum strikten Kriegsbefürworter (8).

Selbstverständlich bekam Wouter Bos keinen Ärger in der Labour Party. Alle vergaben ihm. Es passierte, natürlich - nichts. (8)
Balkenende hatte freie Fahrt, niederländische Soldaten gingen in den Irak.

DIE ERMORDUNG VON THEO VAN GOGH

Am 2. November 2004 wird der niederländische Regisseur Theo van Gogh, der gerade mit seinem Fahrrad in sein Büro fährt, brutal auf offener Strasse ermordet.
Der Mörder, Mohammed Bouyeri, verfolgt ihn ebenfalls auf einem Fahrrad (!), schiesst ihn nieder, schneidet ihm die Kehle durch und heftet dann erstmal ein 5-seitiges Bekennerschreiben an seine Brust, in dem ein weiterer Mord angekündigt wird.
Dann kann er aber von der Polizei nach einem Schusswechsel festgenommen werden.
Laut Meldungen des Justizministeriums war der Täter beim Niederländischen Geheimdienst "Algemene Inlichtingen- en Veiligheidsdienst" (AIVD) in Zusammenhang mit Ermittlungen zu einem gewissen Samir A. BEREITS BEKANNT (9).
Dieser Samir A. war gerade - Mitte des Jahres - wegen der Vorbereitung terroristischer Anschläge verhaftet worden.

Die Folgen des Attentats auf Theo van Gogh sind bekannt: Brandanschlägen auf islamische und daraufhin auch auf christliche Einrichtungen. Diese Unruhen haben sowohl in den Niederlanden als auch im europäischen Ausland eine breite Diskussion über das Zusammenleben zwischen Europäern und Einwanderern ausgelöst.

Theo van Gogh war keineswegs nur anti-islamisch. Obwohl er regelmässig Moslems als "Ziegenficker" bezeichnete, warf er z.B. dem Schriftsteller Leon de Winter "Vermarktung seines Judentums" vor und beleidigte ihn und dessen Frau in diesem Zusammenhang mit sexuellen Anzüglichkeiten.
1984 brachten ihm Bemerkungen über "zwei kopulierende gelbe Sterne in der Gaskammer" eine Klage wegen Antisemitismus ein; in der Berufungsverhandlung wurde er freigesprochen.
Van Gogh beschränkte sich aber keineswegs auf jüdische oder islamische Themen, er attackierte ebenso christliche Werte und Symbole.(9)
Er war eben ein enfant terrible.

DER FLATTERNDE HOLLÄNDER

Zwar haben die Niederlande noch 2200 Soldaten an der Front im Afghanistankrieg (10), aber die Kriegsbegeisterung unserer Nachbarn hält sich doch mittlerweile schwer in Grenzen.
Auch dort wird über einen Rückzug aus diesem sinnlosen Gemetzel zum Schutz von über 90% des weltweiten Heroinanbaus ernsthaft diskutiert. Und nicht nur dort:

Bereits Ende letzten Jahres waren über 50% in Kanada für einen Rückzug aus Afghanistan (11).
Vor ein paar Tagen wurde in Kanada nun deutlich (12), dass ein Rückzug der Niederländer aus Afghanistan auch einen Rückzug der kanadischen Truppen mit sich bringen könnte, die Stimmung im nordatlantischen NATO-Land droht endgültig Richtung Frieden zu kippen.
2008 läuft das Mandat der 1000 Mann starken Kampftruppen des niederländischen Militärs für den Süden von Afghanistan endgültig aus. Eine Verlängerung durch das Parlament scheint nicht sehr wahrscheinlich.

Seth Jones vom berüchtigten Washingtoner Think Tank "RAND Corporation" fragte gar ganz verzweifelt:

"Jeder ist willig sich am Aufbau zu beteiligen, weil es da keine Sicherheitsrisiken gibt..aber wer ist willig in Afghanistan zu kämpfen und zu sterben?" (12)

Na, er vielleicht ?!

Nächster Teil:
09.08.2007 Das Imperium erhöht die weltweite Spannung III – Niederlande und das Koran-Verbot

Quelle:
(1)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,498881,00.html
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lijst_Pim_Fortuyn
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Partij_voor_de_Vrijheid
(4)
http://en.wikipedia.org/wiki/Pim_Fortuyn
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lijst_Pim_Fortuyn
(6)
http://en.wikipedia.org/wiki/Coalition_of_the_willing
(7)
http://en.wikipedia.org/wiki/Wouter_Bos
(8)
http://www.docjazz.com/Articles/netherlands/netherlands.html
(9)
http://de.wikipedia.org/wiki/Theo_van_Gogh_%28Regisseur%29
(10)
http://en.wikipedia.org/wiki/International_Security_Assistance_Force#Contributing_nations
(11)
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=viewArticle&code=WAR20061116&articleId=3891
(12)
http://www.thestar.com/Special/Afghanistan/article/239537