Neue "Entführung" von "Stern"-Reporter in Afghanistan durch Hekmatyar ?

Berlin: Wie "Tagesschau.de" aus Sicherheitskreisen erfuhr, wurde in Afghanistan scheinbar der "Stern"-Reporter Christoph Reuter durch Milizen des Gulbuddin Hekmatyar (Hekmatjar) "entführt".(1)Bereits vor wenigen Tagen war - gleichzeitig zur Geisel-Affäre um angeblich durch "Taliban" entführte Deutsche - öffentlich geworden, dass der berüchtigte Kriegsfürst Hekmatyar angeblich die Seiten gewechselt hatte und den Kampf gegen das Karzai-Regime in Kabul aufgegeben haben soll.
Kurz darauf war allerdings ein Sprecher seiner Partei "Hezbi Islami" (Hezb-I Islami) aufgetaucht und behauptete, dass sei alles ein Schwindel.
Mehrfach hatte Radio Utopie berichtet, dass spätestens seit November 2006 es heimliche Treffen zwischen Hekmatyar und den US-gestützten Machthabern in Kabul gegeben hat.(2)

Nachdem über den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck wegen Forderungen nach Verhandlungen mit den Taliban eine Kampagne hereinbrach, in welchem er u.a. vom afghanischen "Aussenminister" Rangin Dadfar Spanta mit Nazis gleichgesetzt wurde, hatte der "Präsident" von Afghanistan, Hamid Karzai am 6.April dieses Jahres selbst zugegeben, dass er sich seit Längerem mit "Taliban" trifft und verhandelt.(3)

In dem von Hekmatyar beherrschtem Gebiet lagern umfangreiche Kupfervorkommen im Werte von ca.1.6 Billionen Dollar, um die letztes Jahr ein wildes Gerangel diverser Konsortien aus Kanada, Indien, Kasachstan, den USA, Russland und China ausgebrochen war.(2)

Der Kriegsfürst Gulbuddin Hekmatyar gilt als kontinuitiv enger Verbündeter des Regimes in Pakistan. Er empfing während der sowjetischen Besatzung Afghanistan Milliarden von US-Dollar über die CIA und den pakistanischen Geheimdienst ISI (4).
Angeblich liess er Hunderte von Schulen in Pakistan errichten, in dem er sich lange Zeit aufhielt und die Partei "Hezbi Islami" (Hezb-I Islami) gründete.

Nach diversen Machtkämpfen flüchtete er 1996 in den Iran.
Nachdem er Ende 2001 das durch die US-Regierung - welche mit einer internationalen Streitmacht mittlerweile Afghanistan erobert hatte - neu ausgehandelte Regime in Kabul in Frage öffentlich angegriffen hatte, wurde er 2002 aus dem Iran ausgewiesen.
Seitdem ist sein Aufenthalt offiziell unbekannt. Er selbst brüstete sich noch im März 2007 damit, dass seine Kämpfer 2001 Bin Laden die Flucht aus Tora Bora ermöglicht hätten (5) - als er selbst im Iran war.

Noch am 13.Januar hatte der "Stern" ein Exklusiv-Interview mit Hekmatyar (Hekmatjar) gebracht.
Damals ging es in der deutschen Öffentlichkeit um den Einsatz der deutschen Luftwaffe und ihrer Tornado-Bomber an der Front in Süd-Afghanistan. Hekmatyar stellte sich damals als fürchterlicher Feind des Westens dar. Zitat:

STERN: Sie gelten als die womöglich zentrale Figur des Widerstandes in Afghanistan. Kooperieren Sie mit den Taliban und Al-Qaeda?

HEKMATYAR: Wir haben ständig die Einheit der Mujaheddin betont und ihnen gesagt, dass sie in ihren Gebieten jedem beistehen sollen, der gegen die Besatzer kämpft und in einem freien Afghanistan einen islamischen Staat errichten möchte. (..)

STERN: Warum arbeiten Sie nicht mit Hamid Karzai zusammen, der in einer freien Wahl zum Präsidenten gewählt wurde?

HEKMATYAR: Karzai hat während des Krieges gegen die Sowjets mit einer kleinen Partei gearbeitet. Er hat sich damals mit den Taliban verbündet und später den Fehler gemacht, sich von Pakistan mit einem US-Helikopter nach Kabul fliegen zu lassen. Dort hat er den Vorsitz einer Regierung übernommen, die Amerika in Kabul installiert hat.

Desweiteren sagte Kriegsfürst Hekmatyar während dieses Interviews im Januar, die Amerikaner hätten "Afghanistan für Moskau und Iran erobern lassen" und riet den Deutschen:
"Ziehen Sie Ihre Soldaten aus Afghanistan ab!"

Na so ein Zufall.
Ach, und Herr Jörges:
Nicht vergessen - da ist jetzt Musik drin, in der Republik...

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Quellen:
(1)
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID7170006_,00.html
(2)
http://www.radio-utopie.de/index.php?themenID=729
(3)
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=405&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=4
(4)
http://en.wikipedia.org/wiki/Hekmatyar
(5)
http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/6252975.stm