US, Israel führen mit kurdischer Miliz im Irak bereits Krieg gegen Iran

Nordost-Irak: Nicht nur unbehelligt, sondern aktiv unterstützt und finanziert von den US-Besatzungstruppen sowie aus Israel, führt eine kurdische Miliz namens PEJAK (PJAK) seit Jahren de facto Krieg gegen den Iran aus irakischem Territorium heraus (1,2)und hat dabei allein im Jahre 2005 120 iranische Soldaten getötet (3).Bereits am 18.April 2006 hatte sich der demokratische Kongreßabgeordnete Dennis Kucinich darüber lauthals bei der Bushregierung beschwert. Auch der investigative US-Journalist Seymour Hersh hatte bereits im November letzten Jahres die US-israelische Unterstützung, unter anderem für die Terror-Gruppe MEK bestätigt (3).
Angeblich soll die PEJAK ein Ableger der PKK sein. Sicher ist nur, daß sie unter US-Kontrolle steht.

Die angebliche PKK-Ablegerschaft nutzt derweil offenbar die Regierung der Türkei für einen kurz bevorstehenden Einmarsch im Irak.

Seit Wochen zieht das türkische Militär Truppen an der 4-Ländergrenze mit Iran, Irak und Syrien für einen Schlag zusammen, angeblich nur gegen die Kurden, ähh, die PKK im Irak und mit Einverständnis der US-Regierung(4), die natürlich heilfroh wäre, wenigstens einen Alliierten mehr auf den sinkendenden Kahn gequatscht zu haben.
Was merkwürdig ist: angesichts von 240.000 türkischen Soldaten (5) an der Grenze zum Nord-Irak, zeigen die dort herrschenden Kurden-Parteien wahrlich nur mäßige Aufregung. Der KDP-Chef Massoud Barzani erklärte gar:"Wir haben keine Angst vor der Türkei". (2)

Das könnte auf einen Deal zwischen Barzanis Kurden-Milizen (die PEJAK ist ja sowiso US-ferngesteuert), der türkischen Regierung und den US-Strategen hindeuten.
Es würde perfekt in das von US-Think Tanks wie dem "Saban-Center for Middle East Policy" an der "Brookings Institution" entwickelten Konzept einer Zerschlagung des Iraks in drei Teile passen, mit anschließendem Stellvertreterkrieg der USA mit ihren traditionellen Verbündeten Türkei, Saudi-Arabien und Jordanien gegen den Iran (wir berichteten gestern darüber, (8)).

Es wird, wie in der neuen Ausgabe der "Newsweek", auch über eine türkisch-iranische Annäherung spekuliert. (7)
Angesichts der kolonialen Vergangenheit der Türkei bzw. des "Osmanischen Reiches" über die Perser und der sunnitisch-schiitischen Gegensätze scheint das aber eher unwahrscheinlich.
Außerdem ist die türkische Politik traditionell zu dumm zu sowas. Es gab bisher nicht ein einziges Beispiel der türkischen Außenpolitik, wo der eigene, grenzenlose Chauvinismus nicht gegen die Interessen der türkischen Bevölkerung ausgespielt werden konnte.

Letzte Woche kam das türkische Parlament zu einer "geheimen" Sitzung zusammen, um über einen Militärschlag (angeblich) im Irak zu entscheiden (3). Vor ein paar Tagen verließen türkische Kriegsschiffe die Mittelmeerbasen um sich zwischen Zypern und Syrien im östlichen Mittelmeer zu postieren, angeblich ging es da um Öldeals zwischen Zypern, Ägypten und dem Libanon (6), aber wozu dann die Flotten?

Der türkische Außenminister Gül fliegt nächste Woche nach Washington, gefolgt von seinem Generalstabschef Yasar Buyukanit. Beide treffen sich mit Dick Cheney, US-Außenministerin Condoleeza Rice und mit dem Beauftragten für Nationale Sicherheit, Stephen Hadley. (9)
Soetwas machen keine Gegner. Das machen Verbündete.

Ein unabhängiger Kurdenstaat im ex-Nord-Irak entlastet die Türkei, sie dient als ein Ventil für die kurdische Minderheit auf türkischem Territorium.
Die Beziehungen zwischem dem US-Militär und der Türkei sind nachwievor so eng, wie zu fast keinem anderen NATO-Land, eine Konfrontation mit den US ist nicht realistisch.
Wenn die US andererseits ihre kurdischen Verbündeten im Nord-Irak opfern würden, verlören sie auch einen wichtigen Stellvertreter im Krieg gegen den Iran.
Es läuft auf einen Deal der beteiligten Parteien hinaus.

Derweil scheint sich die westliche Öffentlichkeit, nachdem sie sich fast 4 Jahre mit dem Unsinn eines angeblich demokratischen Irak mit blühenden Landschaften durch US-Besatzung hat einlullen lassen, übergangslos mit der Zerschlagung des Iraks anzufreunden.
Die US-gesteuerte Kriegskoalition könne da ja auch nichts mehr machen. Schließlich habe sie ja schon das Land besetzt.
Da könne es jetzt auch keine Tabus mehr geben (10).
Ergo: das Konzept einer Zerschlagung des Irak durch die westlichen Invasionstruppen geht auf, die angedachten Konzentrationslager für ethnische Volksgruppen und Flüchtlinge werden entstehen (8) und der Krieg der NATO plus Willigen gegen den Iran läutet die nächste Runde im "Global War on terror" ein.

Mit der Grazie eines Karnickels wird hier einem Weltkrieg zugeglotzt, daß es unsere Großväter der Nazi-Zeit wahrlich stolz gemacht hätte.
Dieser Krieg ist das Ende des Westens.

Quellen:
(1)
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=101921&bolum=102
(2)
http://www.bitsofnews.com/content/view/4714/2/
(3)
http://en.wikipedia.org/wiki/Party_for_a_Free_Life_in_Kurdistan
(4)
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3856&Alias=wzo&cob=268481
(5)
http://www.antiwar.com/ips/salih.php?articleid=10458
(6)
http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=65353
(7)
http://www.msnbc.msn.com/id/16959214/site/newsweek/
(8)
http://radio-utopie.de/index.php?themenID=269
(9)
http://www.aina.org/news/20070204123351.htm
(10)
http://www.nachrichten.at/politik/aussenpolitik/514759?PHPSESSID=249443e3a33ca8095556118d2f508a3f